The Grey - Unter Wölfen (2012)

OT: The Grey - 117 Minuten - Action / Abenteuer / Drama / Thriller
The Grey - Unter Wölfen (2012)
Kinostart: 13.04.2012
DVD-Start: 21.09.2012 - Blu-ray-Start: 21.09.2012
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Filmkritik zu The Grey - Unter Wölfen

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Kälte, Eis, Tod - in The Grey verlässt Joe Carnahan die wohlige Gemütlichkeit der Zivilisation und zeigt uns den grausamen, unbarmherzigen Arm der Natur, der sich eng um die Kehle der Menschen schnürt. Harte Männer sehen sich mit harten Aufgaben konfrontiert - Die weibliche Seite gibt es nur in Form von kryptischen Rückblenden, die erst am Ende in den richtigen Kontext gesetzt werden und im Zentrum steht nur eines: Der nackte Kampf ums Überleben, flankiert von der grundlegenden Frage ob man denn überhaupt noch leben will. Im Angesicht eines hungrigen Wolfsrudels darf eine handvoll Charaktere dieser Frage auf den Grund geben und wir, die Zuseher, dürfen uns mit ihnen auf diesen existentialistischen Trip begeben.

John Ottway (Liam Neeson) ist ein einsamer Suchender in der Wildnis: Von einer Ölfirma wurde er engagiert um mitten im Nirgendwo die Arbeiter vor den Gefahren der Natur zu beschützen. Er lauert im Verborgenen, begleitet von seinem Gewehr und beobachtet. Sobald er eine Gefahr entdeckt, zögert er nicht zu schießen. Heimgesucht von den Erinnerungen an die viel glücklichere Zeit mit seiner Frau (Anne Openshaw) ist er stets an der Grenze zum Selbstmord. Doch alles ändert sich, als er in ein Flugzeug steigt um gemeinsam mit den anderen Männern die Wildnis hinter sich zu lassen - denn mitten in der eisigen Schneelandschaft stürzt der Flieger ab und die wenigen Überlebenden müssen sich nicht nur gegen die Kälte und den Hunger, sondern auch gegen ein Rudel Wölfe zur Wehr setzen, das es auf sie abgesehen hat...

Nachdem seine letzten beiden Filme Smokin’ Aces und Das A-Team vor allem der ausgeflippten over-the-top Action frönten, ist The Grey ein Schritt in eine ganz andere Richtung für Regisseur Joe Carnahan. The Grey ist großteils vor allem ein bodenständiger, ballastloser Survival-Thriller, der völlig ohne Effektorgien auskommt und seine Action vor allem dazu einsetzt um den Hauptfiguren auf unmittelbare Art und Weise nach dem Leben zu trachten. Hier gibt es keine Chance sich zurückzulehnen, Schauwerte zu genießen und sich von der Action berieseln zu lassen - stattdessen ist jede temporeiche Sequenz ein erbarmungsloser Kampf mit dem Tod und ein Adrenalinrausch für das Publikum.

Dank Carnahans direktem Stil fühlt man sich ohne Umwege mit den Figuren verbunden. Die Kamera klebt am Geschehen, alles was wir sehen und wissen ist genau das was auch die Charaktere erfahren. Auch fürs Publikum gibt es keinen Ausweg, keine Abkürzungen, keine Fallseile - in den dunklen Stellen des Bilds lauert nichts als der Tod. Dabei erlaubt sich Joe Carnahan einen kleinen Running Gag mit den Figurenklischees. Hier ist jeder der ganz harte Kerl, den wir aus diversen Actionfilme kennen. Das furchtlose Großmaul, der gewissenlose Abschaum am Rand der Welt - aber wenn wir sie näher kennenlernen sehen wir nicht nur ihre weiche Seiten, wir erkennen auch, dass diese Attitüde im Angesicht des Bösen nicht nur wertlos ist, sondern auch in sich zusammenfällt.

Letzten Endes gibt es nur eine Figur, die der Bewährungsprobe der Natur in letzer Konsequenz standhält: Der von Liam Neeson verkörperte John Ottway - der ultimative Badass, ein Anführer, der bereit ist das Notwendige zu tun und der einen Funken Hoffnung in dieser Situation darstellt. Erneut ist es ein wunderbarer Kniff, dass gerade dieser Überlebensexperte mit dem Selbstmord hadert, und der gesamten Thematik des Films eine herrlich zwiespältige Note verpasst. Auch in der Schilderung der Wölfe behält sich The Grey seinen zwiespältigen Charakter: Natürlich ist zu bezweifeln, dass sich echte Wölfe so verhalten würden, aber Joe Carnahan nützt sie ja auch vor allem als Antrieb um eine Geschichte über die Menschen und über den ewigen Kampf zwischen dem Allmachtswahn der Menschheit und deren Relativierung durch die Natur zu erzählen - da kann man es getrost verschmerzen, dass die Charakterisierung der “Bösewichte” nicht ganz an der Realität angelehnt ist.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings ein anderer Ansatz des Films: Auf der einen Seite ist The Grey ein unheimlich geradliniger, reduzierter und beinharter Überlebenskampf - kompakt, schnörkellos und unbarmherzig inszeniert. Aber dann schleichen sich immer wieder Szenen ein, in denen Carnahan diese Geradlinigkeit unterwandert. Gemeint sind die Rückblenden in die Vergangenheit von John Ottway, die sehr überhöht skizziert sind und die Härte der Atmosphäre etwas aufweichen - natürlich machen diese Rückblenden (vor allem am Ende) Sinn und erklären die emotionale Situation der Hauptfigur, allerdings widersprechen sie dem ansonsten absolut fokusierten Charakter des Films. Das ist zwar kein grober Fehler, aber letzten Endes hat man doch das Gefühl, dass The Grey wuchtiger hätte sein können, als er es schlussendlich geworden ist.

Denn obwohl der Film insgesamt sehr gelungen ist und funktioniert, summieren sich die kleinen Probleme auf ärgerliche Art und Weise auf: Der Bruch mit dem geradlinigen Stil, die überhöhte Darstellung der Wölfe, die Klischees auf die manchmal zurückgegriffen wird - all dies ist nicht wirklich tragisch, verhindert aber, dass The Grey durch Mark und Bein dringt. So ist es ein durchaus imponierender, unbarmherziger Film geworden, mit einem überzeugenden Liam Neeson in der Hauptrolle, der es zweifellos schafft für knapp zwei Stunden für adrenalinhaltige Unterhaltung zu sorgen. Aber es fehlt dem Film an jenem Nachhall, der dafür sorgt, dass man ihn auch wirklich mit Begeisterung weiterempfehlen könnte. Allerdings macht man sicher auch keinen Fehler wenn man sich den Film ansieht.

Fazit:
Es tut richtig gut, dass Joe Carnahan mit The Grey die überzogenen Actiongefilde seiner letzten Filme verlässt und einen minimalistischen Neubeginn wagt. Sein Film schildert einen unbarmherzigen Kampf zwischen Mensch und Natur mit viel Leid und ohne Ausweg. Der Film spielt geschickt mit Urängsten und Klischees und erweist sich dank seiner unmittelbaren Art als durchaus effektiv. Geschmacksache ist jedoch, dass Carnahan die geradlinige und schnörkellose Erzählung immer wieder mit überhöhten Rückblenden unterbricht. Außerdem spielt er zwar oftmals geschickt mit bekannten Stereotypen, aber abgesehen von Liam Neesons großartiger Tour de Force fehlt es teilweise an einprägsamen Charakteren mit denen man mitfiebert. Schlussendlich ist The Grey einfach ein guter und sehenswerter Film geworden - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.6/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 37
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