What Is Love (2012)

OT: What Is Love - 80 Minuten - Dokumentation
What Is Love (2012)
Regie:
Drehbuch:
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Kinostart: 30.03.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu What Is Love

Von am
Was ist Liebe? – Eine Frage, die sich die Menschheit seit jeher stellt und die immer wieder die thematische Grundlage für Literatur, Kunst und Film bildet. So scheint es also nicht unbedingt überraschend, dass sich nun mit Ruth Mader auch eine österreichische Regisseurin der schwierigen Aufgabe stellt, diese scheinbar unergründliche Fragestellung zu beantworten. Nach ihrem ersten Spielfilm Struggle (2003), mit dem sie sogar in die Auswahl des Cannes Film Festivals aufgenommen wurde, vermischt sie nun mit ihrer Herangehensweise an besagtes Thema fiktionale Situationen mit dokumentarischem Charakter.

Die Geschichte des Films ist in insgesamt fünf Episoden aufgeteilt, die jeweils durch einen harten Schnitt getrennt, voneinander unabhängig und abgeschlossen sind, wodurch sich die Abtrennung der jeweiligen Lebensweisen noch verstärkt abzeichnet. Bei der  ersten Protagonistin handelt es sich um eine alleinstehende Augenärztin, die einsam und melancholisch scheint, so wirkt sie auch beim Familienessen eher unbeteiligt und außenstehend, nur in der letzten Szene – sie tanzt ausgelassen in einer Disco – kommt ein Funke von Lebensfreude zum Vorschein. In der zweiten Episode begleitet man den Finanzberater Walter, der sich für seine Klienten einsetzt, beim abendlichen Beisammensitzen mit seiner Frau aber den Vorwurf entgegnet bekommt, nicht genügend Einsatz für die Familie zu zeigen. Man sieht die Eheleute mit ihren Kindern beim Verbringen des Wochenendes, überschattet von einem möglichen Zerfall der Familie. In der dritten Szenerie tritt ein Pfarrer während eines Hausbesuchs sowie im Beichtstuhl auf, später wird er auch beim Verteilen von Flugblättern mit dem Titel „Brief von Jesus“ gezeigt, ohne dafür jedoch Resonanz zu erhalten. Als er alleine unter einem Abbild von Jesus betet, wird zur nächsten Minitaturgeschichte gewechselt.

Man sieht eine Frau, die sich vor dem Spiegel auffällig schminkt, scheinbar, um sich für den Abend zu Recht zu machen. Im nächsten Moment zieht sie sich ihren Blaumann über. Sie arbeitet in einer Fabrik und verbringt den Großteil des Arbeitstages damit, zu warten. Währenddessen raucht sie ab und zu und spricht dabei kein Wort mit ihrem Kollegen, sie scheint trist und der Arbeit müde, sodass sie nicht einmal mehr einen Versuch startet, diesen etwas amüsanter zu gestalten. Im Anschluss wird sie auch im Gespräch mit ihrem Mann und Sohn gezeigt, was ebenfalls etwas verhalten wirkt. Die letzte Episode zeigt einen Forstbesitzer, seine Frau und die drei Kinder, die abends am Küchentisch gemeinsam beten. Das Familienleben wirkt idyllisch, doch beim Zweier-Gespräch zwischen dem Ehepaar, das einen unbestreitbaren Paartherapie-Charakter aufweist, wird deutlich, dass auch diese Beziehung an Arbeit benötigt.
 
What is love zeigt mit seinem episodenartigen Stil die unterschiedlichsten Lebensentwürfe von Menschen verschiedener Generationen und macht so die auseinandergehenden Auffassungen von Glück und Liebe deutlich sowie die Art und Weise dieser Menschen, damit umzugehen. Während man fünf Lebenssituationen potentiell realer Personen sieht,  wird schnell klar, dass nicht die einzelnen Menschen im Vordergrund stehen, erfährt man doch auch nur das Nötigste über sie, sondern vielmehr über das Leben selbst und die verschiedenen Wege, die es bereithält. Der Unterhaltungsfaktor der einzelnen Episoden variiert dabei, nicht immer sieht sich der Zuschauer in der Rolle des Beobachters gefesselt, so kommt streckenweise auch eine gewisse Langatmigkeit auf, die aber durch den Wechsel zur nächsten Episode wieder gebrochen wird.

Der eigentlichen Frage des Films, der nach Liebe, nähert sich Mader auf leichte und indirekte Weise an, indem sie einfach Alltagssituationen von Menschen und zwischenmenschlichen Beziehungen zeigt, sind diese doch alle gefüllt mit dem Drang nach Liebe oder Glück. Gerade in der Darstellung des Gewöhnlichen und der Verbannung alles Überzogenen wird die Besonderheit dieser Gefühle hervorgehoben, dass sie für jeden und in jeder Lebenslage eintreten können. Mader arbeitet vor allem mit Gesprächen, aber gerade auch Sprachlosigkeiten, in denen sich Liebe und Glück in ihrer reinsten Form zu äußern scheinen. Während einige Szenen eher skurril wirken, aber nicht weniger authentisch, fesseln andere durch ruhige Gespräche, die dafür umso ehrlicher und authentischer wirken. What is love versucht außerdem auch mit der Distanz zwischen Fiktion und dokumentierter Realität zu brechen, indem reale Menschen in künstlich hergestellten, aber potentiell wirklichen Situationen begleitet werden. Besonders diese Gratwanderung zwischen den Genres macht den Reiz des Films aus.  

Die Frage, was Liebe nun ist, wird in Ruth Maders Film zwar nicht beantwortet, doch diesen Anspruch erhebt What is love auch gar nicht, so scheint das fehlende Fragezeichen im Filmtitel fast schon bewusst weggelassen. Vielmehr werden verschiedene Lebenswege gezeigt, in denen die Protagonisten jeweils ihre eigene Antwort auf diese und weitere Fragen des Lebens gefunden haben oder aber erst noch finden müssen, wodurch man sich auch als Zuseher dazu angeregt sieht, sich diesen zu stellen.

Fazit:      
In What is love von der österreichischen Autorin und Regisseurin Ruth Mader wird der Frage, was Liebe denn nun ist, auf ganz unterschwellige Art und Weise nachgegangen, indem nicht versucht wird, eine konkrete Antwort darauf zu geben. Vielmehr werden im Rahmen von fünf, voneinander unabhängigen Episoden unterschiedliche Lebensweisen gezeigt, in denen die Auffassung von Liebe und Glück jeweils variieren. Gezeigt werden hergestellte Alltagssituationen wie Gespräche, in denen sich gerade die zwischenmenschlichen Emotionen in ihrer deutlichsten Form präsentieren. What is love ist ein ehrlicher Film, der sich oder jemanden aus dem engeren Umfeld durchaus in der ein oder anderen gezeigten Situation erkennen lässt und zum Nachdenken anregt.

Wertung:
7/10 Punkte
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