Das bessere Leben (2011)

OT: Elles - 99 Minuten - Drama
Das bessere Leben (2011)
Kinostart: 06.04.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das bessere Leben

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Schon mit ihrem zweiten Spielfilm Leben in mir (2005) thematisierte die polnische Regisseurin Malgoska Szumowska die Geschlechterrollen und deren Verhältnis zueinander. Auch in ihrem neuesten Werk Das bessere Leben spielt sie mit der Provokation des weiblichen Geschlechts, indem sie zwei junge Frauen zeigt, die ihre Weiblichkeit bewusst einsetzen und sich zur Finanzierung ihres Studenten-Daseins der Prostitution verschreiben.

Der Film erzählt die Geschichte der Journalistin Anne (Juliette Binoche), die zusammen mit ihrem Mann Patrick (Louis-Do de Lencquesaing) und ihren beiden Söhnen in Paris lebt und im Rahmen der Recherche für eine Reportage über die Prostitution von Pariser Studentinnen auf zwei junge Frauen trifft, die eben dieses Schicksal leben. Von der aus Polen nach Frankreich gekommenen Alicja (Joanna Kulig) erfährt sie bei mehreren Gläsern Vodka von den bizarren Vorlieben ihrer Kunden, bei denen es sich vorwiegend um gelangweilte Ehemänner handelt. Auch die aus Sozialbauten einer kleinen, französischen Provinz stammende Charlotte (Anais Demoustier) berichtet Anne ganz offen von ihren Erfahrung. Dabei sieht sich Anne aber nicht zwei Opfern der Gesellschaft gegenüber, sondern erkennt vielmehr zwei Frauen, die genau wissen was sie wollen und nicht daran denken, den Luxus, den ihr Nebenjob erst leistbar macht, aufzugeben. Die intensiven Gespräche mit den Mädchen reißen Anne mit, lassen sie auch ihr eigenes, „besseres“ Leben überdenken und geben ihr eine neue Perspektive auf das Spiel mit der Lust.

In Das bessere Leben treffen zwei Welten aufeinander. Einerseits ist da die bürgerliche Journalistin, fürsorgliche Mutter und liebende Ehefrau Anne, die ein sorgloses Leben zu führen scheint. Andererseits sind da die beiden jungen Frauen, deren Leben noch vor ihnen liegt, sich aber dennoch jetzt schon nach einem „besseren“ sehnen und sich dieses durch das Verkaufen ihres Körpers ermöglichen. So werden zwei Perspektiven auf das gesellschaftliche Tabuthema Prostitution gezeigt, aber auch deren anziehende Wirkung aufeinander. Während die beiden jungen Frauen sich nach dem Wohlstand, den Anne genießt, sehnen, steigt neben ihrer anfänglichen Irritation, die dennoch stets auch Toleranz versprüht, ihrerseits das Interesse aus diesem auszubrechen.
   
Regisseurin Szumowska geht mit ihrem Film über die oberflächliche Behandlung der Prostitution hinaus in die Tiefe und zeigt die brisante und tabuisierte Thematik auf intelligente, emotionale Weise. Dabei setzt sie nicht so sehr auf große Beschreibungen, sondern lässt den Zuschauer vielmehr, teilweise auf voyeuristische Weise, am Geschehen teilhaben. Die Bilder sind größtenteils sinnlich intensiv inszeniert und lassen trotz der enthüllenden Darstellungsweise eine gewisse Distanz zum Zuschauer bestehen. Zwischen den drei, weiblichen Hauptfiguren herrscht jedoch eine gewisse Nähe und Harmonie. Die Rolle der toleranten und neugierigen Anne wird von der französischen Schauspielerin Juliette Binoche, die in Chocolat (2000) an der Seite von Johnny Depp und 2010 in Die Liebesfälscher von Abbas Kiarostami zu sehen war, verkörpert. Auch ihre jüngeren Kolleginnen Anais Demoustier (Wir sind alle erwachsen, 2009) und Joanna Kulig (The Woman in the Fifth, 2011) überzeugen als Studentinnen, die sich ihr Leben mittels Nobelprostitution finanzieren.
       
Was im Film fast komplett ausgespart wird, ist die moralische Belehrung, wie sie sich in anderen Bearbeitungen des Stoffes findet. Dies tut der Geschichte aber keinen Abbruch, geht es der Regisseurin doch auch nicht darum, Richtig und Falsch zu definieren, sondern einfach verschiedene Lebensentwürfe dreier Frauen mit unterschiedlicher Herkunft zu portraitieren. So wird auch Anne nicht als verurteilende Sauberfrau dargestellt, sie zeigt Interesse für die Mädchen und deren Leben und bringt somit auch Verständnis für ihre Entscheidungen auf.

Fazit:
Der polnischen Regisseurin Malgoska Szumowska gelingt mit ihrem polnisch-französischem Drama Das bessere Leben ein Film, der mit seiner provokativen Thematik der Prostitution zweier junger Frauen, die im Rahmen einer Reportage der bürgerlichen Journalistin Anne, die mit Juliette Binoche die passende Besetzung findet, aus dem Nähkästchen plaudern, besticht. Dabei tritt der Zuschauer immer wieder in die Beobachtungsposition, die ihm die emotionalen Prozesse in den Charakteren andeuten, aber auch genügend Freiraum zum Nachdenken über die beschriebenen Lebenssituationen lässt. Eine sinnlich offen inszenierte und fesselnde Geschichte, die gerade mit ihrem ehrlichen und nicht moralisierenden Grundton zwei weibliche Perspektiven sowie deren Nähe zueinander zeigt.

Wertung:
7/10 Punkte
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