The Lady - Ein geteiltes Herz (2011)

OT: The Lady - 132 Minuten - Biographie / Drama
The Lady - Ein geteiltes Herz (2011)
Kinostart: 06.04.2012
DVD-Start: 31.08.2012 - Blu-ray-Start: 31.08.2012
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Filmkritik zu The Lady - Ein geteiltes Herz

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Die burmesische Bürgerrechtlerin und Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wird oftmals mit den ganz großen Freiheitskämpfern Nelson Mandela und Mahatma Gandhi in einem Atemzug genannt. Da diese beiden Gallionsfiguren der gewaltlosen Demokratiebewegung bereits ihre Biopics haben, legt nun der französische Action-Spezialist Luc Besson die längst überfällige Verfilmung von Aung San Suu Kyis bewegtem Leben vor. Wie Sir Ben Kingsley in „Gandhi“ und Morgan Freeman in „Invictus“ sieht auch Michelle Leoh in „The Lady“ dem Vorbild zu verwechseln ähnlich. Im November 2010 nahm Aung San Suu Kyi den Kampf für Demokratie in Burma wieder auf, nachdem sie seit 1990 mit wenigen Unterbrechungen die meiste Zeit unter Hausarrest verbracht hatte. Wie verfilmt man nun also das Leben einer Frau, deren politischer Kampf sich zum Großteil hinter Stacheldraht in den eigenen vier Wänden abgespielt hat? Man legt die Politik beiseite und widmet sich dem Ehe- und Familienleben der Protagonistin. So ist „The Lady“ über weite Strecken leider ziemlich unpolitisch geworden.

Als Aung San Suu Kyi (Michelle Yeoh) ein kleines Mädchen war, wurde ihr Vater, General Aung San, während einer Kabinettssitzung erschossen. Er hatte Burma in die Unabhängigkeit von Großbritannien geführt und galt als große Hoffnung für die Demokratie. Ende der 1980er-Jahre lebt Suu Kyi nun als Hausfrau und Mutter mit ihrem Mann Michael Aris (David Thewlis) in England. Als ihre Mutter einen Schlaganfall erleidet, reist sie in ihr Heimatland zurück, in dem politische Unruhen toben. Die Regimegegner bitten sie, in die Fußstapfen ihres zum Volkshelden stilisierten Vaters zu treten und den Vorsitz einer neu gegründeten Partei zu übernehmen. Trotz Drohungen der militärischen Führung tritt Aung Sann Suu Kyi bei der Wahl an und gewinnt mit überragender Mehrheit. Die Militärs erkennen die Wahl nicht an und stellen sie unter Hausarrest. Der Kontakt zu ihrer Familie wird unterbunden. Ihr Mann beschließt dennoch, ihr treu zu bleiben und versucht von England aus, das Komitee des Friedensnobelpreises auf sie und die Zustände in Burma aufmerksam zu machen.

Regisseur Luc Besson machte sich in den 1990ern vor allem mit seinen virtuosen Actionspektakeln „Das fünfte Element“ und „Leon- Der Profi“ einen Namen. Dabei waren seine Filme vor allem in optischer Hinsicht stets kleine Meisterwerke. Auch in „The Lady“ liefert der Franzose atemberaubend schöne Bilder und unvergessliche Szenen – etwa wenn Aung San Suu Kyi vor der Shwedagon-Pagode eine Rede vor tausenden von Menschen hält. Doch auf inhaltlicher Ebene wurde einfach zu wenig riskiert. So wird die politische Geschichte Burmas nur gestreift und im Mittelpunkt der Handlung steht einmal mehr die Liebe – in diesem Fall zwischen Suu Kyi und ihrem englischen Ehemann Michael Aris, die durch ihren Hausarrest und sein Einreiseverbort in Burma jahrelang bis zu seinem Tod getrennt voneinander lebten. Natürlich gibt auch diese Geschichte viel her, doch anstatt die große Liebe des Ehepaares der Eskalation im Land gegenüber zu stellen, wird diese vereinfacht. Die Anführer des brutalen Regimes sind eine Horde von Generälen, die mit ihren Kassen-Brillen und braunen Uniformen allesamt gleich aussehen. Und genau so wenig individuelles Profil erhalten auch ihre Charaktere. So verkommen sie zu lächerlichen Karikaturen und einen Einblick in ihre politische Motivation gibt es sowieso nicht.

Die malaysische Schauspielerin Michelle Yeoh strahlt genau die Erhabenheit und Ruhe aus, die man auch Aung San Suu Kyi bescheinigt. Sowohl als Führerin einer Partei, als auch als liebende Mutter und Ehefrau agiert sie grandios. Hochemotionales Spiel zeigt sie aber vor allem dann, wenn Suu Kyi die zunehmende Unvereinbarkeit dieser beiden Rollen dämmert. Leider erlaubt es das Drehbuch von Rebecca Frayn ihr nicht, einen Einblick in die Motivation und die Beweggründe der Freiheitskämpferin zu geben. Daneben gibt David Thewlis  sehr ergreifend den liebevollen Ehemann, der auch nach jahrelanger Trennung zu seiner Frau steht. So stimmt die Chemie der beiden Schauspieler den ganzen Film hindurch, doch leider ist das Schicksal des Ehepaares dem Zuseher nie wirklich zugänglich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die zunehmend prekäre politische Lage, in der sich Suu Kyi befindet, vom Regisseur nicht wirkungsvoll inszeniert ist.

Fazit:
An einer Stelle des Films wirft Aung Sann Suu Kyi dem skrupellosen General vor, er lasse sie zwischen ihrem Land und ihrer Familie wählen. Luc Besson hat sich anders entschieden als die Bürgerrechtlerin. Schade! Ein bisschen mehr geschichtlicher und politischer Hintergrund hätte den Film aufregender gemacht.

Wertung:
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