München

OT: -  164 Minuten -  Drama
München
Kinostart: 26.01.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu München

Von am

 

Palästinensische Terroristen der Organisation „Schwarzer September" dringen in das olympische Dorf der Spiele 1972 in München ein um das israelische Team zu kidnappen, Bei ihrer Flucht eskaliert die Lage und alle Geiseln werden getötet. Als Antwort der israelischen Regierung soll Mossad Agent Avner (Eric Bana) einen Rachefeldzug gegen die Drahtzieher des Attentats starten. Gemeinsam mit seinem Team muss er 11 Menschen töten, doch im Laufe des Auftrags stellt sich die Frage ob man Gewalt mit Gegengewalt bekämpfen kann und nach welchen Kriterien die Opfer überhaupt ausgewählt wurden. Sind sie wirklich alle Terroristen, oder will die Regierung nur politische Feinde eliminieren...

 

Steven Spielberg gilt als Meister des Unterhaltungskinos, allerdings scheiterte er in der Vergangenheit häufig an ernsten Themen. Sein letztes Meisterwerk liegt mit Schindlers Liste bereits 12 Jahre zurück und seine folgenden Versuche an brisanten Themen scheiterten entweder an zu viel Kitsch oder an viel zu dick aufgetragenen Pathos. Eines kann ich vorweg nehmen: Mit München hat er viele vergangene Fehler ausgebessert, aber perfekt ist auch sein neustes Werk nicht.

 

Absolut positiv anzurechnen ist dass München es schafft zum Denken anzuregen und die ewige Spirale aus Gewalt und Gegengewalt gekonnt hinterfragt. Anders als sonst von ihm gewohnt verzichtet Spielberg hier auf den moralischen Paukenschlag. Er erzählt dem Zuseher seine Geschichte und zwingt ihn förmlich über das gezeigte nachzudenken. Was er allerdings davon hält ist dem Betrachter selbst überlassen. Jeder muss für sich selbst entscheiden ob er den Rachefeldzug billigt oder nicht.

 

Negativ ist dass Spielberg nicht konsequent genug ist. Stellenweise wirkt der Film zu „sauber" und Mainstreamtauglich. Zwar ist München ein wirklich intelligenter Film, jedoch fällt Spielberg noch ab und zu ins Unterhaltungsfach zurück. Zum Beispiel wirken die Bombenbastelszenen alá James Bond etwas deplaziert und viele dunkle Seiten bleiben unbeleuchtet. Die Sympathien werden klar den Israelis zugeschoben und die Hintergründe der Palästinenser bleiben weitgehend im Verborgenen. So ergibt sich eine Hollywoodtypische Schwarz-Weiß Konstellation die fern von jeder Realität ist. Es wäre wünschenswert gewesen wenn Spielberg beide Seiten beleuchtet hätte und somit einen objektiveren Bericht abgeliefert hätte.

 

Ein weiterer Kritikpunkt ist dass das Attentat auf die Israelische Olympiamannschaft, das dem Film ja seinen Namen gibt, viel zu kurz kommt. Das Rückblickartige erzählen nimmt dem gezeigten seine Intensität und dämpft viel seiner Wirkung ab. Der gravierendste Mangel des Films ist aber seine Länge. Spielberg verstrickt sich viel zu sehr in Nebenhandlungen, deshalb ergeben sich einige langatmige Passagen die man hätte vermeiden können.

 

Handwerklich kann man an München absolut gar nichts bemängeln. Die Kameraarbeit ist perfekt, der Schnitt wirklich überzeugend und der Soundtrack passt sich makellos in die gezeigten Bilder ein. Besonders erwähnenswert sei hier die berühmte Szene als ein Terrorist in München auf den Balkon hinaustritt und die Lage erkundet. Spielberg zeigt uns die Szene aus dem Blickwinkel hinter ihm. Am linken Rand sieht man die Szene im Fernseher. Spielberg zeigt uns hier die perfekte Metapher und will uns übermitteln das alles nur auf den Blickwinkel ankommt aus dem man etwas betrachtet. Dies ist ein zentraler Themenpunkt des Films und verfolgt uns über die gesamte Spieldauer,

 

Schauspielerisch ist München ein wahrer Hochgenuss. Bis in die Nebenrollen perfekt besetzt liefert aber vor allem der Hauptdarsteller Eric Bana eine Glanzleistung ab. Nach seiner wirklich überzeugenden Darstellung des Hektors in Wolfgang Petersons Troja zeigt er in München erneut sein riesiges Talent. Seine Darstellung des von Selbstzweifeln und Angst geplagten Avner ist fernab von jedem Hollywoodhelden und hätte sich eine Oscarnominierung durchaus verdient.

 

Insgesamt hinterlässt München einen zwiespältigen Eindruck. Zwar ist die Handlung überzeugend und regt zum Denken an, andererseits stören Längen und gelegentliche Unentschlossenheit des Regisseurs den Filmgenuss. Eins ist allerdings sicher: München ist Spielbergs bester Film seit Schindlers Liste! Spielberg hat sich schon lange nicht mehr so weit von seinen idyllischen und kitschigen Familienfilmen entfernt!

 

Fazit:

Ein intelligenter Film, der stellenweise zu langatmig ist und etwas objektiver hätte ausfallen können!

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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