Der Hobbit - Eine unerwartete Reise (2012)

OT: The Hobbit: An Unexpected Journey - 166 Minuten - Abenteuer / Fantasy
Der Hobbit - Eine unerwartete Reise (2012)
Kinostart: 14.12.2012
DVD-Start: 19.04.2013 - Blu-ray-Start: 19.04.2013
Will ich sehen
Liste
14978
Bewerten:

Filmkritik zu Der Hobbit - Eine unerwartete Reise

Von am
Vor über 10 Jahren verfilmte Peter Jackson das als unverfilmbar geltende Fantasyepos Der Herr der Ringe. Das Ergebnis sollte bekannt sein: Die Trilogie wurde zu einer der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten und legte die Latte für alle folgenden Fantasyprojekte unüberwindbar hoch. Lediglich einem konnte man zutrauen noch einmal an diese Qualität anzuschließen: Jackson selbst, als schlussendlich bekannt wurde, dass er nach vielem hin und her doch noch die Regie beim Prequel Der Hobbit übernehmen würde. Aber die Erwartungen sollten lieber wieder deutlich runtergeschraubt werden: Peter Jackson stolpert nämlich gewaltig über die eigenen Ambitionen. Zum einen über die Idee das Buch, das weniger hergibt als ein einziger Herr der Ringe Band, auf drei Filme aufzublasen (was zu einem sehr gemächlichen Erzähltempo führt). Und zum anderen strauchelt er am Versuch scheinbar jede moderne Technik in den Film integrieren zu wollen, die verfügbar war - so wird Der Hobbit zum hybriden Monster zwischen digitalen Kameras, 3D-Technik und der erstmals eingesetzte HFR-Technik (der Film besteht aus 48 Bilder pro Sekunde, statt der üblichen 24 Bildern pro Sekunde) was dazu führt, dass die visuelle Ebene des Films zum Desaster verkommt und mehr an eine Soap-Opera in Mittelerde, als an einen epischen Kinofilm erinnert.

Bilbo Beutlin (Martin Freeman) ist ein gemütlicher Hobbit aus dem Auenland, der sein Leben genießt und gerne eine ruhige Kugel schiebt. Doch dann taucht plötzlich der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) in seinem Garten auf und verwickelt ihn in ein Abenteuer. Unter der Führung des stolzen Zwergenkriegers Thorin Eichenschild (Richard Armitage) soll Bilbo und eine Gruppe von Zwergen aufbrechen um den Drachen Smaug zu töten, der einst die Heimat der Zwerge vernichtet hat und nun besetzt hält. Doch hinter den Grenzen des Auenlandes warten zahlreiche Gefahren auf die tapfere Truppe, noch lange bevor sie es mit ihrem eigentlichen Gegner zu tun bekommen...

Bevor man sich um die weitere Details des Films kümmert, muss man zunächst seinen offensichtlichsten Fehler beim Namen nennen: Die neue HFR-Technik funktioniert ganz einfach nicht. Es ist generell zu bezweifeln, dass sie funktioniert aber ganz besonders im Kontext eines Fantasyfilms versagt sie kläglich. Das neue Buzzword der Stunde HFR gesellt sich damit gleich zur 3D-Technik in Sachen unnötiger technischer Gimmicks und sollte besser jetzt als später wieder aus den Kinos verschwinden. In Kombination mit der digitalen Fotografie und der 3D-Technik wird jeder Unschärfefilter und jede Weichheit von den Bildern gewischt. Was übrig bleibt sind harte, detailierte Aufnahmen, die dazu führen, dass der Film seine Gemachtheit und seine Künstlichkeit förmlich ins Schaufenster stellt. Das führt wiederum dazu, dass man als Zuseher die Sets und Masken fast schon wie in einem Schultheater erkennen kann, weswegen man immer wieder aus der Illusion gerissen wird.

Und dazu kommt noch das eigentümliche Bewegungsverhalten innerhalb des Films. Immer wenn sich die Kamera, oder eine Figur bewegt, dann sieht das ungefähr so aus, als würde man eine DVD mit 1.5 facher Geschwindigkeit abspielen. Dank Digitaloptik und HFR-Technik bekommt Der Hobbit den Look eines Homevideos. Viele Texte aus den USA habe sich bereits mit diesem Effekt auseinandergesetzt und manche meinten, dass man sich als Zuseher erst an diesen Look gewöhnen müsste. Fakt ist aber: Diese Technik raubt dem Bild jede Magie, jede Unschärfe und jede Möglichkeit sich in eine fremde Welt fallen zu lassen. Das kann im Kontext eines hyperrealistischen Films Sinn machen, aber zielt man auf die eskapistische Wirkung des Kinos ab, ist es ein Desaster. Die Aufnahmen in Der Herr der Ringe, die mittlerweile über zehn Jahre alt sind, sind jedenfalls schöner anzusehen, als dieser seelenlose Technikbrei, den Der Hobbit als neuen Kinoentwurf an die Wand projiziert.

