Stellungswechsel

OT: -  90 Minuten - Komödie
Stellungswechsel
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Stellungswechsel

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Es ist schon bemerkenswert, wie es das Fernsehen schaffte, dank einer Initiative des Pay-TV Senders HBO vom Ruf als Volksverblöder wegzukommen und durch Serien wie 24, Prison Break, Die Sopranos, uvm. die Qualitätsschraube enorm anzuziehen. Dieses hochwertige Fernsehen hat zwar in unseren Breitengraden noch nicht wirklich Einzug gehalten, aber die amerikanischen Topserien sind auch bei uns auf Siegeszug. Was wirklich überraschend ist, ist allerdings nicht, dass das Fernsehen an Qualität zunimmt, sondern vielmehr, dass man viele Filme im Kino sieht, die eigentlich dafür prädestiniert, sind im Fernsehen zu laufen.

Glücklicherweise kann von Qualitätswechsel noch nicht die Rede sein, denn das Kinojahr 2007 hatte so einige gute Filme zu bieten. Dennoch wird dieser gute Eindruck etwas getrübt, wenn man sich die Nischenfilme genauer ansieht, die es da auf die große Leinwand geschafft haben. Auf der einen Seite fallen besonders die heimischen und natürlich auch ausländischen Billig-Dokus á la Keine Insel, Zurück zu einem unbekannten Anfang, How to Cook your Life oder Meine Liebe Republik auf, bei denen es wirklich ein Rätsel ist, warum es solch absolut fernsehtypischen Werke ins Kino schaffen. Aber auch auf der Spielfilmfront wurden zuletzt mit Fashion Victims oder auch dem hier besprochenen Stellungswechsel Filme präsentiert, wie man sie eigentlich nur aus dem Pro 7 Wochenprogramm kennt. Wer geht für so etwas ins Kino?

Drei Münchner Freunde vereint das selbe Schicksal: Sie alle könnten ruhig etwas mehr Geld auf dem Konto vertragen. Da ist zum Beispiel Olli (Gustav-Peter Wöhler), der mit seinem Feinkostladen immer weiter in Richtung Konkurs rutscht und einsehen muss, dass Qualität nicht alles ist. Oder Frank (Florian Lukas), der sensible Frauenversteher, der lange eine Männerkolumne bei einer Frauenzeitung geschrieben hat, aber nun aus finanziellen Gründen gefeuert wurde. Als Dritter im Bunde bleibt noch der Polizist Günther (Sebastian Bezzel), der nach einem Autounfall gemeinsam mit seiner Kollegin Daphne (Lisa Maria Potthoff) etwas in Geldnot geraten ist.

Nach einigen Versuchen und nachdem Frank am Arbeitsamt von einer reichen Frau 150€ für eine Stunde geboten bekommt, beschließen die drei, gemeinsam eine Begleitagentur zu gründen. Als Verstärkung holen sie sich noch den jungen Lasse (Kostja Ullmann) und den erfahrenen Geschäftsmann Giselher (Herbert Knaup) ins Team und das Ganze kann losgehen. Als erstes wird eine Internetseite ins Netz gestellt und das Warten kann beginnen. Doch so richtig gut läuft das Geschäft nicht. Erst als eine Zeitung über das Angebot berichtet, bahnt sich die erste auftragsreiche Nacht für das Team an. Und hier kommen nun ihre wahren Probleme zum Vorschein...

Stellungswechsel macht es dem Zuseher wirklich nicht leicht. Da ist zum Einen schon das bereits oben besprochene große Problem, dass der Film eigentlich gar nichts fürs Kino ist. Sowohl die bereits bekannte Ausgangslage als auch die relativ simple technische Aufbereitung tragen ja schon förmlich den Stempel "fürs Fernsehen", aber dies wäre sogar noch verschmerzbar, wenn Stellungswechsel nicht auch ansonsten voller mal größerer, mal kleinerer Fehler wäre. Denn bei allem erzwungenen Verständnis dafür, dass Fernsehfilme ins Kino kommen, gibt es absolut kein Verständnis für stereotype Charaktere und vor allem relativ unwitzige Gags.

