Das Leben gehört uns (2011)

OT: La guerre est déclarée - 100 Minuten - Drama
Das Leben gehört uns (2011)
Kinostart: 27.04.2012
DVD-Start: 25.10.2012 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Leben gehört uns

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Das Leben gehört uns (La Guerre est déclarée) ist eine Kriegserklärung an den Tod, eine Hymne an das Leben. Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Lebensgefährten Jérémie Elkaïm verfilmt die Schauspielerin und Regisseurin Valérie Donzelli einen sehr intimen Teil ihres gemeinsamen Lebens, umrahmt von einem fiktiven Grundgerüst. Das Resultat ist eine romantische Liebesgeschichte, ein berührendes Drama, ein modernes Musical, eine lebendige Komödie voll positiver Attitüden. Nach der umjubelten Weltpremiere in Cannes erreicht Das Leben gehört uns auch Österreichs Kinos, um in unserem oft so tristen Alltag etwas Lebensfreude zu versprühen.

Es ist Liebe auf den ersten Blick zwischen Roméo (Jérémie Elkaïm) und Juliette (Valérie Donzelli). In einer Discothek kennen gelernt, ziehen sie in eine gemeinsame Wohnung und der kleine Adam wird geboren. Schnell scheinen sie mit den Aufgaben junger Eltern überfordert zu sein und suchen fachärztlichen Rat. Die einheilige Meinung ist ernüchternd. Adam ist kein überdurchschnittlich schwieriges Kind, sondern todkrank. Diagnose: Hirntumor. Die anfangs glückliche Familie wird auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Warum werden gerade Roméo und Juliette auf diese Weise geprüft? Weil sie es schaffen können.

Mit Das Leben gehört uns verfilmt Valérie Donzelli einen Teil ihres eigenen persönlichen Lebensweges und spielt somit nicht nur als Schauspielerin die Hauptrolle. Auch im wirklichen Leben haben Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm ein schwer krankes Kind. Dieser intensive Schmerz gab den beiden den Anstoß zum Film und resultiert nicht in einem erschütternden Porträt ihrer realen Situation, sondern in einem berührenden, aber vor allem positiven Film über ein junges modernes Paar, das tapfer alle Hürden meistert und dabei nie die Hoffnung, geschweige denn ihren Idealismus verliert.

Der Regisseurin gelingt das große Kunststück, durch den Einfluss eines intermedialen Zusammenspiels, Emotionen und Gefühlszustände, im Film umzusetzen. Die Geschichte wird auf der einen Seite ganz klassisch durch aufeinander folgende Szenen erzählt, andererseits durch einen unparteilichen Erzähler gerafft und manchmal durch gesungene Lieder oder rhythmische Choreografien ergänzt. Kurze Momente der Verzweiflung werden durch wilde Kamerafahrten nebst schnellem Schnitt und rasanter Musik repräsentiert. Genregrenzen werden überschritten, fließen virtuos ineinander und schaffen es somit die Achterbahn der Gefühle als Film fest zu halten. Unterstrichen wird das intensive Gefühlskonzert durch das harmonische Zusammenspiel der beiden Protagonisten. Die Chemie zwischen Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm stimmt und wirkt authentisch, nicht zuletzt auf Grund des autobiografischen Hintergrunds.

Warum es der Film dennoch nicht zu einer Höchstwertung schafft, liegt vor allem am allgemeinen Drang eine fesselnde Geschichte zu erfahren. In Anlehnung an David Bordwell lässt sich behaupten, dass die Erinnerung an einen Film nachdem man den Kinosaal verlässt in der Erinnerung an die Geschichte begründet liegt. Die Handlung des Films ist jedoch austauschbar. Es fehlt teilweise an markanten Momenten, verblüffenden Wendungen oder hervorstechenden Charakterzeichnungen. Auch der eklektische Stilmix ist an manchen Stellen hinderlich, wirkt zu üppig aufgetragen und als Gesamtkomposition zu ausgefranst, um auf ganzer Linie zu überzeugen.

Letztendlich fällt diese Kritik aber nicht so schwer ins Gewicht. Ein Film muss nicht perfekt sein um zu gefallen, geschweige denn einem Diktum eines dramatischen Handlungsbogens folgen. Denn Das Leben gehört uns ist vor allem eines: Ein schön anzusehender Film, der von den Schattenseiten des Lebens die positiven Momente hervorhebt und - soviel sei verraten - mit einem Happy End abschließt.

Fazit:
Das Leben gehört uns schafft es auf vorzügliche Weise, Emotionen und Gefühlszustände audiovisuell um zu setzten. Mit einem gehörigen Schuss Idealismus erklärt Valérie Donzelli dem Tod eine strikte Absage und inszeniert eine schwungvolle Liebesgeschichte, die sich keinem konkreten Genre zuordnen lässt. Pessimismus oder Selbstmitleid scheinen in der Welt von Donzelli nicht zu existieren und das obwohl dem Film ein autobiografischer Ausgangspunkt zugrunde liegt. Die Regisseurin hat den schmerzvollen Phasen ihres Lebens schon lange den Krieg erklärt und Das Leben gehört uns ist das Zeugnis davon.

Wertung:
7/10 Punkte
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Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
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