The Brussels Business – Who Runs the European Union? (2012)

OT: The Brussels Business - 85 Minuten - Dokumentation / Geschichte
The Brussels Business – Who Runs the European Union? (2012)
Drehbuch:
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Kinostart: 16.03.2012
DVD-Start: 02.12.2011 - Blu-ray-Start: 02.12.2011
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Filmkritik zu The Brussels Business – Who Runs the European Union?

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Seit der Gründung der Europäischen Union 1993 sieht sich diese immer wieder heftigen Diskussionen ausgesetzt. Vor allem in Bezug auf ihren Binnenmarkt und die damit zusammenhängenden, verdeckten Verstrickungen von wirtschaftlichen Konzernen und politischen Machthabern wird die EU und ihre Entscheidungsfindung kritisiert und hinterfragt. Diese Verbindungen sind zwar längst kein Geheimnis mehr, wirklich Einsicht in die Beeinflussung von großen Wirtschaftsunternehmen auf politische Entwicklungen, die im europäischen Machtzentrum in Brüssel gebündelt stattfindet, hat man als Normalbürger jedoch nicht. Erst 2011 lieferte die Dokumentation Bulb Fiction – Die Lüge von der Energiesparlampe von Regisseur Christoph Mayr zum Verbot der Glühlampe Enthüllungen bezüglich des Einflusses der Lobby-Industrie auf die Gesetzfindung der EU.

Um einen weiteren Schritt zur Aufdeckung der wirtschaftlichen Abhängigkeit des politischen Entscheidungsfindungsprozesses der EU zu leisten, nahm sich nun Regisseur Friedrich Moser, der seit 2001 Dokumentarfilme produziert, zusammen mit Co-Autor und Co-Regisseur Matthieu Lietaert dem undurchsichtigen Thema des Lobbying, insbesondere dessen innerhalb der Europäischen Union, an. Im Rahmen seines ersten Kinofilms versucht er hier in The Brussels Business eine Übersicht des Systems der EU-Organisation zu geben sowie den hohen Grad an politischer Einflussnahme der Lobbyisten aufzuzeigen. Als zentrale Thematik des in Österreich produzierten Films wird der ERT („European Round Table of Industrialists“), der sämtliche Oberhäupter großer Wirtschaftskonzerne vereint und enge Verbindungen zur EU-Politik pflegt, behandelt. Außerdem betrachten Moser und Lietaert auch sogenannte Think Tanks, die als Foren für Debatten und die Übermittlung von Forderungen gewissermaßen ebenfalls dem Lobbying dienen.  

Dabei vereinen die Filmemacher sowohl ehemalige Vertreter des ERT, wie den früheren Generalsekretär Keith Richardson, EU-Kommissare, den Lobbyisten Pascal Kerneis vom „European Services  Forum“, der sich bei seinem Arbeitsalltag von einem Filmteam begleiten lässt, um mit Vorurteilen des allgemeinen Lobbyisten-Images aufzuräumen und sich dabei stets als freundlicher Strahlemann präsentiert sowie Lobbying-Gegner und Aktivist Olivier Hoedeman. Dieser war bis in die 90er Jahre als Umweltschützer tätig und gibt im Rahmen der Dokumentation Auskunft über seine Recherchen und die Nähe des ERT zur Europäischen Kommission seit der Gründung der EU 1993. Durch diese Bandbreite an Vertretern verschiedener Interessen und Meinungen bietet The Brussels Business unterschiedliche Sichtweisen auf ein allgemein eher negativ belastetes Thema, was dem Zuseher einen offenen Zugang ermöglichen soll, in seiner darstellerischen Aufmachung jedoch einen gewissen Widerspruch erfährt.

Inszeniert ist das Ganze im Stile eines Doku-Thrillers mit dramatischer, musikalischer Untermalung, was dem Gezeigten nicht selten einen Spielfilmcharakter aufzwingt und in diesem Sinne einen regelrechten Krimi zu bearbeiten scheint. So wird von indirekten Erpressungsfällen gegenüber politischen Instanzen der EU seitens der Industrie berichtet, die tatsächlich einem filmreifen Drehbuch entstammen könnten. Mit Einblicken in Auszüge von scheinbar eindeutigen Dokumenten, die nicht weniger theatralisch präsentiert werden, wird die enge Beziehung von Wirtschaftsbossen und EU-Entscheidungsträgern noch einmal deutlich gemacht. Dadurch ergibt sich eine spannende Aufbereitung der aktuellen Thematik rund um jegliche Form der Korruption, die versucht, einen Bogen um eine trockene Faktenaufzählung zu machen, was schließlich auch meist gelingt.

Fazit:
Im neuen Doku-Thriller The Brussels Business werfen der österreichische Regisseur Friedrich Moser und der belgische Co-Autor/Regisseur Matthieu Lietaert einen Blick hinter die Kulissen des in Brüssel liegenden Machtzentrums der EU und decken die im Geheimen ablaufenden Einflussnahmen von Wirtschaftskonzernen auf die politischen Prozesse innerhalb des europäischen Binnenmarkts auf. Während Vertreter der unterschiedlichsten Interessensgruppen zum Thema Lobbying zu Wort kommen, trägt vor allem die mit Spannung angereicherte Inszenierung des Dokumentarfilms dazu bei, die trockene Materie des komplexen, politischen Geschehens in Brüssel interessant und verständlich anmuten zu lassen.

Wertung:
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