Freeze - Alptraum Nachtwache (1997)

OT: Nightwatch - 101 Minuten - Drama / Horror / Thriller
Freeze - Alptraum Nachtwache (1997)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
15124
Bewerten:

Filmkritik zu Freeze - Alptraum Nachtwache

Von am
Immer öfter kommen Neuverfilmungen von Stoffen Jahre später, meist mit Neubesetzung wieder ins Kino. Zuletzt so geschehen bei der Hollywood Neuverwurstung von The Girl with the Dragon Tattoo. Selten aber doch, haben Original und Neuverfilmung den gleichen Regisseur (und/oder den gleichen Cast). Großartiges Beispiel: Funny Games (Original aus dem Jahr 1997, Remake aus dem Jahr 2008).

Es gibt mehrere Gründe einen Film noch einmal zu drehen: Aus Gründen der Ehrfucht (so geschehen bei Peter Jackson’s King Kong aus dem Jahr 2003) oder um einen guten alten Stoff in einen noch besseren in die Neuzeit zu transportieren (so geschehen bei Die Frauen von Stepford). Möglicherweise um zu zeigen, dass man es besser kann und dann daran zu scheitern (so geschehen bei Dawn of the Dead,  2008) und manchmal aber doch, will man aus einem Independent- Low- Budget Streifen ein mehr oder weniger pompöses Hollywood- Mainstream- Kino machen.

Ole Bornedal, seinesgleichen dänischer Filmregisseur, wurde bekannt durch den Independent- Thriller Nattevagten aus dem Jahr 1994. Der Film gehört tatsächlich heute noch zu den besseren, nordischen Filmen, die sich vor allem durch ihre eigentümliche Stille, Sterilität und (nicht nur geografische) Eiseskälte auszeichnen. Wenig Geld = Viel Lob, also muss etwas mehr Geld + Hollywoodstars wohl Ruhm, Ehre und Reichtum ergeben. So, oder so ähnlich dürfte Bornedal wohl kalkuliert haben, als er den Stoff nach Amerika schiffte, Hollywoods Lieblingsschotten (nach Sir Sean Connery natürlich) Ewan McGregor, sowie Nick Nolte, Patricia Arquette und Josh Brolin verpflichtete und dem ganzen den catchy Titel Freeze – Alptraum Nachtwache gab.

Fokus der Geschichte liegt auf Jusstudent Martin Bells, der sein lädiertes Konto mit einem etwas eigentümlichen Job aufzupeppeln versucht: ab 20:00 bewacht er ein städtisches Krankenhaus und muss seine Inspektionsrunden ziehen, welche ihn auch in die Leichenhalle(n) führen. Eigentlich will er in den tiefschwarzen Stunden der Nacht lernen, doch ein perverser Mörder, der es in erster Linie auf Nutten abgesehen hat, kreuzt seine Wege. Es dauert nicht lange und es geschehen eigenartige Dinge, Tote liegen nicht mehr dort, wo sie liegen sollten und für den unheimlichen Inspektor Thomas Albert Cray (Nick Nolte) steht der Hauptverdächtige bald fest: Martin. Das wäre übrigens nicht der erste Nachtwächter in diesem Hospital, der durchdrehen würde. Die Tatsache, dass Martins verrückter Freund James (Brolin) gerade auf der Suche nach dem Kick seine Lebens ist und auf der Adrenalinliste auch der Besuch bei einer Nutte steht, macht die Sache noch komplizierter und die langsame Eifersucht und Unsicherheit seiner Freundin Katherine (Arquette) macht alles natürlich auch nicht leichter. Der Mörder muss gefunden werden, selbst wenn es den eigenen Tod bedeutet.

In keiner Minute von Freeze – Alptraum Nachtwache, erahnt man die noch relativ große Unerfahrenheit des Regisseurs. Die Transportation in das kommerzielle Hollywood glückt lückenlos dank guter, bekannter Schauspieler und einer flexiblen Story. Ole Bornedal geht kein Risiko ein, er hält sich streng an seine eigene Vorlage und experimentiert lediglich mit der neuen Umgebung, die großzügiger und somit umfangreicher in seinen Möglichkeiten ist, als das dänische Vorbild. Unklarheiten ergeben sich speziell im Charakter des Martin Bells, der eine latente Hörigkeit gegenüber seinem durchgeknallten Kumpel James an den Tag legt und so eindeutig fahrlässige, ja sogar dumme Entscheidungen trifft. Dies wirft Fragen auf: Wieso sollte ein naiver, unreifer Mann gerade so einen schwer verdaulichen Job annehmen? Wie konnte er mit dieser Einstellung überhaupt in einem harten Studium wie Jus so weit kommen? Möglicherweise ist gerade diese Charakterdiskrepanz der größte, wenn auch einzige Schwachpunkt in diesem Film. Wer die Figur des Martin Bells nicht sofort annimmt, sondern seine fast schon kindischen Entscheidungen in Frage stellt, wird sich äußerst schwer tun, den Film generell ernst zu nehmen und den Thriller richtig auf sich wirken zu lassen. Wer darüber hinwegsehen kann, hat einen soliden Thrill der 90er Jahre, der besonders durch die unheimliche Darstellung des Vorzeige- Miesepeter Nick Nolte noch gruseliger wirkt. Auch die Location überzeugt: die schmalen, schmutzigen Gänge und sterilen Untersuchungs/ Obduktionsräume wirken beachtlich auf das eigene Nervenkostüm – nichts für Angsthasen!

Fazit:
Das Experiment „Beam mich in eine mainstream- Version, Scotty“ funktioniert bei Freeze – Alptraum Nachtwache, wenn auch zugegebenermaßen nicht zu 100%. Die labile Charakterzeichnung des Hauptprotagonisten Martin Bells funktioniert möglicherweise in einem Low- Budget- Independent- Film, in der Hollywood Version lässt dieser Charaktersprung den Zuschauer unter Umständen an der Glaubwürdigkeit des ganzen Films zweifeln, selbst wenn Ewan McGregor eine solide Schauspielleistung abgibt – ebenso wie Nick Nolte, Patricia Arquette und Josh Brolin. Kein Meisterwerk, aber trotzdem sehenswert!

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 5
10 /10
20%
9 /10
0%
8 /10
40%
7 /10
20%
6 /10
20%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Dark Shadows (2012)
Stephen Kings Es (1990)
Martyrs (2008)
Amityville Horror - Eine wahre Geschichte (2005)
World War Z (2013)
Stoker - Die Unschuld endet (2013)
Du lebst noch 7 Tage (2000)
Dominion: Exorzist - Der Anfang des Bösen (2005)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!