Good Night, and Good Luck

OT: -  93 Minuten -  Polit / Drama
Good Night, and Good Luck
Kinostart: 06.04.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Good Night, and Good Luck

Von am

 

George Clooney, der damals in Interviews in Europa seine kritische Haltung gegenüber George Bush und dem Irak Krieg zum Besten gab und in seiner Heimat als Verräter empfangen wurde startet mit seinem grandiosen Polit-Drama Good Night, and Good Luck einen politischen Rundumschlag der mit geschickten Parallelen zur heutigen Situation in Amerika aufweist und die Kritiker rund um den Globus begeistert.

 

In den 50er Jahren startete Senator Mc Carthy unter dem Deckmantel der allgemeinen Furcht, bedingt durch den kalten Krieg, eine Kommunisten Hetzjagd von höchst brisantem Ausmaß. Keiner wagt es sich dem Senator entgegen zu stellen da man selbst als nächster denunziert werden könnte. Einzig der durch seine Berichterstattungen aus dem zweiten Weltkrieg berühmt gewordene Moderator Edward R. Murrow (David Strathairn) wagt es den Senator zu kritisieren in dem er in seiner Sendung See it now einen Bericht über einen zu Unrecht gefeuerten Air Force Piloten bringt der denunziert wurde. Gemeinsam mit seinem Sendechef Fred Friendly (George Clooney) startet er eine Kampagne gegen den Senator und Versucht den Menschen die wahren Werte unserer Gesellschaft wieder in Erinnerung zu rufen. Das CBS Team muss sich die nächsten Wochen entscheiden ob sie auf ihr Gewissen horchen und ihren Job riskieren wollen, oder ob sie dem externen Druck nachgeben wollen...

 

Good Night, and Good Luck lebt vor allem durch seinen brisanten und Allgegenwärtigen Kontext. Dabei ist der Film nur auf dem ersten Blick eine Biographie des legendären Moderators Edward R. Murrow. George Clooney inszeniert den Film zwar klar als Hommage an diese legendäre Persönlichkeit, hebt aber den Inhalt seines Films deutlich über die Persönlichkeiten die seine Geschichte erzählen hervor.

 

Dabei bildet die tragische Figur des Edward R. Murrow schon eine kleine Anspielung auf George Clooney selbst: Murrow muss seine kommerzielle Show Person to Person für CBS drehen in derer er sich mit aktuellen Berühmtheiten unterhält, um seine politische Sendung See it now drehen zu können. Ähnliches widerfährt ja auch dem charismatischen Clooney, der für Warner Brothers Unterhaltungsfilme alá Oceans Twelve drehen muss um die Gelegenheit zu bekommen seine Wunschfilme wie Good Night, and Good Luck zu drehen.

 

George Clooney geht in Good Night, and Good Luck bewusst den Weg der plakativen Übermittlung moralischer Werte. Murrow wird an einer Stelle des Films vorgeworfen das er beginnt in See it now die Grenze der Objektivität zu überschreiten. Sein Chef sagt ihm das CBS Nachrichten sendet, aber sie nicht macht. George Clooney wählt bewusst den selben Weg: Seine Reporter sind geprägt vor Idealismus und besitzen keine menschlichen Makel. Lediglich Murrow findet sich an einer Stelle vor einem Moralischen Zwiespalt: Sein langjähriger Freund Don Hollenbeck (Ray Wise, bekannt durch seine legändere Rolle in David Lynchs Twin Peaks) bittet ihn um Hilfe, da er von Mc Carthy als Kommunist verdächtigt wird und nun von den Zeitungen durch den Schmutz gezogen wird. Der glühende Patriot und Publikumsliebling Murrow hätte ihm helfen können, doch er lehnt es ab da er nicht die Mittel hat sich gegen Mc Carthys Methoden zu stellen und gleichzeitig das Image seines Freundes wiederherzustellen. Dies bleibt die einzige Stelle in der sich eine Hauptfigur nicht zu 100 Prozent moralisch korrekt verhält. Doch zu Clooneys Verteidigung muss man sagen das sich dieser Umstand nicht als allzu großer Kritikpunkt erweist, da es die Geschichte rund um Meinungsfreiheit und korrektem Journalismus erfordert das der Zuseher nicht an seinen Hauptfiguren zweifelt.

 

George Clooney beweist sich in Good Night, and Good Luck als Ausnahmeregisseur und überzeugt durch außerordentliche Stilsicherheit. Die von ihm gewählte schwarz-weiß Optik erweist sich als großer Glücksgriff und ermöglicht es geschickt Archivaufnahmen in das Szenario einzubetten. Grandiose Kameraeinstellungen vervollständigen das Gesamtbild des Films. George Clooney kann sich in Good Night, and Good Luck durch geschickte Regiekniffe profilieren und vor allem durch seine unaufdringliche Inszenierung überzeugen. Zwar präsentiert sich Good Night, and Good Luck als sehr moralistischer Film, der einem die Aussage glasklar übermittelt, allerdings setzt Clooney viel Allgemeinbildung und Wissen voraus und erzählt seine Geschichte auf dezente Art und Weise, die den Zuseher fordert und seine gesamten Aufmerksamkeit voraussetzt. Diese Erzählweise hebt sich elegant aus dem Hollywood Einheitsbrei hervor und verdient sich gerade durch seine Zurückhaltung noch viel mehr Beachtung.

