Hairspray

OT: -  115 Minuten - Musical / Komödie
Hairspray
Kinostart: 06.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
1505
Bewerten:

Filmkritik zu Hairspray

Von am

Es ist nun mittlerweile die dritte Umsetzung des Stoffes Hairspray. Den Grundstein legten Regisseur John Waters und New Line Cinema bereits im Jahr 1988, als der erste Film mit dem Titel Hairspray in die Kinos kam. Überraschenderweise wurde das skurrile Musical zur Kultkomödie und überzeugte das Publikum auf der ganzen Welt. In den Hauptrollen spielten im Original noch die Newcomerin Ricki Lake, Divine als ihre Mutter und als Vater der Familie, der in der jetzigen Version genial von Christopher Walken verkörpert wird, Jerry Stiller, der momentan nicht nur als Arthur in King of Queens eine genial schräge Show abliefert, sondern auch eine kleine Nebenrolle in der Neuverfilmung von Hairspray ergattern konnte.

Nach dem Erfolg des Films aus dem Jahr 1988 folgte eine Broadwayadaption des Stoffes im Jahr 2002 und Hairspray: The Musical wurde auch auf der Bühne ein großer Hit. Das Musical kam nicht nur beim Publikum gut an, sondern konnte sich auch 13 Nominierungen für den Tony, den wichtigsten Broadway Award, sichern und gewann ihn auch in den Kategorien, Bestes Musical, Bestes Buch zu einem Musical, Beste Originalmusik, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller und Beste Hauptdarstellerin in einem Musical, Beste Kostüme und Beste Regie. Kurzum, das Musical wurde ein großer Erfolg, und deswegen ist es auch kein Wunder, dass man sich auch in Hollywood wieder für den Stoff interessierte.

New Line Cinema, die sowohl den ersten Film als auch das Musical produzierten, gaben schließlich grünes Licht für den hier besprochenen Film Hairspray, der nicht als Remake des Originalfilmes, und auch nicht als Verfilmung des Musicals verstanden werden will. Viel mehr geht es um eine Neudefinition des Stoffes, die sich am Broadwaymusical orientiert. Dies ist auch ausgesprochen gut gelungen. Doch so gut die Vorzeichen auch stehen, der Zuseher muss einiges in den Film mitbringen, um ihn wirklich genießen zu können. Das wichtigste ist wohl ein Zugang zur, wirklich gut gelungenen, Musik, aber man muss sich auch darauf einstellen, dass einen mit Hairspray ein skurriles, schräges, und an manchen Stellen kitschiges Musical erwartet. Wer also mit sowas nichts anfängt, kann sich den Film getrost sparen. Alle anderen erwartet ein rasanter und unterhaltsamer Film, der vor allem durch seine Feel-Good-Stimmung überzeugt.

Tracy Turnblad (Nikki Blonsky) ist ein Teenager, der sicher nicht der Idealvorstellung der Massen entspricht. Der Grund dafür ist ihr opulenter Körperbau, doch trotz allen negativen Vorzeichen ist es ihr größter Wunsch, in der „Corny Collins Show“ aufzutreten, wovon allerdings auch alle anderen Kids in ihrem Alter im Baltimore der 60er Jahre träumen. Als eine der Tänzerinnen der Show ausfällt, will sich Tracy für die Rolle bewerben, wobei dieses Unterfangen von ihren Eltern sehr unterschiedlich aufgenommen wird. Während ihre übergewichtige Mutter Edna (John Travolta) dagegen ist und sich selbst am liebsten den ganzen Tag in ihrer Wohnung versteckt, stellt sich Tracys schräger Vater (Christopher Walken) auf ihre Seite und unterstützt ihre Idee.

Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Penny Pingleton (Amanda Bynes) gibt Tracy nicht auf und kämpft um einen Platz in der Show. Als der Host der Show, Corny Collins (James Marsden), schließlich bei einem Tanzabend in Tracys Schule auf sie aufmerksam wird, geht ihr Traum in Erfüllung: Sie bekommt die freie Stelle in der „Corny Collins Show“, und nun muss sie sich gegen die bösartige Sendermanagerin Velma (Michelle Pfeiffer) behaupten, die Tracy nicht leiden kann und gleichzeitig versucht, ihre Tochter Amber (Brittany Snow) bei der Wahl zur Miss Hairspray zu pushen. Gleichzeitig versucht Tracy auch noch, die Liebe von Ambers Freund Link Larkin (Zac Efron) zu gewinnen...

Die Parallelen zu Cinderella sind in der Geschichte von Hairspray nicht von ungefähr, denn einer der wesentlichen Stützpfeiler der Story ist es, für mehr Toleranz für Minderheiten zu werben. Doch dieser Aschenputtel-Aspekt der Geschichte beschränkt sich nicht nur auf die Story selbst, sondern war stets auch auf die weibliche Hauptrolle des Werks anwendbar. Denn mit der Tradition der Vorgängerwerke, als Tracy immer eine Newcomerin zu besetzen, wurde auch in der aktuellen Verfilmung von Hairspray nicht gebrochen. Nikki Blonsky liefert ihr Debüt und überzeugt auch über weite Strecken. Obwohl sie sich auch den Vorwurf gefallen lassen muss, etwas viel Elan in die Rolle zu legen, sodass sie einigen Zusehern doch auf die Nerven gehen wird.

Diesen Vorwurf könnte man allerdings auch allen anderen jungen Darstellern in Hairspray machen. Sie alle meinen es etwas zu gut und dies zehrt nach einiger Zeit doch an den Nerven. Zugute halten muss man ihnen allerdings, dass ihr überdrehtes Spiel auch sehr gut in das Setting des Films passt und somit nicht generell kritisiert werden soll. Einige werden es mögen, einige nicht, aber so sind die Geschmäcker nun mal. Doch soviel Mühe sich die Jungdarsteller in Hairspray auch geben, und soviel Elan sie in ihre Rollen stecken, gegen die alte Garde sehen sie blass aus.

Von allen am auffälligsten, und deshalb soll er auch hier zuerst erwähnt werden, ist John Travolta, der, nachdem er sich lange vom Genre, welches ihn berühmt gemacht hat, distanziert hatte, nun endlich wieder einmal in einem Musical sein Können zur Schau stellen darf. Berühmt wurde er durch sein Tanztalent in Filmen wie Grease und Saturday Night Fever, aber um sich als ernster Schauspieler zu profilieren, lehnte er die Musicalrollen immer wieder ab und wollte zuletzt nicht einmal im oscarprämierten Chicago mitwirken. Nun dürfte ihn das Tanfieber erneut gepackt haben, und so streift er sich für seine Rolle in Hairspray einen 15 Kilo schweren Anzug über und darf das erste Mal in seiner Karriere eine Frau spielen. Dieser Besetzungscoup darf allerdings nicht als Peinlichkeit á la Big Momma's House verstanden werden, sondern liefert den geschichtlichen Bezug zu den Vorgängerwerken, bei denen allesamt ein Mann die Rolle als Ednas Mutter spielte. In Hairspray muss sich John Travolta allerdings bis zum Ende gedulden, bis er schließlich sein tänzerisches Talent zeigen darf. Dennoch kann er den ganzen Film über überzeugen, und schließlich vergisst man als Zuseher sogar, dass Edna von einem Mann gespielt wird.

