Barbara (2012)

OT: Barbara - 105 Minuten - Drama
Barbara (2012)
Kinostart: 16.03.2012
DVD-Start: 12.10.2012 - Blu-ray-Start: 12.10.2012
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Filmkritik zu Barbara

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Es ist eine erfrischende Herangehensweise, mit der sich der deutsche Regisseur Christian Petzold an das Schicksal einer Frau, die sich nach der Flucht aus der DDR sehnt, wagt. Dabei setzt er vor allem auf ruhige Bilder und Momente, die gerade durch diese scheinbare Stille einen besonders starken Ausdruck und eine indirekte Emotionalität vermitteln. Nicht ohne Grund wurde sein Melodrama Barbara, bei dem sich Petzold auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, auf der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet, schafft er es doch mit scheinbar wenigen Mittel, eine starke Geschichte zu erzählen.  

Die Ost-Berliner Ärztin Barbara (Nina Hoss) stellt 1980 einen Antrag zur Ausreise aus der DDR, woraufhin sie strafversetzt wird – in ein kleines Provinzkrankenhaus. Unter ständiger Kontrolle seitens der Staatsgewalt, die in regelmäßigen Abständen Barbaras Wohnung durchsucht, ja sogar vor intimen Untersuchungen ihres Körpers nicht zurückschreckt, hegt Barbara zu den Mitmenschen ihrer Umgebung sowie ihren neuen Kollegen im Krankenhaus, allen voran Oberarzt Andre (Ronald Zehrfeld), ein distanziertes und von Misstrauen geprägtes Verhältnis. Während ihr Freund Jörg (Mark Waschke) im Westen ihre Flucht über die Ostsee plant und vorbereitet, fasst Barbara aber langsam Vertrauen zu Andre, mit dem sie das Engagement für die junge Ausreißerin und Patientin Stella teilt. Als der Tag ihrer Flucht, an dem Barbara eigentlich Dienst hat, immer näher rückt, steht ihr eine folgenreiche Entscheidung über ihre Zukunft bevor.

Barbara ist nach Toter Mann (2002), Wolfsburg (2003), Yella (2007) und Jerichow (2009) bereits die fünfte Zusammenarbeit von Regisseur Christian Petzold und der Charakterdarstellerin Nina Hoss. Zuvor war sie unter anderem in Oskar Roehlers Elementarteilchen (2006) sowie Fenster zum Sommer (2011) von Hendrik Handloegten zu sehen. In letzterem spielte Hoss bereits gemeinsam mit Mark Waschke, der nun Barbaras Geliebten Jörg mimt und mit dem sie außerdem eine gemeinsame Schauspielausbildung verbindet, was vor allem in der Chemie der beiden Charaktere zueinander zum Ausdruck kommt. Aber auch zwischen Barbara und ihrem neuen Kollegen Andre entwickelt sich nach und nach eine authentische Nähe, die der Schwere der historischen Ummantelung der Geschichte entgegenwirkt. Generell versucht Petzold kein tristes Bild der DDR zu zeichnen und vermeidet auch die direkte politische Thematisierung, sondern zeigt das Leben in der Provinz mit seiner trügerischen Ruhe. Barbara jedoch lässt sich von dieser nicht täuschen und vermeidet so zunächst jegliche Berührung mit ihrer neuen Umgebung. Hier kommt auch ihr notwendiges Misstrauen zum Ausdruck, muss sie doch das Geheimnis rund um ihre nahende Flucht wahren.

Petzold arbeitet in Barbara ohne viel Action, es braucht auch keine wilden Verfolgungsjagden, um Barbaras Wunsch nach dem Entfliehen in ein besseres Leben deutlich darzustellen. Neben dieser Sehnsucht zeigt sich aber auch die Leidenschaft und Hingbae, mit der sie ihrem Beruf nachgeht und gegen Ende wird der Konflikt, dem sie sich gegenüber sieht, diesen für ihr neues Leben aufgeben zu müssen, immer deutlicher. Während Barbara also langsam aber sicher an der Entscheidung über ihre Zukunft zu zweifeln beginnt, verschwimmen auch für den Zuseher die zu Beginn so klaren Ziele der Hauptfigur.       
             
Fazit:
Der deutsche Regisseur Christian Petzold zeigt in Barbara die Sehnsucht der Titelfigur, einer Ost-Berliner Ärztin, die in ein Provinzkrankenhaus strafversetzt wird, nach der Flucht aus der DDR. Dabei begleitet er die von Nina Hoss, mit der ihn bereits vier vorangegangene Zusammenarbeiten verbinden, gespielte Protagonistin in der Zeit vor ihrer bevorstehenden Abreise und thematisiert auf reduzierte, aber sehr ausdrucksvolle Weise die Frage, wem man in einer solch prekären Situation vertrauen kann und wem nicht sowie den Konflikt um das Zurücklassen einer Leidenschaft und dem Weg in eine neue, ungewisse Zukunft. Durch die Chemie zwischen Hoss und Filmpartner Ronald Zehrfeld ergibt sich im Film eine leichte, aber dennoch emotionsgeladene Atmosphäre und obwohl Barbara ihren Mitmenschen, aber auch dem Zuseher nicht viel von sich preiszugeben scheint, kommt unterschwellig immer wieder eine warme Seite zum Vorschein, die Barbara und ihre Situation authentisch werden lässt und einfach fesselt.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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