Sleepers

OT: -  147 Minuten -  Drama
Sleepers
Kinostart: 30.01.1997
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 17.03.2011
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Filmkritik zu Sleepers

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Regisseur Barry Levinson („Toys“, „Sphere") ist kein Mann der ganz großen Filme. So nah wie mit „Sleepers“ war er aber nie dran einen zu drehen. Unterstützt von einem Top-Ensemble, sowie Kameravirtuose Michael Ballhaus gelang ihm hier in der ersten Hälfte ein emotionelles, unter die Haut des Zuschauers wanderndes Drama, dass in der zweiten Hälfte leider von einem zu konventionellen Gerichtsthriller abgelöst wird.

Lorenzo, Michael, John und Tommy sind ein eingeschworenes Quartett, das im heruntergekommenen New Yorker Stadtviertel „Hell’s Kitchen“, trotz aller widriger Umstände, eine sorglose Jugend verlebt. Unter den Fittichen von Father Bobby (Robert De Niro, „Heat“, „Showtime“) halten sie sich von Drogen und Verbrechen fern, hecken ihrerseits Streiche aus und betrachten auch das mitunter schwierige Elternhaus blauäugig. Es war eine raue Gegend, doch sie hatte ihre Prinzipien. Kein Mord ohne Grund und so wuchsen die vier, wohlbehütet unter dem Schutz eines Paten, für den sie hin und wieder Botengänge erledigten, auf. Bis zu dem Tag an dem ein Streich zu weit gehen sollte und sie für ein Jahr in eine Besserungsanstalt gesteckt wurden. Diese Einrichtung sollte ihr Leben für immer verändern.

Barry Levinson teilt „Sleepers“ in drei Akte auf. Zunächst schildert er beeindruckend authentisch das Leben in Hell’s Kitchen und montiert aktuelles Zeitgeschehen hinein. So knallhart dort auch miteinander umgegangen wurde, für die Kinder war die Gegend idyllisch. Das garantiert sorglose Leben sollte kein Ende nehmen. Der zweite, sehr nihilistische Teil bricht mit der Ankunft im Wilkinson Home an. Die Gruppe ist vom ersten Tag an den sadistischen Trieben der Wärter ausgesetzt. Als oberfieses Schwein gibt ein perfekt besetzter Kevin Bacon („Apollo 13“, „Stir of Echoes“) hier übrigens eine Glanzvorstellung. Langsam aber sicher zerbrechen die Jungen an der Willkür der Männer. Sie werden geschlagen und vergewaltigt. Mit einer ungeheuren Intensität schafft es Levinson diese Grausamkeit dem Publikum deutlich zu machen. Das ist nicht zuletzt der hervorragenden Riege von Jungdarstellern (u.a. Brad Renfro „Apt Pupil“ als junger Michael) zu verdanken. Der geistige Bruch, der seelische Schmerz und vor allem die Angst stehen ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben.

In diesem Teil liegen dann auch ganz klar die Stärken von „Sleepers“. Es ist ein Jugenddrama der herbsten Sorte – in düstere, pessimistische Bilder getaucht. Niemand der ihnen helfen kann. Vor Father Bobby und ihren Eltern wollen sie die Pein verstecken. Retten können sie sie sowieso nicht mehr und so ertragen sie die Folter Tag für Tag bis zur Entlassung. Levinson versteht es hier in nie wieder von ihm gezeigter Brillanz unvergessliche Momente festzuhalten, indem er nie das Grauen selbst zeigt. Nein, er zeigt die Vorboten, den Weg zum Schafott und die Auswirkungen der kranken Taten. Eine Dekade später sind aus den Vieren ganz unterschiedliche Menschen geworden. Als die kriminellen John (Ron Eldard) und Tommy (Billy Crudup) plötzlich Sean Nokes, der damaligen Personifikation ihres Albtraums, über den Weg laufen und ihn erschießen, gibt das den zum Staatsanwalt gewordenen und die beiden anklagenden Michael (Brad Pitt, „Fight Club“, „Troy“) sowie Journalist Lorenzo (Jason Patric, „Narc“) die Chance ein für alle mal mit allen, die ihnen damals Schaden zufügten, abzurechnen.

Die Kernaussage ist die, dass sich hier Selbstjustiz über geltendes Recht hinwegsetzt, ja es sogar für seine Zwecke missbraucht und sogar gewinnt – obwohl abhängig von einem Meineid. Das ist in erster Linie eine Anklage an das Justizsystem. Des weiteren lassen sich in „Sleepers“ aber noch weitere kritische Ansätze vorfinden. Insbesondere die in den Medien immer wieder angesprochenen Missstände in Institutionen wie Alters- oder Pflegeheimen wird thematisiert. Auch wenn das hier in einem Erziehungsheim etwas abgewandelt wird. Weil das in diesem Fall jedoch jungen unschuldigen Kindern passiert, ist das Ergebnis noch eindrucksvoller.

So, wenn auch raffiniert ausgetüftelt, konventionell der Prozess auch abläuft, er hat einen sehr nuancierten Brad Pitt, sowie einen sich selbst aufgebenden Dustin Hoffman zu bieten, die beide nicht versuchen die Szenerie für sich einzunehmen, sondern dem Ganzen verschreiben. Natürlich bleibt bis zum Schluss offen, wie das Urteil ausfallen wird und natürlich liefert der Epilog Antworten auf die letzten Fragen. Da fehlt Levinson dann wieder der Mut zur letzten Konsequenz, doch zufrieden stellt der unbequeme Film bis dahin allemal.

Fazit:
Bis in die kleinste Rolle erstklassig besetztes und gespieltes Drama, das über die drei Kapitel sein hohes Niveau zwar nicht ganz halten kann, dafür aber unter die Haut fährt. „Sleepers“ ist ein intensives, vielleicht etwas zu langes Filmerlebnis, das sich ganz auf seine Darsteller und seine Bilder verlässt. Ein emotionelles, authentisches Stück Film, dass jeder, der seine Augen vor heute immer noch aktuellen Grausamkeiten nicht verschließt, mal gesehen haben sollte. Packend!

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 28
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