Sarahs Schlüssel (2010)

OT: Elle s'appelait Sarah - 111 Minuten - Drama / Krieg
Sarahs Schlüssel (2010)
Kinostart: 09.03.2012
DVD-Start: 10.05.2012 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Sarahs Schlüssel

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Es ist die bewegende Geschichte einer französischen, jüdischen Familie, vor allem aber der kleinen Sarah, die ihren Bruder im Wandschrank einschließt, um ihn zu schützen, ohne das ihr bevorstehende Schicksal der Deportation zu erahnen, die die Schriftstellerin Tatiana De Rosnay in ihrem Bestseller-Roman „Sarahs Schlüssel“ (Originaltitel: Elle s’appelait Sarah) erzählt. Aufgearbeitet wird diese aus der Sicht der Journalistin Julia, die siebenundsechzig Jahre später auf Sarahs Schicksal stößt. Mit weltweit über 2,5 Millionen verkauften Exemplaren findet sich De Rosnays im deutschsprachigen Raum 2007 veröffentlichtes Werk nicht nur seit über einem Jahr auf der Bestsellerliste der New York Times, sondern wurde nun von Regisseur Gilles Paquet-Brenner, sozusagen ein Fan der ersten Stunde, adaptiert und mittels einer nüchternen, aber dennoch mitreißenden Inszenierung auf die Leinwand gebracht. Mit dem Drehbuch, das er gemeinsam mit Serge Joncour verfasste, konnte er sowohl international berühmte Gesichter wie Kristin Scott Thomas oder Aidan Quinn, aber auch unbekanntere Talente, wie die junge Mélusine Mayance in der Rolle der kleinen Sarah, gewinnen.    
 
Paris, Juli 1942 – die zehnjährige, jüdische Sarah Starzynski (Mélusine Mayance) wird zusammen mit ihren Eltern von der französischen Polizei aus ihrer Wohnung geholt, um deportiert zu werden. Ihren kleinen Bruder kann sie jedoch unentdeckt in einem geheimen Wandschrank einschließen, verspricht ihm, bald zurückzukommen und nimmt den Schlüssel schließlich an sich. Als die Familie aber ins Radrennstadion Vélodrome d’Hiver und anschließend wie 20.000 andere Pariser Juden weiter in Vernichtungslager gebracht werden, scheint nicht nur Sarahs Schicksal ungewiss, sondern auch das ihres Bruders. Als Sarah schließlich aus dem Lager fliehen kann und vom Ehepaar Genneviève (Dominique Frot) und Jules Dufaure (Niels Arestrup) aufgenommen wird, versucht sie nach Paris zu gelangen, um ihren Bruder zu befreien, ohne zu wissen, ob es dafür nicht schon zu spät ist.

Paris, 2009 – zeitversetzt dazu verläuft die Handlung rund um die amerikanische Journalistin Julia Jarmond (Kristin Scott Thomas), die während ihrer Recherche zu einem Artikel über die damalige Judenverfolgung in Paris auf das Schicksal der kleinen Sarah trifft, deren Familie damals die Wohnung der Eltern von Julias Ehemann Bertrand (Frédéric Pierrot), in die sie nun mit diesem ziehen soll, bewohnte. Sich gewissermaßen mit Sarahs Schicksal und dem, tausender, vertriebener Juden verbunden fühlend, begibt sich Julia auf die Suche nach Spuren von Sarah, welche auch ihr eigenes Leben und die Sichtweise auf dieses beeinflussen soll.

Paquet-Brenners erster Film Les Jolies Choses (2001) mit Marion Cottillard (Inception, 2010) stieß beim Publikum auf große Begeisterung, aber auch mit Mainstream-Filmen wie Payoff- Die Abrechnung (2003, Originaltitel: Gomez & Tavarès) konnte er Erfolge feiern. In seiner Adaption des gleichnamigen Romans Sarahs Schlüssel bleibt Paquet-Brenner der literarischen Vorlage meist treu. So zeigt er, wie schon die De Rosnays Erählung, zwar einerseits die Geschichte eines einzelnen, berührenden Schicksals während der Pariser Judenverfolgung 1942 bzw. einer Journalistin, auf deren Leben dieses großen Einfluss haben soll, setzt aber dennoch mehr auf eine nüchterne, faktenhaltige Betrachtung, besonders in den gegenwärtigen Szenen, in denen Julia ihre Recherchen vorantreibt. Die Geschichte des Films bzw. des Romans zeigt abwechselnd die Geschehnisse der Vergangenheit rund um Sarah Starzynski beginnend im Juli 1942 und die Bezugnahme auf die damalige Razzia der französischen Polizei gegenüber der jüdischen Pariser Bevölkerung siebenundsechzig Jahre später durch die Bearbeitung des Themas seitens der Journalistin Julia Jarmond. Hier ergibt sich in der direkten Gegenüberstellung ein drastischer Kontrast zwischen den beiden Zeitperioden, der Paquet-Brenner in der visuellen Darstellung äußerst gut gelungen ist. Während in den historischen Szenen viel Action stattfindet, die mit Handkamera aus Sarahs persönlichem, emotionalem Blickwinkel eingefangen wurde, so wendete man für die Gegenwart eher eine klassische Kameraführung an, was eine gewisse, eingekehrte Ruhe versprüht.

