Spieglein, Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (2012)

OT: Mirror Mirror - 106 Minuten - Abenteuer / Komödie / Drama / Fantasy
Spieglein, Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (2012)
Kinostart: 05.04.2012
DVD-Start: 04.10.2012 - Blu-ray-Start: 04.10.2012
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Filmkritik zu Spieglein, Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

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Die Liste der Verfilmungen der Geschichte von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ als eines, der beliebtesten Grimm-Märchen ist lang und wird nun 2012 durch zwei weitere Versionen komplettiert. Zum einen wäre da Snow White and the Huntsman unter der Regie von Rupert Sanders mit Charlize Theron als Königin, Kristen Stewart als Schneewittchen und Hollywood-Aufsteiger Chris Hemsworth als Jäger, der sich derzeit noch in Produktion befindet und im Sommer mit einer sehr düsteren und actiongeladenen Verarbeitung in die Kinos locken soll. Zum anderen ist da Spieglein, Spieglein, der im Gegensatz zu seinem Konkurrenzfilm mit einer familientauglicheren Story aufwartet und dem Märchengenre auf humoristische Weise treu bleibt. Wie der Untertitel schon verrät, wird hier angeblich Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen erzählt. In den Hauptrollen zu sehen sind Julia Roberts als böse Königin und Stiefmutter Schneewittchens, die von Phil Collins Tochter Lily Collins, die zuvor bereits in Blind Side – Die große Chance (2009) und Atemlos (2011) zu sehen war, dargestellt wird. Als Prinz und Filmschönling überzeugt Armie Hammer, der in The Social Network (2010) in der Doppelrolle der Winklevoss-Brüder auftrat sowie in Clint Eastwoods J. Edgar (2012) an der Seite von Leonardo DiCaprio spielte.  

Während sich Regisseur Tarsem Singh größtenteils am Originalstoff orientiert, drückt der Fantasy-Filmemacher, der schon mit The Cell (2000) und erst kürzlich mit Krieg der Götter (2011) in realitätsferne Welten eintauchen ließ, der Geschichte nach dem Drehbuch von Melissa Wallack und Jason Keller durch kleine Details innerhalb der Handlung und Abänderungen der Charaktere seinen persönlichen Stempel auf.

Erzählt wird die Geschichte von der bösen Königin (Julia Roberts) höchstpersönlich. Als ihr der getreue Zauberspiegel eines Tages prophezeit, dass sehr bald schon nicht mehr sie, sondern ihre Stieftochter Schneewittchen (Lily Collins) die Schönste im ganzen Land sein werde, beschließt sie, das Mädchen aus dem Königreich zu verbannen und von ihrem Diener Brighton (Nathan Lane) im Wald töten zu lassen. Dieser ist von Schneewittchens junger Schönheit aber auch hingerissen, sodass er sie am Leben und im Wald alleine zurück lässt. Auf der Suche nach Schutz trifft Schneewittchen auf die sieben Zwerge, die sie schließlich in ihre Bande aufnehmen, verdienen sie ihre Brötchen doch damit, durchreisende Adelige auszurauben. Bei einem Überfall trifft Schneewittchen auf den schönen Prinzen (Armie Hammer), auf dessen Liebe und besonders dessen Reichtum es die böse Königin abgesehen hat, und es knistert zwischen den beiden. Als die Königin ihn jedoch mit einem Liebeszauber belegt und die Hochzeit bevorsteht, muss Schneewittchen mithilfe ihrer Zwerge alles daran setzen, den Mann ihres Herzens von der bösen Königin und deren Zauber zu befreien sowie auch das Volk, das unter der Herrschaft ihrer Stiefmutter stark zu leiden hat.

Singh schafft es, dem allbekannten Märchen der Brüder Grimm doch noch eine gewisse Spannung zu verleihen und durch Humor und kleine „Modernisierungen“ der Charaktere sowie dem Spiel mit der Rollenverteilung einen zeitgemäßen Bezug herzustellen. So lässt er die Zwerge zunächst nicht als Gutmenschen auftreten, sondern vielmehr als Bösewichte, die auf Stelzen als Riesen getarnt im Wald skrupellos Durchreisende ausrauben. Auch Schneewittchen wird nicht, wie herkömmlich bekannt, als Hausmädchen der Zwerge dargestellt, sondern wird kurzerhand zum Mitglied der Räuberbande ausgebildet, wodurch sich die Rollen des heldenhaften Prinzen und der schutzbedürftigen Prinzessin auflösen und ganz im Sinne einer modernen Emanzipation neu definiert werden. Generell finden sich im Film viele aktuelle Themen angesprochen, unter anderem der nach wie vor herrschende Kampf in Hollywood um Jugend und Schönheit, was im Film auf satirische Weise zum Ausdruck gebracht wird.  

Besonders die Charakterdarstellerin Julia Roberts geht in der bunten Märchenwelt des Films und der Rolle der bösen Königin auf, in der sie sich nach romantischen Komödien à la Die Hochzeit meines besten Freundes (1997) und Die Braut, die sich nicht traut (1999) sowie der Darstellung von Powerfrauen wie mit ihrer Oscar-Rolle in Erin Brockovich (2000) oder Eat, Pray, Love (2010) nun einmal mehr von einer anderen Seite präsentieren kann. Mit ihrer witzigen Art und einer gekonnt dargebotenen Bissigkeit verkörpert sie die böse Königin wie keine zweite mit einer Mischung aus Missgunst, Jugendwahn und Selbstironie. Das Zusammenspiel mit dem von Nathan Lane gespielten Diener Brighton lässt ebenso kaum eine komische Situation aus. Aber auch die Zwerge sorgen mit ihrer rauen, aber liebenswerten Art für viele lustige Momente und werden im Verlauf des Films zu Schneewittchens kleiner, treuer Armee.  

Fazit:
Mit Spieglein, Spieglein bleibt Regisseur Tarsem Singh dem Fantasygenre treu und bringt seine satirisch kitschige Version des Schneewittchen und die sieben Zwerge-Märchens auf die Leinwand. Mit einer Starbesetzung, die von Julia Roberts als überzeugend böse Königin, über die bezaubernde Newcomerin Lily Collins sowie den Hollywood-Schönling Armie Hammer reicht, bietet die Komödie mit einer humorvollen, märchenhaft schönen Stoffbearbeitung Spaß für Jung und Alt und bringt neben dem altbewährten Handlungsstrang der Geschichte viele erfrischende Modernisierungen mit sich, die nicht selten einen Bezug zu aktuellen Themen herstellen. Als unterhaltsames, abwechslungsreiches Fantasyabenteuer besticht Spieglein, Spieglein mit seinem konstanten, ironischen Witz und verspricht Entertainmentkino für die ganze Familie.

Wertung:
8/10 Punkte
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Ø Wertung: 6.1/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 14
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Erstellt: 09.09.2012