Zimmer 1408

OT: -  94 Minuten -  Horror / Thriller
Zimmer 1408
Kinostart: 14.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Zimmer 1408

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Stephen King gilt als einer der kommerziell erfolgreichsten Schriftsteller unserer Zeit. Deshalb ist es naheliegend, dass viele seiner Erfolgsromane auch ihren Weg auf die Leinwand fanden. Eigentlich hört es sich ja einfach an, einen Autor mit einer solch riesigen Fangemeinde ins Kino zu bringen, aber die Qualität schwankte dabei doch deutlich. Der Grund dafür ist, dass Stephen King zwar im Grunde interessante Geschichten erzählt, aber ein Großteil seiner Werke im Kopf der Figuren stattfinden. Und meistens sind es gerade die Details, welche die Hauptfiguren in seinen Romanen heller ausleuchten, die zum wahren Höhepunkt des Buches avancieren.

Fürs Kino werden seine Filme dann auf das Oberflächliche, "Wesentliche" reduziert. Der Background der Figuren wird auf das Nötigste zusammengestaucht, ihr psychologischer Werdegang wird aus dem Film gestrichen. Was übrigbleibt, ist das schlichte Grundgerüst, das King nur ausnützt, um seine wahren Stärken auszuspielen. So kommt es, dass viele Filmumsetzungen weit hinter der Vorlage zurückbleiben und nur als Enttäuschungen betrachtet werden können. Selbstverständlich gibt es auch Werke, die beweisen, dass es durchaus möglich ist, einen King Roman standesgemäß zu verfilmen. Immerhin sind Filme wie Shining, Die Verurteilten, The Green Mile oder Stand by me nicht nur gute Umsetzungen, sondern mittlerweile bereits wahre Klassiker. Die Frage, die man sich nun stellen muss, ist einfach: In welches Lager reiht sich Zimmer 1408 ein? Man kann es gleich vorweg nehmen: Zimmer 1408 passt in keines der beiden Extreme und macht vieles richtig, aber auch genügend falsch.

Mike Enslin (John Cusack) schreibt hauptberuflich Bücher über Hotels, in denen es angeblich spuken soll. Seine Aufgabe ist es nun, den besagten Ort aufzusuchen, eine Nacht vor Ort zu verbringen und dann einen Artikel zu schreiben, der alle Gerüchte zerstört und beweist, dass es nicht spukt. Mike ist Zyniker, der weder an die Existenz Gottes, noch an die von übersinnlichen Lebewesen wie Geistern oder Ähnlichem glaubt. Nun bekommt er den Tipp, dass es im Dolphin Hotel in New York im Zimmer 1408 spuken soll. Zwar versucht der Hotelmanager Olin (Samuel L. Jackson), ihm die Nächtigung im verfluchten Zimmer auszureden, in dem noch keiner länger als eine Stunde überlebt hat, und das deshalb auch nicht mehr regulär vermietet wird, aber Mike bleibt stur. In der folgenden Stunde muss er erleben, dass seine Ansichten zum Übersinnlichen mehr als falsch waren...

Regisseur Mikael Håfström konnte bereits mit seinem für den Auslandsoscar nominierten Meisterstück Evil beweisen, dass er ein sehr talentierter Mann ist. Nun adaptierte er die Kurzgeschichte 1408, die der Meister des Horrors Stephen King im Sammelband Im Kabinett des Todes veröffentlichte. Prinzipiell sei auch erwähnt, dass er dabei von Beginn an versucht, auf dem richtigen Weg zu gehen. Man lässt sich für Zimmer 1408 nicht vom modernen, blutigen Effekthorror á la Saw 2+3 beeinflussen, sondern versucht, den Zuseher auf andere Weise zu gruseln. Dies würde auch gut funktionieren, wenn man diesen Stil konsequent durchgezogen hätte, aber leider geht Zimmer 1408 dann speziell im zweiten Drittel einen aufdringlicheren, und effektüberladeneren Weg.

