Der Diktator (2012)

OT: The Dictator - 83 Minuten - Komödie
Der Diktator (2012)
Kinostart: 17.05.2012
DVD-Start: 20.09.2012 - Blu-ray-Start: 20.09.2012
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Filmkritik zu Der Diktator

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Im Jahr 2006 schaffte Sacha Baron Cohen mit seiner radikalen Satire Borat den globalen Durchbruch und etablierte sich als jener Komiker, der es am besten versteht die amerikanische Gesellschaft vorzuführen und ihre Doppelmoral aufzudecken. Nachdem mit Brüno ein weiterer Film im Boratstil und mit Larry Charles am Regiestuhl folgte, beschreitet das Duo nun neue Wege: Erstmals wird nicht im Dokustil gefilmt, sondern ein richtiger Spielfilm angestrebt, was aber leider nicht zu 100% funktioniert. Denn obwohl Der Diktator ein sehr unterhaltsamer Film geworden ist, fehlt es ihm in letzter Instanz an der notwendigen Unbequemheit um den Zuseher kalt zu erwischen - hinzu kommt eine eingestreute Hollywooddramaturgie, die weder besonders unterhaltsam noch wirklich sinnvoll erscheint.

General Aladeen (Sacha Baron Cohen) ist der Diktator des afrikanischen Staates Wadiya und genießt die Vorzüge eines allmächtigen Staatsoberhauptes, der sich nicht mit einer nervigen Nebensache wie freien Wahlen ärgern muss: Er bastelt fleißig daran Nuklearwaffen zu entwickeln, lässt alle Leute, die einen kleinen Fehler begehen hinrichten und lässt auch schon einmal Superstars wie Megan Fox für eine Liebesnacht einfliegen. Doch da ihm die anderen Länder (zu recht) nicht so recht abkaufen wollen, dass sein Atomprogramm nur friedlicher Natur ist, reist Aladeen in die USA um sie in einer Rede davon zu überzeugen. Dumm nur, dass sein Onkel Tamir (Ben Kingsley) einen Putsch gegen ihn plant und Aladeen entführen lässt...

Eigentlich ist es fast verwunderlich, dass sich Comedyrabauke Sacha Baron Cohen so lange Zeit gelassen hat um mit Volldampf auf das Trauma rund um den 11. September 2001 und die fatalen Probleme im Nahen Osten draufzuschlagen. Dass er keinerlei Tabu kennt und am besten funktioniert wenn er alle Grenzen des guten Geschmacks hinter sich lassen kann, hat er schon des Öfteren bewiesen und auch in Der Diktator sind die bitterbösen Momente die stärksten des Films. Im Gegensatz zu den Vorgängern hat der Film aber ein kleines Problem, das ihm etwas von seinem Potential raubt: Denn am witzigsten in den Vorgängern war es unter anderem die Reaktion der unbeteiligten (und uninformierten) Passanten zu beobachten, die sich mit den völlig ausgeflippten Cohen herumschlagen müssen.

Und tatsächlich versucht man auch in Der Diktator mit Elementen nach diesem Muster zu spielen: Immer wieder hat man den Eindruck, als wollten die Filmemacher die Reaktionen der Passanten testen, da aber der Film gänzlich als Spielfilm realisiert wurde und dementsprechend alle Personen informiert sind, sind die Gags nach diesem Muster leider nicht ansatzweise so komisch, als in den Vorgängern. Hand in Hand mit dieser Problematik gehen auch die konzeptionellen Schwächen des Drehbuchs: Denn immer dann wenn der Film nicht auf gelungene Einzelmomente baut, sondern versucht eine Geschichte zu erzählen, dann bröckelt die Struktur. Die höchst banale Rahmenhandlung könnte man noch verschmerzen, aber gerade die eingestreute Lovestory erweist sich als teilweise schon ärgerlich.

Doch zum Glück gelingt es dem Film immer wieder sich aus der Misere zu ziehen. Denn einzelne Einfälle sorgen für unglaublichen Spaß und Schenkelklopfergarantie. Wenn Cohen etwa ein Wii-Spiel für Terroristen angeht, oder in einem Hubschrauber mit amerikanischen Touristen arabisch gewürzt mit einigen Reizwörtern (911 2012, Empire State Building, usw.) spricht, dann bleibt garantiert kein Auge trocken. Und glücklicherweise muss man sich meistens auch nicht allzu lange gedulden bevor der nächste Lacher wieder für gute Laune sorgt. Es ist zwar schade, dass man an manchen Stellen das Gefühl hat, dass sich der Film etwas zurücknimmt und immer wieder zum klassischen Mainstreamhollywood schielt, was ihm leider etwas an Biss raubt, aber wer lediglich auf der Suche nach einer unterhaltsamen Komödie ist, der sollte Der Diktator nicht verpassen. Denn der politisch unkorrekte, gegen alles und jeden gerichtete Brachialhumor sorgt immer noch für prächtige Unterhaltung.

Fazit:
Der Diktator ist ein höchst unterhaltsamer Film in dem Sacha Baron Cohen einmal mehr vorzeigt, dass er keine Skrupel und keine Tabus kennt und mit seinem Brachialhumor immer noch für prächtige Unterhaltung sorgen kann. Allerdings erweist sich der Umstand, dass der Film als reiner Spielfilm realisiert wurde, und deshalb keine schockierten Passanten mehr zu sehen sind, als kleiner Dämpfer. Auch ist es schade, dass sich die Story viel zu sehr am Hollywoodeinheitsbrei orientiert und dem Rabauken Cohen eine belanglose Lovestory aufbürdet. All dies führt dazu, dass es dem Film an manchen Stellen am notwendigen Biss fehlt. Da diese Hürden aber auch immer wieder durch grandiose Einzelmomente überwunden werden und der Unterhaltungswert im Allgemeinen recht hoch ist, machen Fans von schonungslosen Komödien dennoch nichts falsch wenn sie einen Blick riskieren.

Wertung:
7/10 Punkte
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Ø Wertung: 5.8/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 26
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013