Was weg is, is weg (2012)

OT: Was weg is, is weg - xx Minuten - Komödie / Drama
Was weg is, is weg (2012)
Kinostart: 30.03.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Was weg is, is weg

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Was weg ist, ist der Arm des Metzgers Much (Jürgen Tonkel) und was beginnt ist eine wilde Schnitzeljagt quer über Felder, Wiesen und Wege. Die Suche nach dem verlorenen Arm führt die drei verlorenen Brüder Lukas (Florian Brückner), Paul (Mathias Kellner) und Hansi (Maximilian Brückner) zu ihrem Elternhaus zurück und vereint eine zerrissene Familie. Christian Lerch, bekannt vor allem als Co-Autor von Wer früher stirbt ist länger tot, zeigt sich das erste mal auch für die Regie verantwortlich und schafft ganz im Stil des erfolgreichen „Vorgängers“ eine trockene Komödie, angesiedelt in jener Epoche in der Vokuhila, Mobiltelefone, Satellitenschüsseln, Speedmetal, Greenpeace und Tschernobyl groß wurden.

Die Geschichte beginnt mit einem Schicksalsschlag in den aufwühlenden 1960er Jahren irgendwo in Bayern. Die drei Brüder Lukas, Paul und Hansi müssen mit ansehen wie ihr geliebter Onkel Sepp (Johann Schuler) von einem Stromschlag ins Totenbett befördert wird und dadurch die heile Welt ihrer Kindheit auseinander reisst. Fasst zwanzig Jahre später kreuzen sich ihre Wege wieder, als der insolvente Metzger Much durch einen Unfall seinen Arm verliert und ein wildes Roadmovie über die Feldwege des idyllischen Dorfs Kraiburg beginnt. Die drei Brüder könnten unterschiedlicher nicht sein und haben sich im Laufe der Jahre zu sehr unterschiedlichen Individuen entwickelt. Lukas ist ein engagierter Ökoaktivist, während Hansi zu einem dubiosen Versicherungsvertreter aufgestiegen ist. Und Paul, der den tragischen Unfall seines Onkels nie wirklich verkraften konnte, ist im Stadium seiner Kindheit stecken geblieben. Das einzige was die drei verbindet, sind ihre Kindheitserinnerungen und die Tatsache, dass sie alle drei nicht mehr viel mit ihren Eltern (Johanna Bittenbinder, Heinz-Josef Braun) zu tun haben wollen. All dies soll sich jedoch an einem „komischen Dog“ ändern.

Besonders durch Marcus H. Rosenmüller ist die moderne bayrische Komödie salonfähig geworden und erfreut sich im Kino genauso wie im Fernsehen großer Beliebtheit. Gemeinsam mit vielen ehemaligen Mitarbeitern Rosenmüllers wagt sich Christian Lerch erstmals über einen eigenständigen Spielfilm, der nicht nur durch die gecasteten SchauspielerInnen an Rosenmüllers Filme erinnert, sondern auch in der Aufmachung und Umsetzung. Christian Lerch versucht sich in dieser vordefinierten Linie einzureihen, schafft es aber leider nicht sich von den Mitkonkurrenten großartig abzusetzen.

Das Szenario kommt einem bekannt vor. Der Schauplatz ist ein kleines Dorf irgendwo in Bayern in den 1980er Jahren. Der Film ist gesättigt mit schwarzen Anspielungen auf die bayrische Mentalität gepaart mit einer sarkastischen Hommage an die 1980er Jahre. In der Ära von Pazifismus, Terrorismus und freier Liebe aufgewachsene Geschwister finden sich als junge Erwachsene in der ländlichen Idylle ihres konservativ angehauchten Elternhauses wieder und haben mit unterschiedlichen Weltanschauungen zu kämpfen. Unterm Strich setzt sich jedoch jeder Charakter irgendwie durch und findet im Heil der Heimat und Familie seinen neuen Platz. Einstige Revoluzzer genauso wie einfältige Sturschädel haben einen Wertewandel durchlebt und die Generation Ü30 sehnt sich nach dem romantisierten Glück des scheinbar einfachen Landlebens. Böse gesagt: Ein postmoderner Konservatismus oder die schöne heile Welt von morgen.

Um sich in der Vielfalt dieses fast schon selbständigen Genres zu behaupten muss es gelingen eine Balance zwischen originellen Charakteren, einer gelungenen Karikatur rigider Mentalitäten und einem pointenreichen Humor zu bewahren. Lukas als das Blumenkind der Familie, samt fadenscheiniger Liebesgeschichte, wirkt dünn, sein Bruder Hansi als dubioser Versicherungsspekulant überzeugt schon mehr und Paul als eine Mischung von Dorfdepp und Weissager wirkt komplett fehl am Platz. Origineller präsentiert sich Metzger Munch, dessen abgeschnittene Hand als MacGuffin fungiert und die verschiednen Erzählstränge zusammen hält. Auch die beiden Elternteile der Brüder regen durch einen schön simplen Alltagshumor zu etlichen Lachern an.

Gelungener als die einzelnen Charaktere sind die zahlreichen Anspielungen auf das ereignisreiche Jahr 1986. Ein Vielzahl technischer Errungenschaften halten am Land Einzug und wirken aus heutiger Perspektive fast schon primitiv und somit lächerlich. Gleichzeitig zum Aufkommen von Satellitenfernsehen, Mobiltelefonen und Atomstrom formiert sich die Umweltschutzbewegung und die Angst vor dem kalten Krieg macht auch vor dem Freistaat Bayern nicht halt. Eine gelungen Persiflage einer längst vergangen Ära, die bis heute nachwirkt und gerade im retrospektiven Blick amüsiert.

Fazit:
Was weg is, is weg ist eine moderne bayrische Komödie zwischen Heimatfilm und Roadmovie. Christian Lerch zeigt sich erstmals selbst für die Regie verantwortlich und sorgt dabei für etliche Lacher. Doch es ist etwas faul im Universum Lerchs. Der Film wirkt im Gesamtbild etwas dünn und kann nicht in die großen Fussstapfen von Wer früher stirbt ist länger tot treten. Denn weg ist die Originalität des Szenarios und dessen Realisation durch den Regisseur. Alles was nicht weg ist, wirkt ausgelutscht und ist aufgeladen mit einer gewissen modernen Landromantik. Gelacht werden darf trotzdem und unterhaltsam ist der Film allemal.

Wertung:
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