 

Ein glückliches Händchen beweist Clooney auch bei seiner Besetzung. Good Night, and Good Luck ist ein Film der seine Aussage deutlich über seine Figuren stellt. Dennoch schaffen es die grandiosen Darsteller sich unter diesen schweren Bedingungen zu profilieren. Grundsätzlich werden uns die Reporter von CBS als eingeschworener Haufen präsentiert, allerdings können sich einige Schauspieler aus dieser Masse hervorheben. Allen voran liefert der Hauptdarsteller David Strathairn eine fulminante Darstellung und zeigt außerordentliche Präsenz. Er spielt die Rolle des Edward Murrow von innen heraus und versteht es geschickt das in ihm lodernde Feuer der Humanität auf den Zuseher zu übertragen. An seiner Seite spielt George Clooney auf wohltuende zurückhaltende Weise den Sendechef Fred Friendly der sich im Hintergrund hält und Murrow unterstützt. Die Schauspieler sind bis in die Nebenrollen perfekt besetzt und man kann ihnen Ansehen das sie das was sie sagen auch so meinen und dass sie voll und ganz hinter der Aussage des Films stehen. Ihnen Gegenüber wird Senator Mc Carthy nur durch Archivaufnahmen gezeigt und George Clooney verzichtet ihn durch einen Schauspieler zu verkörpern. Auch dieser Schachzug erweist sich als außerordentlich geschickt da dem Zuseher somit zusätzlich in Erinnerung gerufen wird dass Good Night, and Good Luck keine fiktive Geschichte ist sondern die reine Wahrheit erzählt.

 

Good Night, and Good Luck ist ein geschickt inszeniertes Kammerspiel das beinahe nur im CBS Gebäude spielt. Der Film erlaubt sich nur zwei winzige Subplots. Zum Einen die bereits oben erwähnte Geschichte rund um Don Hollenbeck und zum Anderen die Geschichte um die Ehe zwischen Joe Wershba (Robert Downey jr.) und Shirley Wershba (Patricia Clarkson). Zwischen CBS Reportern ist eine Hochzeit verboten und die beiden versuchen ihre Liebe vor allen Geheimzuhalten.

 

Der Film beginnt und endet mit der Ansprache von Edwart Murrow bei einer Preisverleihung. Dort hält er eine mitreißende Ansprache, die seine makellose Rethorik zeigt mit der er Senator Mc Carhty das Fürchten lehrte. An diesem Punkt unterstreicht George Clooney deutlich seinen zweiten Kritikpunkt. Neben der deutlichen politischen Aussage von Good Night, and Good Luck will George Clooney vor allem die Wirkung des Fernsehens profilieren. Clooney sagt uns das Fernsehen mehr sein muss als stumpfsinnige Unterhaltung und das Pressefreiheit eine wichtige Vorraussetzung ist für einen funktionierenden Staat.

 

Good Night, and Good Luck überzeugt beinahe auf allen Punkten. Der Film hebt sich wohltuend aus der Masse stumpfsinniger Hollywoodproduktionen hervor und gefällt sowohl durch den allgegenwärtigen Inhalt als auch durch die von Rauch durchzogene Optik. Die Darsteller liefern allesamt eine Glanzleistung ab und der unaufdringliche Regiestil von George Clooney ist begeisternd. Nur durch die Idealistische und moralisch makellose Figurenzeichnung heimst sich Good Night, and Good Luck einen kleinen Kritikpunkt ein. Allerdings muss man sagen das dies sich nicht allzu negativ Auswirkt da es die Aussage des Films wohltuend unterstützt. Und diese ist mehr als wichtig: Rede-, Meinungs- und Pressefreiheit sind wichtige Grundpfeiler unserer Gesellschaft und dürfen nie verletzt werden.

 

Besonders Beachtenswert ist die Tatsache das Clooney auf subtile Weise parallelen zu unserer jetzigen Gesellschaft zieht. Denn Pressefreiheit und Meinungsfreiheit ist anscheinend längst keine Selbstverständlichkeit mehr wenn Araber verfolgt werden und Bücher die dies dokumentieren verboten werden. Die Geschichte wiederholt sich. Good Night, and Good Luck, dies war die traditionelle Verabschiedungsfloskel von Edward Murrow während seiner Berichterstattung während des zweiten Weltkrieges. Doch auch heute ist es nicht übertrieben wenn man unserer Welt zum Abschied viel Glück wünscht. Wie dem auch sein, Good Night, and Good Luck verdient sich alles Lob dieser Welt.

 

Fazit:

Fantastisch unaufdringlich inszeniertes Mediendrama vor Politischem Hintergrund mit allgegenwärtiger Aussage und fantastischen Darstellern. Anspruchsvoll, brisant und wichtig!

 

Wertung:

9,0/10 Punkte

Filmering.at
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