Doch wie sieht es mit den restlichen Aspekten des Films aus? Man merkt leider deutlich, dass die Geschichte gestreckt wurde. An vielen Stellen schwankt das Erzähltempo zwischen schleppend und einschläfernd (das kann aber auch dadurch begründet sein, dass man sich nur schwer in den Bildern des Films verlieren kann, weil diese eben ziemlich ernüchternd sind). Auch bei der Exposition hat sich Peter Jackson sehr viel Zeit gelassen und breitet die Fäden genüsslich langsam aus. Sobald die Gruppe einmal losgezogen ist, zieht der Unterhaltungswert zwar an und es gelingt dem Film durchaus einen gewissen Abenteuerflair zu versprühen, allerdings müsste man dennoch lügen, wenn man behaupten würde, dass dies auch nur ansatzweise an den strukturell verwandten “Die Gefährten” heranreichen würde.

Dieser Umstand liegt auch am unentschlossenen Tonfall des Films. Der Herr der Ringe ist klar für Erwachsene konzipiert, während Der Hobbit eigentlich ein Kinderbuch ist. Aber Peter Jackson hat sich scheinbar nicht entscheiden können wie er den Film anlegen soll. So finden sich unzählige Slapstickszenen im Film wieder, die an den unmöglichsten Stellen das Gezeigte aufheitern, aber andererseits gibt es wieder Momente, die für Kinder zu hart sind. Jackson hat sich also weder getraut seinen Herr der Ringe Stil durchzuziehen, noch hat er sich getraut einen wirklichen Kinderfilm zu drehen. Dieses unentschlossene Verhalten führt natürlich auch zu einem unentschlossenen Film. So zieht die Spannungsschraube nie wirklich an, da immer wieder mit der Ernsthaftigkeit gebrochen wird und der Film erreicht nie den packenden Eposcharakter, der Der Herr der Ringe so auszeichnete.

Aber Der Hobbit hat auch einen großen Pluspunkt: Martin Freeman zeigt eine fantastische Leistung in seiner Bilbo Beutlin Interpretation und verleiht dem Film genau jenes Herz und jene Leichtfüßigkeit, die der Optik und der Erzählung ansonsten fehlt. Freeman gelingt es sowohl die humoristischen, als auch die dramatischen Momente punktgenau zu treffen und so wird er zum warmen Leuchtfeuer in diesem Film. Auch die anderen Darsteller agieren großteils wirklich gut und heben sich wohltuend von der artifiziellen Umwelt ab. Lediglich an manchen Stellen müssen sich die Schauspieler mit etwas sehr pathetischen Drehbuchpassagen herumärgern, oder gegen den deplatzierten Humor anspielen, aber sie machen ihre Sache in Summe wirklich gut.

Ist man ein Freund des Herr der Ringe Universums und kann man über die (oben ausführlich beschriebenen) Probleme hinwegsehen, so bekommt man mit Der Hobbit dennoch ein solides Abenteuer zu sehen, das an einigen Stellen den alten Glanz aufblitzen lässt, der Der Herr der Ringe so auszeichnete. Aber es sollte jedem klar sein, dass man sich selbst einen Gefallen tun sollte und es Sinn macht die Erwartungshaltung deutlich nach unten zu korrigieren. Denn Der Hobbit ist ein lediglich solider Film mit Mittelerdebonus, der auf visueller Ebene (zumindest in der so bepriesenen HFR-Fassung, die der Presse gezeigt wurde) zum völligen Desaster verkommt.

Fazit:
Der Hobbit ist die eindringliche Demonstration, dass man die gerade aufkommende HFR-Technik am besten gleich wieder einstampfen sollte. Dank digitaler HFR-Optik verkommt Mittelerde zur visuellen Seifenoper und an einigen Stellen hat man tatsächlich das Gefühl, dass man hier die Kulissen einer Schulaufführung sieht, so wie hier die Künstlichkeit ins Schaufenster gestellt wird. Da es Peter Jackson auch nicht gelingt auf erzählerischer Ebene das Ruder herumzureissen, sollte man die Erwartungshaltung deutlich absenken. Dank Slapstickoverkill und Homevideooptik kommt kaum Stimmung auf und durch die Ausdehnung der Geschichte auf drei Filme, ist das Erzähltempo auch etwas schleppend. Aus der Sicht eines wohlwollenden Herr der Ringe Fans, kann man sich Der Hobbit durchaus als nettes Abenteuer für Zwischendurch ansehen, das es erlaubt etwas mehr Zeit in Mittelerde zu verbringen - aber die Probleme des Films kann man eigentlich kaum übersehen. Und man sollte sich bloß kein packendes Epos alá Der Herr der Ringe erwarten.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 70
10 /10
14%
9 /10
19%
8 /10
27%
7 /10
20%
6 /10
9%
5 /10
4%
4 /10
3%
3 /10
3%
2 /10
1%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Der Hobbit - Smaugs Einöde (2013)
Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere (2014)
Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (2003)
Der Herr der Ringe: Die Gefährten (2001)
Der Herr der Ringe: Die Zwei Türme (2002)
Superman: Man of Steel (2013)
Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten (Fluch der Karibik 4) (2011)
Der 13. Krieger (1999)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von KinoKatz
Erstellt: 18.09.2016
Will ich sehen
Liste von Tessi
Erstellt: 10.02.2016
Lieblingsfilme
Liste von Al
Erstellt: 21.06.2014
Alle Listen anzeigen