100 Feet (2008)

OT: 100 Feet - 96 Minuten - Horror / Thriller
100 Feet (2008)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu 100 Feet

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Spätestens seit Helmut Elsner, kennt Österreich den Einsatz von Fußfesseln. Meist bekommen dies Straftäter, welche aufgrund ihrer körperlichen Gebrechen nicht in der Lage sind, ihr Vergehen in einem normalen Gefägnis abzusitzen. In Disturbia bekam Shia LaBeouf eine verpasst, weil er handgreiflich gegenüber einem Lehrer wurde und in 100 Feet läuft Famke Jannsen 105 Minuten mit einer herum, weil sie ihren Mann (aus Notwehr) erstach. Der Einsatz von Fußfesseln ist somit zumindest im Film flexibel und auf verschiedene Verbrechen anwendbar, jedoch haben Elsner, LaBeouf und Jannsen alle etwas gemeinsam: sie alle dürfen sich nur innerhalb eines gewissen Radius bewegen, bevor ein Warnsignal ertönt und nach kurzer Zeit die Polizei gerufen wird. Sie alle sitzen fest. Famke Jannsen in einem Umkreis 100 Feet, also etwas mehr als 30 Meter.

Marnie Watson (Famke Jannsen) leidet jahrelang unter den Gewaltausbrüchen ihres Ehemanns und irgendwann hat sie genug. In einer Situation voller Angst und Verzweiflung, ersticht sie Polizisten Mike (Michael Pare). Ihre Strafe: nach einem Gefägnisaufenthalt wird sie via Fußfessel in ihrem eigenen Haus, dem Tatort des tödlich ausgehenden Streits eingesperrt. Der Radius, in welchem sie sich bewegen darf, ist gerade groß genug um ersten Stock und Keller zu erreichen, sowie die Haustüre zu öffnen. Sobald sie sich 3 Minuten außerhalb ihrer Zone befindet, wird automatisch ein Streifenwagen zu ihr geschickt. Weglaufen ist somit zwecklos, vor allem weil der ehemalige Partner ihres Mannes Shanks (Bobby Cannavale) Tag und Nacht vor ihrem Haus wie ein Wachhund auf der Lauer sitzt, weil er sich selbst nicht verzeihen kann, diese Tat nicht verhindert zu haben. Relativ bald muss Marnie feststellen, dass sie nicht alleine in ihrem Haus gefangen ist. Aus knarrenden Dielen werden bald eigenartige Reflexionen im Dunkeln, aus plötzlich ausgehenden Kerzen werden unheimliche Geräusche und nach mehreren vermeintlichen Haushaltsunfällen, muss die hübsche Witwe feststellen, dass niemand anderer als ihr verstorbener Ehemann als Geist zurückgekehrt ist, um sie mit allen Mitteln zu sich ins Reich der Toten zu ziehen...

Spukhäuser sind nicht gerade eine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Jedes Jahr erscheint eine neue Version von Amityville, meistens alles Andere als sehenswert. Regisseur Eric Red, der bereits 1986 mit dem passablen Road- Horror- Movie Drehbuch von The Hitcher auf sich aufmerksam machen konnte, gelingt es trotzdem in den ersten 30 Minuten eine spannende Story über eine missbrauchte, gedehmütigte, zum Morden gezwungene Frau aufzubauen, die selbt nach dem Tod ihres Mannes mit seiner Gewalt konfrontiert wird und das härter und schrecklicher denn je. Ja, in den ersten 30 Minuten gibt es kaum etwas zu bemängeln, sogar die Effekte, sowie die Darstellung des rastlosen (toten) Ehegattens sorgen für Grusel und Spannung. Leider ist der einzige folgende Grusel, die Tatsache, dass der Film ab Minute 31 immer schlechter wird, bis er schlussendlich in wohl einem der miesesten, lächerlichsten Enden der Filmgeschichte gipfelt.

Was funktioniert nicht? Zwar wird eine recht realistische Geschichte mit nachvollziehbaren Charakteren aufgebaut, diese wird jedoch vollends zerstört, wenn es darum geht Side-Charaktere einzuführen oder gar den Verlauf der Geschichte zu erklären. Marnie steht zwar immer wieder vor derselben Frage: Was zum Teufel will mein verstorbener Ehemann von mir? Anstatt diese Frage jedoch irgendwie zu beantworten, werden dem Zuschauer verschiedenste Andeutungen angeboten, die jedoch alle ungelöst bleiben. Es scheint fast, als hätte Red schlichtweg keine Ahnung von Geistern. Während sich wohl der berühmteste von allen – Poltergeist – recht klar ausdrückte, selbst wenn dies bedeutete einfach nur Geschirr in der Gegend herumfliegen zu sehen, zieht es Mike der Polizistengeist vor, einerseits durch Wände zu laufen, andererseits als Materie aufzutreten, die Menschen schlagen, die Treppe hinunterwerfen, sowie einen ausgewachsenen Mann sogar vollkommen in seine Einzelteile erlegen kann. Sentimentalität scheint ihm vollkommen egal zu sein, immerhin hat er keine Probleme damit, dass sämtliche Überbleibsel von ihm (Gewand, Sportequipment, Fotos) von seiner Frau entsorgt werden, dann dreht er aber wieder vollkommen durch, wenn diese versucht sich des Eherings zu entledigen.

Wenn man sich 100 Feet ansieht, möchte man meinen, Regie und Drehbuch hätten mit jeder fortschreitenden Minute beschlossen unlogischer, unnachvollziehbar brutaler und unpassend effektereich zu werden, was aus der anfangs wirklich passablen Abwandlung eines modernen Amityville eine kranke Mischung aus 13 Geister, der Herr der Ringe und Explosive-Blown Away macht. Und ja: diese Mischung kann nur schlecht sein!

Fazit:
100 Feet ist 30 Minuten lang gut und danach 75 Minuten lang durchgehend schlecht. Mathematisch gesehen ist der Film somit 70% missraten und 30% gelungen. Aufgrund einer fehlenden Struktur, zig angerissenen Versuchen einer Erklärung, unerklärlich gesteigerte Brutalität und das gepaart mit wirklich schlechten Nebencharakteren und Dialogen, sowie nahezu vollkommen übertriebenen Effekten, bekommt der Film im Schulnotensystem ganz klar ein Ungenügend. Und im Benotungssystem von Filmering einfach nicht mehr als 3 Punkte.

Wertung:
3/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
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Liste von shitneyy
Erstellt: 20.05.2015