Der wahre schauspielerische Höhepunkt bleibt allerdings die grandios aufspielende Michelle Pfeiffer, die sich in ihrer Rolle als intrigante und schlicht diabolisch böse Sendermanagerin sichtlich wohl fühlt. Sie scheint sich sehr darüber zu freuen, dass sie sich einmal austoben darf und strahlt alleine mit ihrem durchdringenden Blick mehr dunkle Finesse aus, als es viele andere Darsteller mit ganzem Körpereinsatz schaffen. Sie legt ihre Figur wahrlich hassenswert an und beeindruckt den Zuseher damit nachhaltig. Auch einige schwierige Gesangseinlagen muss sie meistern, und sie bewältigt sie alle mit Bravour. Michelle Pfeiffer muss somit sicher als der schauspielerische Höhepunkt angesehen werden und es wäre nicht verwunderlich, wenn sie für Hairspray auf einigen Awardlisten landen würde. In weiteren Nebenrollen glänzen auch noch Christopher Walken, der als übergeschnappter Spielzeugverkäufer und Vater von Tracy eine genial schräge Vorstellung abliefert, und Queen Latifah, die bereits in Chicago  Musicalerfahrung sammeln durfte und in Hairspray beim Marsch auf der Straße, einen der wohl denkwürdigsten Songs des Films abliefert.

Hairspray bleibt dabei hauptsächlich ein schriller Unterhaltungsfilm. Zwar gibt es natürlich einen tieferen Hintergrund, der sich hauptsächlich auf das Werben für Toleranz beschränkt, und sich sowohl gegen den Rassismus bekennt, als auch ein Plädoyer für die Werte der eigenen Persönlichkeit abliefert. Hairspray torpediert den Zuseher von Anfang an mit der Botschaft, dass man unbedingt so bleiben soll, wie man ist und nur die inneren Werte zählen. Leider muss man sagen, dass diese Statements reichlich oberflächlich ausgefallen sind und wohl auch nicht mehr die Tragweite wie 1988 haben. Auch driftet Hairspray des öfteren gewaltig in den Kitsch ab, aber obwohl ich normalerweise nichts mit sowas anfangen kann, wirkte sich das für mich in Hairspray nicht negativ aus. Der zuckersüße, überdrehte und schrille Touch passt einfach perfekt zum Film.

Und so kommt es auch, dass Hairspray als Unterhaltungsfilm überaus gut funktioniert. Die Darsteller liefern allesamt eine gut gelaunte Show ab, und die zahlreichen Musicaleinlagen sind sehr gut choreographiert und auch von wunderschönen Songs unterlegt, die zu wahren Ohrwürmern werden. Wohlgemerkt gilt dies nur für diejenigen Zuseher, die sowohl Zugang zur Musik haben als auch generell mit Musicals etwas anfangen können. Alle, die mit soetwas nichts anfangen können, sollten sich den Film gleich von vorne herein sparen, denn sonst wird man bereits nach 10 Minuten seine Enttäuschung spüren. Denn Hairspray legt sich gleich von Anfang an ins Zeug, um seine schräge Show abzuliefern. Insgesamt ist der Film allerdings auf jeden Fall zu empfehlen, denn die Feel-Good-Atmosphäre schlägt sich sofort spürbar auf das Gemüt des Zusehers nieder.

Fazit:
Hairspray ist vor allem eine schrille und spaßige Musicalshow, die durch schräge Charaktere und gut durchgestylte Choreographien, unterlegt von stimmiger Musik, überzeugt. Empfehlenswert für alle, die mit Musicals etwas anfangen und auch etwas Kitsch vertragen können. Dazu sei aber gesagt, dass auch ich kein Freund von kitschigen Filmen bin, aber bei Hairspray stimmt die Mischung sehr gut und so drängt sich der Kitsch nicht wirklich auf. Da auch die Schauspieler eine Galavorstellung abliefern und Hairspray sehr viel Spaß macht, kann ich ihn getrost weiterempfehlen. Wahrscheinlich das Musical des Jahres.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 5.8/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 8
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
50%
6 /10
25%
5 /10
13%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
13%
Vielleicht interessiert dich auch
Mamma, Mia! (2008)
Romance & Cigarettes (2005)
True Lies - Wahre Lügen (1994)
Vielleicht, vielleicht auch nicht
Walk The Line
Matrix (1999)
Argo (2012)
Lord of the Dance 3D (2011)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!