Shoot 'Em Up

OT: -  86 Minuten -  Action / Komödie
Shoot
Kinostart: 21.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Shoot 'Em Up

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Regisseur und Drehbuchautor Michael Davis musste sich etwas Besonderes einfallen lassen, um sein Baby Shoot 'Em Up bei einem Studio unterzubringen. Sicherlich gibt es Regisseure, deren bloßer Name reicht, um ein Projekt unter Dach und Fach zu bringen, aber der eher unbekannte Davis zählt nicht dazu. Er fertigte unzählige Animationssequenzen an, die eigentlich dazu dienten, die Actionszenen für ihn zu visualisieren, und um dem Team, falls der Film jemals entstehen sollte, zu zeigen, was Davis erreichen will. Schließlich kam er jedoch auch auf die Idee, dass dieses Material dazu geeignet wäre, um den Film beim Studio zu promoten.

Und eben diese Animationssequenzen waren es auch, die New Line Cinema davon überzeugten, den Film zu machen und Davis eine Chance zu geben. Doch nicht nur bei der Studiosuche kamen sie zum Einsatz, sie wurden auch dazu verwendet, um die Wunschschauspieler zu überzeugen, und so waren schließlich einige von Regisseur Davis gezeichnete Animationen ausschlaggebend dafür, dass Shoot 'Em Up in die Kinos kommt. Doch was ist nun das Besondere an diesem Projekt, das sowohl ein Filmstudio als auch renommierte Darsteller wie Clive Owen, Monica Bellucci und Paul Giamatti anziehen konnte? Das ist sehr einfach zu beantworten: Shoot 'Em Up ist der wohl rasanteste, lustigste, brutalste, skurrilste, überzogenste und einzigartigste Actionfilm seit sehr langer Zeit. Ein Meisterwerk wird nur dadurch verhindert, dass man es mit all diesen Komponenten ein kleines bisschen übertrieben hat.

Mr. Smith (Clive Owen) war früher einmal bei der Armee und wurde in einem Geheimprogramm zum Killer umerzogen. Doch eigentlich versucht dieser jähzornige und wütende Mann nur, ein normales Leben zu führen. Doch das Schicksal meint es anders mit ihm: Als er eines abends auf den Bus wartet, sieht er, wie eine schwangere Frau von Killern gejagd wird, die sie töten wollen. Dies kann Mr. Smith natürlich nicht auf sich sitzen lassen, und er versucht, die Frau zu retten. Dies verläuft nicht ganz nach Plan, und so muss er der Frau zunächst beim Entbinden helfen und sich nach ihrem Tod um das Baby kümmern. Doch aus irgendeinem Grund scheint ein Killerkommando unter der Leitung von Hertz (Paul Giamatti) sehr daran interessiert zu sein, das Baby tot zu sehen. Gemeinsam mit der Prostituierten DQ (Monica Bellucci) versucht Mr. Smith, das Baby unter großen Verlusten der Gegner zu beschützen...

Shoot 'Em Up scheint von so etwas wie einer Einführung der Charaktere nicht besonders viel zu halten. Von Anfang an legt man ein unglaublich hohes Tempo vor, das auch bis zum Ende des Films ziemlich konstant gehalten wird. Im Grunde genommen ist die Story nur alibimäßig im Film, um einen Rahmen rund um die verschiedenen Schießereien, ausgefallenen Actionszenen und nackten Tatsachen zu legen. Im Wesentlichen ist Shoot 'Em Up nämlich eine einzige lange Verfolgungsjagd, die mit Kreativität, Brutalität und einer gewaltigen Prise schwarzem Humor aufgelockert wird.

Bereits der Anfang hat es in sich: Cool wie ein Schneemann sitzt Protagonist Mr. Smith auf einer Bank und beobachtet scheinbar unbekümmert, wie sich eine schwangere Frau an ihm vorbeikämpft, danach ein Auto auf sehr aggressive Weise um die Ecke geschossen kommt und ein Kerl mit einer Waffe die Frau verfolgt. Schließlich ringt er sich doch dazu durch, der Frau zu helfen und landet dann in einer gigantischen Schießerei. Doch Mr. Smith ist natürlich nicht irgendwer, er ist der ultimative Schütze schlechthin. Dann folgt eine Szene der besonderen Art. Ich habe schon wirklich viel gesehen, aber wie ein heruntergekommener Kerl wie Mr. Smith mitten in einer Schießerei in einer noch heruntergekommeneren Lagerhalle einer Frau bei der Geburt assistiert und schließlich mit einer Karotte das Leben eines Gegners auslöscht, ist mir noch nicht untergekommen.

Doch auch danach geht es Schlag auf Schlag weiter und Shoot 'Em Up bleibt seiner Linie immer treu. Es wird sicher viele Leute geben, die mit der maßlos übertriebenen, comichaften Inszenierung des Films und seiner Brutalität nicht zurechtkommen, und diese Leute seien hier auch gewarnt, dass es bei Shoot 'Em Up immer over the top zugeht und der Film sich in keiner Sekunde ernst nimmt. Jeder, der sich auf diese Ausgangslage allerdings einlässt, der bekommt mit Shoot 'Em Up mit Sicherheit den spaßigsten und auf seine Weise kreativsten Actionfilm des Jahres zu sehen.

