Wächter des Tages

OT: -  132 Minuten -  Fantasy
Wächter des Tages
Kinostart: 21.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wächter des Tages

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Eine Fortsetzung zum russischen Kassenschlager Wächter der Nacht war nur eine Frage der Zeit. Der Film erreichte in seinem Heimatland einen unglaublichen Hype und spielte unterm Strich mehr ein, als die internationalen Box Office Könige Titanic und Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs. Durch diesen gigantischen Erfolg wurde auch der weltweite Markt auf die Reihe aufmerksam. Denn wer lässt sich schon gerne riesige potentielle Gewinne entgehen? So kam es dann, dass 20th Century Fox den Vertrieb übernahm und den Film in die Kinos brachte. Und trotz der widrigen Umstände (im englischsprachigen Ausland wurde der Film nur auf russisch mit englischen Untertiteln gezeigt), konnte Wächter der Nacht sein minimales Budget von 4 Millionen Dollar vervielfachen.

Das Marketingkonzept scheint aufgegangen zu sein, denn obwohl die Fantasygeschichte rund um den Kampf zwischen Gut und Böse nie die epischen Ausmaße eines Herr der Ringe erreicht, wollten alle den Film sehen. Nun kommt der zweite Teil von Sergei Lukjanenkos Tetralogie, die weiters noch aus den Bänden Wächter des Zwielichts und Wächter der Ewigkeit besteht, in unsere Kinos, und die Vorzeichen sind wieder ähnlich wie beim letzten Mal: In Russland brach der Film alle Rekorde. Man darf jedoch gespannt sein wie ihn das hiesige Publikum aufnimmt, denn Wächter des Tages ist sicher kein Meisterwerk. Auch wenn es ein ziemlich außergewönlicher Film geworden ist.

Die Geschichte dreht sich erneut um den Wächter der Nacht Anton (Konstantin Khabensky), der damals versuchte seine Freundin zu verfluchen und so auch seinen ungeborenen Sohn Jegor (Dima Martynov) auf gewisse Weise verfluchte: Er machte ihn anfällig für die dunklen Anderen. Die führenden Köpfe der hellen und der dunklen Seite sind sich einig, dass Svetlana (Maria Poroshina), die Praktikantin von Anton, den Ausgleich zum dunklen Schwergewicht Jegor bringt. Die Konflikte zwischen Gut und Böse schaukeln sich immer weiter hoch. Schließlich planen die dunklen Anderen, Anton einen Mord anzuhängen, um sich seiner endgültig entledigen zu können...

Wächter des Tages ist ein ziemlich ungewöhnlicher Film geworden. Obwohl man Regisseur Timur Bekmambetov sehr deutlich ansehen kann, dass seine Vorbilder aus Hollywood stammen, und er mit seinem rasanten Videoclipstil etwas an einen unerfahreneren Michael Bay erinnert, gibt er Wächter des Tages einen sehr speziellen Touch. Dies hat nun positive und negative Seiten: Auf der einen Seite ist es sicher erfrischend, einmal einen Film der anderen Sorte zu sehen, der nicht alles nach Schema F abspult, aber auf der anderen Seite fiel es mir doch schwer, einen Zugang zum Film zu finden.

Dies beginnt bereits bei der relativ skurrilen Geschichte, die sich aus diversen russischen Sagen und Archetypen zusammensetzt. Als Bewohner der "westlichen Welt" (und dies ist keinesfalls als überheblicher Ausdruck zu verstehen) fällt es sehr schwer, sich auf die abgedrehte Story einzulassen. Der eigentlich bekannte Kampf zwischen Gut und Böse, der durch eine Liebesgeschichte garniert wird, wird durch den düsteren Fleischwolf gedreht und heraus kommt eine sehr unzugängliche Variante eines Fantasyfilms. Alle, die einen besseren Zugang zum Werk haben als ich werden den Film wohl auch besser aufnehmen, denn es gibt genug Dinge, die Wächter des Tages richtig macht.

