Chronicle - Wozu bist du fähig? (2012)

OT: Chronicle - 84 Minuten - Action / Drama / SciFi / Thriller
Chronicle - Wozu bist du fähig? (2012)
Kinostart: 20.04.2012
DVD-Start: 15.08.2012 - Blu-ray-Start: 15.08.2012
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Filmkritik zu Chronicle - Wozu bist du fähig?

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Lange vor Youtube und Co machte der Überraschungshit The Blair Witch Project das Found Footage Prinzip auf den Kinoleinwänden salonfähig. Mittlerweile, im Zeitalter der omnipräsenten Videoclips, des ewigen Informationsstroms und der Massenübertragung aus unzähligen Wohnzimmern aller Welt, hat das Genre einen neuen Boom erfahren. Gelungene Videos verbreiten sich über die sozialen Netzwerke wie Lauffeuer und scheinbar kann es mittlerweile jeder zu (kurzzeitigem) Ruhm schaffen - vor allem das Horrorgenre hat die Möglichkeit erkannt den Schrecken noch unmittelbarer zu verbreiten. Doch nun folgt mit Chronicle ein etwas neuer Ansatz - der Film presst das “Superheldengenre” in das Found Footage Korsett und macht dabei über weite Strecke eine überraschend gute Figur.

In jeder Schule gibt es sie, die gnadenlosen Aussenseiter, die scheinbar nirgends so wirklich rein passen. Andrew (Dane DeHaan) ist einer von ihnen. Doch auch abseits der Schule läuft es nicht gerade rund. Seine Mutter (Bo Peterson) liegt im Sterben und sein Vater (Michael Kelly), kommt damit nicht klar. Der ehemalige Feuerwehrmann sitzt nur noch zuhause rum, säuft und verprügelt seinen Sohn. Um all dies zu dokumentieren filmt Andrew nun alles was rund um ihn geschieht. Doch sein Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als ihn sein Cousin Matt (Alex Russell) mit zu einer Party nimmt. Unerwartet finden Andrew, Matt und der allseits beliebte Sportler Steve (Michael B. Jordan) etwas seltsames im Wald und am nächsten Tag haben sie plötzlich telekinetische Kräfte...

Aus großer Kraft folgt große Verantwortung hieß es einst in Spider-Man, doch von diesem eisernen Moralkodex ist ihn Chronicle weit und breit nichts zu sehen. Hier gibt es keine Figuren, die im Schatten über eine Stadt wachen, merkwürdige Kostüme tragen und immer im Auftrag des Guten kämpfen. Stattdessen basiert Chronicle auf einer einfachen Überlegung. Was würde wohl wirklich passieren, wenn eine Gruppe High School Schüler auf einmal Superkräfte bekommen würden? Würden sie ihre Kraft bündeln und für das gute Kämpfen? Wahrscheinlich nicht - sie würden wohl vor allem die neuen Fähigkeiten für allerlei Blödsinn und den eigenen Vorteil ausnützen. So lange bis sie ihre Kraft nicht mehr kontrollieren können. Willkommen in der Welt von Chronicle.

Es ist ein schleichender Übergang der den Film durchzieht. Man beginnt sich an das Konzept zu gewöhnen, die Kräfte kommen und werden zunächst nur harmlos eingesetzt. Ein kleines Späßchen hier, ein netter Gag dort, niemand hat Böses im Sinn und es werden sogar einige Regeln aufgestellt: Nicht gegen Lebewesen einsetzen, usw. Klingt vernünftig, klingt gut, doch natürlich halten sich nicht alle daran. Besonders Außenseiter Andrew steht auf dem Prüfstand. Plötzlich hat er die Kraft sich zu wehren. Er ist nicht länger ein Opfer und es dauert nicht lange bis aus dem großen Spaß eine ernste Angelegenheit wird. Aus kleinen unkontrollierten Schüben wird kontrollierter Machtmissbrauch, bis schließlich die Hölle losbricht.

Wirklich überzeugend ist Chronicle dabei vor allem zu Beginn. Das Found Footage Konzept funktioniert recht gut (vor allem da die Superkräfte der Beteiligten auch neuen Spielraum in Sachen Kameraarbeit ermöglichen) und es macht schlicht unglaublich viel Spaß den Hauptfiguren dabei zuzusehen wie sie langsam ihre Kräfte entdecken und ihren Spaß haben. Dabei ist allerdings von Anfang an nicht alles nur vergnüglich. Besonders dank der heruntergekommenen Charakterzeichnung von Andrew hängt immer eine gewisse Melancholie in der Luft und es ist eigentlich von Anfang an klar, dass dieser gebrochene Charakter nicht mit seinen Kräften zurechtkommen wird. Und diese schleichende Bedrohung liegt wie ein dunkler Schleier über dem gesamten Film.

Allerdings verliert Chronicle gegen Ende hin viele seiner Qualitäten. Gerade der eher zurückgezogene Stil des Films ist es der anfangs so erfrischend wirkt. Im Kontrast zu den gesamten effektgeladenen, gigantischen Superheldenfilmen die man sonst so sieht hat Chronicle fast schon Indiecharakter. Aber eben dieser lobenswerte Ansatz wird letzten Endes völlig über Bord gekippt und der Film wird in einem gigantischen Showdown aufgelöst. Das ursprüngliche Konzept, dass es weder Superhelden, noch Superbösewichte gibt, wird gekippt und stattdessen wird ein etwas zu konventioneller Clash eingeläutet. Aber zumindest versucht Chronicle seine Charaktere glaubwürdig zu erörtern und zeigt wie es soweit gekommen ist. Und dank seines relativ hohen Unterhaltungswerts ist Chronicle trotz schwachem Ende sehenswert.

Fazit:
Chronicle ist ein Superheldenfilm der etwas anderen Sorte und überzeugt dank Found Footage Konzept und neuen Ideen mit einem frischen Stil, der speziell in der ersten Hälfte für einen hohen Unterhaltungswert sorgt. Hinzu kommt eine Prise Melancholie, die dafür sorgt, dass das Spektakel nicht zum reinen Klamauk verkommt, sondern sich immer seinen ernsten Zwischenton behält. Gegen Ende hin fällt der Film aber spürbar ab. Das liegt unter anderem daran, dass er seinen eher zurückhaltenden Stil fallen lässt und sich einen großen Showdown gönnt und zum anderen, dass man es sich doch nicht hat nehmen lassen die üblichen Heldenklischees breit zu treten (nachdem man sie zuvor so geschickt vermieden hat). Doch trotz diesen Schwächen ist Chronicle dank seines frischen Ansatzes ein überaus unterhalsamer Film geworden.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.1/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 26
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