Mit einer, der wenigen Änderungen am Roman, nämlich der Entwicklung der Figur der erwachsenen Sarah, wollte Regisseur Paquet-Brenner den  dramatischen Charakter der Geschichte abschwächen und zeigen, dass Menschen die schrecklichsten Tragödien durch- und überleben und ihr Leben danach dennoch fortsetzen können und sich daraus etwas Positives ergeben kann. So erfährt man gegen Ende des Films von Sarahs mittlerweile erwachsenem Sohn William, dargestellt von Aidan Quinn, der ohne Sarahs Kampf zu überleben gar nicht existieren würde.  

Die britische Schauspielerin Kristin Scott Thomas ergatterte ihre ersten Filmrollen in Under the Cherrymoon (1986) und in Roman Polanskis Bitter Moon (1992), spielte aber auch in großen, bekannteren Produktionen wie Mike Newells Vier Hochzeiten und ein Todesfall (1994), Brian de Palmas Mission Impossible (1996) oder Easy Virtue (2008) von Stephan Elliott. Mit ihrer natürlichen Art zu spielen, gibt sie in Sarahs Schlüssel die neugierige Journalistin Julia, die nach und nach dem vergangenen Familiengeheimnis in Zusammenhang mit der Pariser Razzia 1942 auf die Spur kommt. Dabei behält sie stets ihre nüchterne Haltung  und lässt sich nicht von ihren Gefühlen übermannen. Mélusine Mayance, die ihren ersten Filmauftritt in Ricky (2009) hatte und hier die kleine Sarah verkörpert, überzeugt auf voller Linie, mit ihren jungen Jahren spielt sie die Rolle des kleinen Mädchens, das sich in einer der schwierigsten Zeitperioden zurecht finden muss, authentisch und zeigt auch in schwermütigen Szenen ihr ganzes Können.

Sarahs Schlüssel thematisiert den Holocaust, speziell die Pariser Judenverfolgung 1942 und nimmt sich in diesem Sinne des Schicksals eines kleinen Mädchens an, das durch den Drang, seinen Bruder zu retten, überlebt. Durch die Geschichte der Journalistin, die 2009 die damaligen Geschehnisse aufarbeitet  ergibt sich neben vielen emotionalen Momenten dabei aber auch eine nüchterne Betrachtungsweise, die vielmehr auf das Überstehen einer solchen Tragödie abzielt, aber auch die Wichtigkeit des Nicht-Vergessens vieler Schicksale hervortreten lässt.

Fazit:
Mit seiner Filmadaption der gleichnamigen Romanvorlage von Tatiana De Rosnays Sarahs Schlüssel zeigt Regisseur Gilles Paquet-Brenner die bewegende Geschichte der kleinen Sarah, die ihren Bruder vor der Deportation schützen will und sich so zum Überleben zwingt. Jahrzehnte später trifft eine von Kristin Scott Thomas verkörperte Journalistin auf ihr Schicksal. Paquet-Brenner inszeniert das Drama, das zu zwei verschiedenen Zeitenabschnitten spielt, sehr kontrastreich, wodurch der unterschiedliche Charakter der beiden Zeitperioden hervorgehoben wird. Sowohl die Story als auch die Arbeit der Schauspieler setzen dabei nicht so sehr auf Mitleid, sondern vielmehr auf eine nüchterne Darstellung des Geschehens sowie dem wohl wichtigsten Punkt einer solch tragischen Geschichte, dem Überleben dieser. Diese Mischung macht Sarahs Schlüssel zu mehr als nur einem Film über ein Holocaust-Schicksal und verdeutlicht vor allem die Stärke des menschlichen Daseins.     

Wertung:
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Liste von Hriss Zagoudis
Erstellt: 06.09.2012