Der wohl größte Vorteil des Films ist seine relativ gut gezeichnete Atmosphäre. Das kalte und unwirtliche Moskau gibt einen wunderbaren Kontrast zum Standardfilmschauplatz und kann das Interesse des Zusehers durchaus wecken. Auch die Effekte sind sehr solide ausgefallen, und obwohl der Film an manchen Stellen etwas überladen und gekünstelt wirkt, gehen die Schauwerte im Großen und Ganzen in Ordnung. Auch Hauptdarsteller Konstantin Khabensky ist auf der Haben-Seite zu verbuchen, denn er strahlt nicht nur Coolness aus, sondern verkörpert die Loserrolle auch mit viel Charme und Charisma.

Dennoch gibt es auch abseits der Geschichte so einiges, das den Filmgenuss trübt. Dies ist zum Einen der unglaublich hohe Trashfaktor des Films, der ihn manchmal doch etwas billig erscheinen lässt. Auch die gewollte, und auch unfreiwillige Komik des Films zählen sicher nicht zu seinen Stärken. Der Gestaltentausch in der Mitte des Films ist einfach idiotisch und die Fahrt mit dem Auto entlang der Häuserfassade schießt den Vogel endgültig ab. Auch eine im Film eingebaute Duschszene, bei der sich schließlich die Umgebung in eine schillernde Wasserfalllandschaft verwandelt, sorgt nur für Kopfschütteln und vielleicht allerhöchstens für ein Mitleidslächeln.

Auch wirkt es sich etwas störend für den Zuseher aus, dass Wächter des Tages sein Konfliktpotential nie wirklich ausnützt. Ja, da ist der große Kampf zwischen Gut und Böse, aber zu sehen bekommt man davon nicht viel. Es stellt sich einfach nie das Gefühl ein, dass jetzt etwas wirklich Bedrohliches vor sich geht. Dies ist sicher auch zum Teil die Schuld von Oberbösewicht Zavulon, der außer einem klangvollen Namen nicht viel zu bieten hat. Er wirkt nie wie der Anführer der Bösen, sondern mehr wie ein Onkel von nebenan. Da es ja das Sprichwort "ein Film ist nur so gut wie sein Bösewicht" gibt, ist dies eine ziemliche Bremse für Wächter des Tages.

Dennoch muss man den russischen Filmemachern ein großes Lob aussprechen: Was sie mit dem minimalen Budget von knappen 4 Millionen Dollar hier abziehen, braucht sich nicht hinter Hollywoodproduktionen, die über ein vielfaches Budget verfügen, zu verstecken. Die ganz großen Schwergewichte der Traumfabrik bleiben für Wächter des Tages selbstverständlich unerreichbar, aber dennoch schafft man es, so einige Produktionen spielend auszustechen. Im Großen und Ganzen ist Wächter des Tages nämlich ein relativ unterhaltsamer Film, der den Zuseher auch fesseln kann. Wenn jemand Zugang zum skurrilen Stoff findet, hat er sicher seinen Spaß. Auch das Ende ist überraschend gut gelungen, jedoch wirkt es auch ziemlich endgültig und abschließend. Ich bin gespannt, wie man da noch einen weiteren Teil, der bereits angekündigt wurde, dranhängen will.

Fazit:
Wächter des Tages ist kein einfacher Film, der sicher seine Probleme beim heimischen Publikum haben wird. Der Grund dafür ist, dass sich die Story als relativ unzugänglich erweist und man als Zuseher nie das Gefühl hat, gerade eine epische Fantasygeschichte zu sehen. Wer sich allerdings auf die Ausgangslage einlässt, der bekommt einen ziemlich geradlinigen, skurrilen und exotischen Film geboten, der zwar im Großen und Ganzen unterhält, aber auch nichts wirklich Großartiges darstellt. Dazu ist Wächter des Tages an vielen Stellen zu trashig und unausgegoren.

Wertung:
6/10 Punkte

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