Dabei erweist sich der Beginn noch als sehr stimmungsvoll. Die Einführung der Hauptfigur ist, nicht zuletzt dank John Cusack, sehr gelungen. Man wird in das Leben des Schriftstellers eingeführt und lernt, atmosphärisch angenehm, sein Leben kennen. Auch die darauf folgende Hinleitung zum Zimmer 1408 bleibt unterhaltsam und kurzweilig. Wenn dann Samuel L. Jackson seinen kurzen, aber prägnanten Auftritt als Hotelmanager hat, beginnt sich langsam ein Mysterium um die Vorgänge in Zimmer 1408 aufzubauen. Dann folgt das Betreten des Zimmers und der Horror kann beginnen.

Ab diesen Moment beginnt auch die One Man Show von John Cusack, der von nun an alleine im Zimmer mit dessen eigenwilliger Art zurechtkommen muss. Zimmer 1408 erinnert dabei etwas an eine kleinere, schwächere Version von Shining. Statt in einem ganzen Hotel manifestiert sich das Böse nur in einem Zimmer. Besonders zu Beginn dieses Abschnittes weiß Zimmer 1408 noch sehr zu gefallen. Der ewige Zyniker Mike weigert sich lange gegen die übersinnlichen Ereignisse im Zimmer und sucht für alle Vorfälle logische Begründungen, aber irgendwann kann auch er nicht mehr leugnen, dass etwas sehr Seltsames vorgeht.

Nur leider schaukelt sich die Situation im Zimmer immer weiter hoch. Was zu Beginn noch durch wohl dosierten Grusel geschieht, verändert sich bald und wird zur plumpen Effektshow. Zwar sieht es durchaus beeindruckend aus, was auf der Leinwand geschieht, aber so richtig packend ist es irgendwann nicht mehr. Die Wende vollzieht sich langsam, aber ehe man sich versieht, ist der subtile Grusel aus der Geschichte draußen. Deshalb baut Zimmer 1408 ab dem zweiten Drittel auch deutlich ab und schafft es nicht mehr, eine ähnlich spannende Atmosphäre wie zu Beginn aufzubauen. Das Ende steht dann in einer ähnlichen effektorientierten Tradition, und obwohl es kurz vor dem Schluss noch einmal gelingt, den Zuseher hinters Licht zu führen, wirkt die endgültige Auflösung der Geschichte etwas enttäuschend.

Sehenswert bleibt der Film allerdings dennoch. Der Grund dafür ist neben der gelungenen Einleitung vor allem die zugegeben etwas übertriebene Darstellung von John Cusack, der als Skeptiker immer eine gute Figur abgibt, und dessen Charisma auch über die etwas effektbeladenen Teile der Geschichte hinwegtröstet. Unterm Strich bleibt ein solider Thriller mit einigen guten Momenten, dem man aber leider deutlich anmerkt, dass er auf einer Kurzgeschichte basiert, die für die Filmfassung etwas aufgeblasen wurde. So wiederholen sich einige Passagen, und dem Film geht gegen Ende hin merklich die Luft aus. Auch die in die Geschichte eingebauten Einblicke in Mikes früheres Leben mit Frau und Kind wirken etwas deplatziert und stören den Filmgenuss mehr als sie ihn bereichern.

Fazit:
Zimmer 1408 ist eine Stephen King-Verfilmung, die sich weder in die Reihe der verkorksten Umsetzungen noch in die Reihe der wirklich gelungenen Filme einreihen kann.
Mikael Håfström liefert eine im Großen und Ganzen gelungene Adaption, die jedoch daran leidet, dass der Gruselfaktor des ersten Abschnitts im Verlauf des Filmes durch eine effektbeladene Show ersetzt wird. Auch merkt man dem Film an, dass ihm am Ende etwas die Luft ausgeht. Dennoch tröstet ein guter John Cusack und ein kurz, aber prägnant auftretender Samuel L. Jackson über die Schwachstellen hinweg. Schade nur, dass es das Ende nicht schafft, den Zuseher wirklich zu begeistern und so bleibt doch ein etwas bitterer Nachgeschmack zurück.

Wertung:
6/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 31
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