Man kann es dem Film leider ansehen, dass es das Spielfilmdebüt von Regisseurin Maggie Peren ist, die sich zwar bereits als Autorin und Schauspielerin einen Namen machen konnte, aber eben noch nie selbst inszenieren durfte. Dies zeigt sich vor allem darin, dass sie kein richtiges Timing für ihre Witze auf die Reihe bringt. Die Situationen, die für Spaß sorgen sollen, sind an vielen Stellen zu lange ausgedehnt, aber an vielen auch zu kurz gestaucht. An manchen Stellen leidet der Film auch darunter, dass die Szenen, über die man als Zuseher offensichtlich lachen sollte, schlicht nicht lustig sind. Auf jeden Fall ist eine großteils vorhandene Totenstille im Kino beim Vorführen einer Komödie kein gutes Zeichen.

Doch nicht nur das Timing und die Witze kränkeln, es mangelt auch an gut gezeichneten Charakteren. Besonders die beiden Hauptfiguren Frank und Günther sind in entgegengesetzer Richtung völlig überzeichnet worden und entbehren somit jeder Glaubwürdigkeit. Für eine Komödie, die mit bewusst überzeichneten Figuren arbeitet, wäre dies nicht schlimm, aber wenn man versucht, einen gewissen Bezug zur Realität herzustellen, funktioniert so eine Überzeichnung einfach nicht. Besonders dann nicht, wenn die Figuren durch die überdeutliche Stilisierung nicht witziger, sondern einfach nur unglaubwürdiger werden.

Da ist zum Beispiel der zuckersüße Frank, der als sehr feminin gezeichnet wird. Er versteht die Frauen, und natürlich arbeitet er schließlich als Hausmann. Als Draufgabe hat er gerade sein Doktorat in Germanistik beendet, scheint sich aber mit der häuslichen Rolle als Hausmann sehr zufrieden zu geben. Ihm gegenüber steht der Macho Günther, der Frauen nur ausnutzt und auch ansonsten keine liebenswerten Züge aufweist. Natürlich wird er im Film nie wirklich unsympathisch, aber das soll hier nicht zur Diskussion stehen. Gegen Ende hin muss Günther dann einiges von Frank lernen, um sich seine neue Kollegin Daphne zu angeln, die er natürlich nicht ausnutzen will, sondern da er ja etwas gelernt hat, für eine ernste Beziehung gewinnen möchte.

Mit solchen am Reißbrett entworfenen Figuren gewinnt man natürlich keinen Blumentopf. Zur Verteidigung von Stellungswechsel sei allerdings erwähnt, dass der Film zumindest kurzweilig bleibt und auch einige wenige Male zum Schmunzeln anregt. Zwar bleibt er die ersten beiden Drittel über relativ unspektakulär, aber wenn es dann schließlich daran geht, am Ende die erste Einsatznacht der fünf Protagonisten zu zeigen, gewinnt Stellungewechsel zumindest etwas an Fahrt. Für einen Kinobesuch ist der Film allerdings dennoch nicht empfehlenswert. Fürs Fernsehen oder einen DVD-Abend kann man Stellungswechsel, als Freund von deutschen Komödien selbstredend, allerdings in Betracht ziehen.

Fazit:
Stellungswechsel ist ein Film, der sich getrost in das Muster von so einigen anderen Produktionen aus diesem Jahr einreihen darf und in seiner sehr fernsehtypischen Form eigentlich nicht ins Kino muss. Die Gags leiden darunter, dass sie entweder von vorne herein nicht lustig sind, oder unter einem falschen Timing zugrunde gehen. Die Charaktere sind vom Reißbrett und überzeichnet, aber man muss auch erwähnen, dass Fans von deutschen Komödien wohl auf ihre Kosten kommen werden. Für alle anderen gibt es unzählige bessere Filme.

Wertung:
5/10 Punkte

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