Lord of War - Händler des Todes (2005)

OT: - 122 Minuten - Satire
Lord of War - Händler des Todes (2005)
Kinostart: 16.02.2006
DVD-Start: 04.03.2011 - Blu-ray-Start: 04.03.2011
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Filmkritik zu Lord of War - Händler des Todes

Von am

  Michael Föls:

Yuri Orlov (Nicolas Cage) und sein Bruder Vitaly Orlov (Jared Leto) haben das Leben als Aushilfen im Restaurant ihrer Eltern satt. Sie wollen ganz nach oben kommen, und Yuri findet eine Möglichkeit an viel Geld zu kommen: Sie steigen in den Waffenhandel ein, doch der wirklich Durchbruch bis an die Spitze dieses Geschäfts will ihnen nicht gelingen. Als Yuri dann seine Traumfrau Ava Fontaine (Bridget Moynahan) heiratet spitzt sich die Lage für ihn noch mehr zu: Er heuchelt ihr einen Lebensstandard vor den er sich absolut nicht leisten kann und zusätzlich noch scheidet sein Bruder wegen seiner Kokainsucht aus dem Geschäft aus. Doch gerade als Yuri am Boden ist öffnen sich für ihn ungeahnte Tore: Der kalte Krieg ist zu Ende und Yuri kann mit Hilfe seines Onkels, der eine hohe Position in der Sowjetischen Armee besetzt, die Waffenlager der Sowjetunion aufkaufen und als Lord of War Waffen in die ganze Welt verkaufen. Sein größter Konkurrent Simeon Weisz (Ian Holm) will jedoch nicht tatenlos zusehen wie sein Markt übernommen wird, außerdem ist Interpol Agent Jack Valentine (Ethan Hawke) auch schon auf Yuris Spur...

 

Lord of War beginnt mit einer außerordentlich starken Sequenz die den Weg einer Patrone von der Herstellung, über den Transport bis hin in die Waffe und schließlich in den Kopf eines Menschen zeigt. Im folgenden Film werden wir vor allem genauestens über den Akt des Transportes informiert werden. Die Geschichte wird von Nicolas Cage mit sehr bissigen Kommentaren aus dem Off begleitet und kommentiert. Durch diese Kommentare wird Lord of War zur zynischen Bombe im Hochglanz Gewand.

 

Die besondere Anziehung des Films ergibt sich hauptsächlich auf Grund seines schwarzen Humors und seinem wirklich überzeugenden Hauptdarsteller. Nicolas Cage spielt die beste Rolle seit seines grandiosen Doppelauftrittes in Adaption und überzeugt mit seinem zwiespältigen Auftritt voll und ganz. Auf der einen Seite steht der Waffenhändler, der sehr wohl weis was mit seinen Waffen gemacht wird, aber einfach weg sieht, und auf der anderen Seite steht der Familienvater, der es einfach nicht fertig bringt seine schmutzigen Geschäfte fallen zu lassen. Ein wichtiger Bestandteil des Films ist Yuris Unfähigkeit Partei zu ergreifen. Er kann weder treu zu seiner Frau stehen, noch kann er seine Zweifel an dem Waffenhandel in Taten umsetzen oder verhindern dass sein Waffenschieber Konkurrent getötet wird. In einer Szene weist der Präsident von Liberia Yuri darauf hin das er nur Stopp sagen muss um es zu beenden, und Yuri kann einfach nicht Partei ergreifen. Die Zerrissenheit dieses Charakters wurde von Nicolas Cage hervorragend eingefangen und visualisiert. An seiner Seite agiert ein gut besetzter Jared Leto, der leider neben Nicolas Cage etwas blass bleibt. Ethan Hawke und Ian Holm teilen dieses Schicksal. Sie alle liefern eine tolle Vorstellung ab, können es aber nicht mit ihrem Hauptdarsteller aufnehmen.

 

Die Optik des Films erinnert sehr an ein Hochglanzmagazin. Durch den zynischen Unterton des Films ergibt sich eine unglaublich starke Wirkung. Der Film zeigt mit viel schwarzem Humor wie leicht es Waffenschieber in unserer Gesellschaft haben und das sie von vielen Regierungen sehr erwünscht sind. Überhaupt beinhaltet Lord of War viele sozialkritische Seitenhiebe die zum Denken anregen. Die Optik des Films unterstreicht seine satirischen Absichten und unterstützt dem Film in seinen zynischen Stellen. Leider hat dieser Stil aber auch einen Nachteil: In den Szenen in denen Menschen auf grausame Weise getötet werden können diese Hochglanz Bilder nicht wirklich schockieren. Hier hätten schmutzigere, realistischere Aufnahmen gut getan. Man muss sich in so einem Fall einfach entscheiden was man will: Entweder man dreht einen verstörenden Film zu diesem Thema und kann somit auch auf eine etwas schmutzigere Optik zurückgreifen, oder man dreht eben jenen zynischen Hochglanzfilm den wir hier vorfinden, nur hätte man eben diese Szenen weglassen sollen und seinem Stil treu bleiben müssen. Sonst ergibt sich nur eine Kompromisslösung die in diesem Punkt nicht wirklich überzeugt.

 

Lord of War bietet viel zynischen Humor und regt zum Nachdenken an. Zwar fallen einige Kompromisslösungen als störend auf weil sie sich nicht wirklich in das homogene Gefüge des Films einfügen wollen, aber insgesamt kann man den Film als einen Erfolg betrachten. Vor allem die fantastischen Bilder und der schwarze Humor mit sozialkritischer Botschaft lassen Lord of War überzeugen. 

 

Fazit:

Sozialkritischer Zynismus in tollen Bildern serviert und von tollen Darstellern gekonnt auf die Leinwand gebracht!

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 61
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Liste von purence
Erstellt: 25.11.2016