Die wichtigste Komponente des Films, trotz aller Brutalität, bleibt sein besonderer Sinn für Humor. Shoot 'Em Up ist auf solch eine Weise überzeichnet, dass es eigentlich gar nicht mehr in Frage kommt, diesen Film ernst zu nehmen. Die Actionszenen sind dabei so kreativ und ausgefallen, dass man als Zuseher gar nicht mehr aus dem Lachen herauskommt, wenn man sieht was Mr. Smith alles mit seiner Karotte anstellt. Leute die, allerdings im Kino sitzen und bei jeder Gelegenheit "Das war aber unrealistisch!" rufen, sollten sich diesen Film am besten sparen, denn Shoot 'Em Up gewinnt gerade viel Reiz daraus, dass er die unrealistischen Szenen des Actiongenres noch viel übertriebener darstellt und somit schon fast zu einer Parodie wird.

Weiter aufgelockert wird das Ganze selbstverständlich durch die zynische und vor allem unbeschreiblich coole Darstellung von Clive Owen, der als Actionheld eine Bruce Willis-mäßige Show der Superlative abzieht. Es macht einfach Spaß, ihn als Oneliner klopfenden, heruntergekommenen Antihelden zu sehen, der nichts kann außer schießen, und um seine Sehkraft zu verbessern nur Karotten isst. An seiner Seite spielt Monica Bellucci zwar eine Prostituierte, aber auch gleichzeitig eine starke Frau, die sich als einzige Figur im Film mit Mr. Smith messen kann. Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, aber diese ist im Gegensatz zu vielen anderen Filmen nicht deplatziert. Sie ordnet sich nämlich dem grundlegenden Konzept des Films unter und beschränkt sich somit auf einige körperliche Szenen, die Actionfans sicher nicht missfallen werden. Vor allem da die Chemie zwischen Monica Bellucci und Clive Owen stimmt und dabei auch noch die richtigen Schauwerte mitgebracht werden.

Doch nicht nur die Protagonisten verdienen Lob, sondern auch auf der Seite der Bösen gibt es eine herausragende Darstellung. Paul Giamatti, darf sich zum ersten Mal in seiner Karriere als Bösewicht versuchen und liefert auch gleich eine ausgezeichnete Vorstellung ab. Da der ganze Film äußerst übertrieben ist, kann man davon ausgehen, dass dieser Stil nicht vor dem Schurken Halt machen wird. Ganz im Gegenteil: Paul Giamatti liefert eine vollkommen überzogene, schmierige und brutale Show, die schon fast an einen Bond-Bösewicht erinnert. Dabei trifft er aber immer den richtigen Ton und schafft es, nie in eine Parodie seiner selbt abzustürtzen. Wenngleich er auch einige selbstironische Seitenhiebe parat hat. Stichwort "Fuck me Sideways", als Anspielung an seinen oscarprämierten Film.

Doch neben dem zutiefst humorvollen roten Faden, der durch den Film führt, muss auch jedem klar sein, dass es in Shoot 'Em Up nicht gerade zimperlich zugeht. Die Einschusslöcher werden sehr blutig dargestellt, mal werden auch Körperteile abgetrennt und auch zwei Folterszenen haben es in den Film geschafft. Doch bei aller visueller Brutalität sei auch gesagt, dass diese Sequenzen psychologisch nie wirklich grausam werden. Shoot 'Em Up will ein Actionfilm mit viel schwarzem Humor sein, und legt deshalb auch viel Wert daruf, dass der Spaßfaktor nie abflacht.

Das Einzige, das man an dieser Achterbahnfahrt kritisieren muss, ist, dass vieles auch für das zugängliche Publikum schon einfach zu übertrieben ist. Natürlich ist es ein wesentlicher Teil des Konzepts, den Film völlig übertrieben darzustellen und auch die Actionszenen fern von jedem Realismus anzulegen, aber man trifft dabei leider nicht immer genau den richtigen Ton. Es sind einfach kleine Nuancen im Film, die den Genuss etwas trüben und somit verhindern, dass Shoot 'Em Up als wirklich herausragender Film bezeichnet werden kann. Einen spaßigen Abend mit Freunden garantiert der Film dennoch, und als Partyfilm wird er wohl der neue Topfilm sein. Insgesamt gesehen macht diese Achterbahnfahrt nämlich verdammt viel Spaß, wesewegen man die Kritikpunkte auch gerne vergessen kann.

Fazit:
Shoot 'Em Up ist der übertriebenste, rasanteste, witzigste und schrägste Actionfilm seit sehr langer Zeit. Der Film nimmt sich in keiner Sekunde ernst und ist an vielen Stellen einfach nur zum Brüllen komisch. Die abgehobenen Einfälle in den Actionszenen sind eine Nummer für sich, und das Dreiergespann rund um Clive Owen leistet hervorragende Arbeit. Das Einzige, das hier ein wirkliches Highlight verhindert, ist, dass der Film nicht immer den richtigen Ton trifft und somit an einigen Stellen, selbst für das an sich interessierte Publikum, schon fast zu übertrieben ist. Nichtsdestotrotz macht der Film unglaublich viel Spaß und jeder Actionfan sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.1/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 34
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Liste von wernobi
Erstellt: 27.12.2012