![]() ![]() The Dark Knight Rises OT: The Dark Knight Rises Regie: Christopher Nolan Darsteller: Tom Hardy, Joseph Gordon-Levitt, Liam Neeson, Morgan Freeman, Christian Bale, Gary Oldman, Anne Hathaway, Marion Cotillard, Daniel Sunjata, Juno Temple, Michael Caine, Matthew Modine Filmstart: 27.07.2012 | Laufzeit: | Action-Krimi-Drama-Thriller |
Und nun folgt der Abschluss von Nolans Batman-Trilogie: Der Mann, der bis jetzt noch keinen schlechten Film gemacht hat und mit den ersten beiden Batman Filmen lupenrein vorgemacht hat wie großartig eine Comicverfilmung sein kann, macht sich daran sein Werk abzuschließen. Und wenn man sich ansieht wie sich Nolan von Batman Begins zu The Dark Knight gesteigert hat und wie er dem modernen Blockbusterkino anschließend mit Inception die Krone aufgesetzt hat, kann man eigentlich gar nicht anders, als in grenzenlose Vorfreude auszubrechen. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass klar und deutlich verkündet wurde, dass für Nolan und Hauptdarsteller Christian Bale die Reise nach diesem Teil zu Ende sein wird, kann man mit Spannung und Vorfreude in Richtung The Dark Knight Rises blicken: Denn schließlich ist mit dem Abschluss der Trilogie beinahe jeder Storykniff denkbar.
Zur Story: Mittlerweile ist es acht Jahre her, dass Batman/Bruce Wayne (Christian Bale) gemeinsam mit Jim Gordon (Gary Oldman) beschlossen hat die Straftaten des ehemaligen Vorzeige-Staatsanwalts Harvey Dent (Aaron Eckhart) Batman in die Schuhe zu schieben um Gotham einen strahlenden Ritter zu servieren, der als Leuchtfeuer für das Gute eingesetzt werden kann. Und der Plan hat funktioniert: Der Stadt ging es nie besser, das Verbrechem ist eingedämmt und Batman ist seit jenem Tag vor acht Jahren untergetaucht. Mittlerweile ist Bruce Wayne nur mehr ein Schatten seiner selbst. Umsorgt von seinem treuen Butler Alfred (Michael Caine), hat er sich völlig isoliert und leidet an Problemen mit seinem Bein. Doch obwohl es derzeit nicht so aussieht, wird die Stadt bald wieder ihren dunklen Ritter benötigen: Denn der brutale Söldner Bane (Tom Hardy) ist auf dem Weg nach Gotham City und Batman muss all seine Kräfte aufbringen um sich ihm und seiner Armee entgegen zu stellen. Und dann ist da auch noch die geschickte Diebin Selina Kyle (Anne Hathaway), bei der man nie so ganz sicher sein kann auf wessen Seite sie eigentlich steht...
Und doch macht er in The Dark Knight Rises so viele Fehler wie noch nie in seiner Karriere. Zunächst ist davon aber nur wenig zu sehen: Der Auftakt erreicht zwar vielleicht nicht die Klasse seines The Dark Knight Prologs, aber die Einführung von Bane hat es dennoch in sich. Die temporeich inszenierte Flugzeugübernahme verspricht genau jenen perfekten Film, den man sich erhoffen konnte: Bösewicht Bane agiert mit unglaublichen Druck und physischer Präsenz und Bildermagier Nolan wirkt am Zenit seines Könnens. Nachdem er in Batman Begins noch so manches Problem mit den Actionszenen hatte, wirkt nun alles wie aus einem Guss und man hat das Gefühl, dass er perfekt jeden Millimeter seines Bildkaders in Bewegung versetzen kann.
Der Film ist leider auch viel zu überladen. Da wäre die alte Garde an Figuren, die man nur sporadisch zu Gesicht bekommt: Morgen Freeman und Michael Caine, zum Beispiel. Und die neuen, aufstrebenden Figuren, die sich aber letztendlich auch nur schwer in das Gefüge des Films einfügen. Marion Cotillard etwa bleibt stets ein Fremdkörper, genau wie Anne Hathaway, deren Herangehensweise an Catwoman zwar erfrischend ist, die aber am fundamentalen Problem zerbricht, dass eine Catwoman in Nolans Batman-Interpretation eigentlich nicht reinpasst. Überraschenderweise gelingt es aber auch dem eigentlich immer sehr guten Tom Hardy nicht wirklich Akzente zu setzen, sodass sein Bane nicht nur zum erschreckend mittelmäßigen Bösewicht degradiert wird, sondern auch deutlich im Schatten der grandiosen Darbietung von Heath Ledger als Joker in The Dark Knight steht - und dabei (zumindestens im englischen Original) auch noch an einer furchtbar akzentuierten Stimme leidet.
Ein weiteres fundamentales Problem ist, dass Nolans Batman-Universum mittlerweile grobe Probleme in seiner strukturellen Ernsthaftigkeit hat. Der eigentlich realistische, oftmals gesellschaftskritische Ansatz, dessen Probleme tief mit unserer Wirklichkeit verwoben ist, beißt sich etwas mit dem Versuch einen gewaltigen Actionblockbuster zu inszenieren. In Batman Begins und The Dark Knight hat Nolan das noch meisterhaft gelöst, aber in The Dark Knight Rises nimmt die Jagd nach dem nächsten Gadget und der nächsten kolossalen Actionszene langsam überhand (spätestens wenn so manche Luftactionszene verdächtig an Transformers erinnert). Einmal ganz von der befremdlichen Ausgangslage abgesehen, dass sich Batman selbst in Bürgerkriegs-ähnlichen Zuständen weigert eine Waffe abzufeueren und stattdessen mit den Gangstern in den Nahkampf geht. Dieser Ansatz funktioniert leider in einem solchen anarchischen Film nicht mehr, der sich so sehr bemüht sich selbst in der Realität zu verwurzeln.
Doch natürlich ist nicht alles so tragisch, da The Dark Knight Rises auch viele gute Seiten hat. Insgesamt betrachtet bringt der Film die Trilogie zu einem guten Ende und würdigen Abschluss und besonders die Themen die Nolan hier innerhalb eines Sommerblockbusters verarbeitet sind natürlich eindrucksvoll. Immer wieder fühlt man sich an den aktuellen Zustand der Welt erinnert und es ist bemerkenswert wie Nolan die brandaktuellen Themen wie die Angst vor dem Terorrismus oder dem Kollaps des Wirtschaftssystems einflechtet und dabei seinem Film jene Prise Ernsthaftigkeit verpasst, die den meisten anderen Comic-Verfilmungen fehlt. Auch seine Visualisierung der spürbaren ungerechten Verteilung der Geldwerte und die Rückbesinnung der Macht zum Volk (inklusive der Tücken dieses Vorgangs) sind imponierend.
Die Tragik und das Drama rund um Bruce Wayne wird also auch in The Dark Knight Rises grandios erzählt - nur gibt es eben das Problem des nicht gerade wohlbalancierten Drehbuchs, sodass unzählige Figuren in vielen verschachtelten Handlungssträngen um die Aufmerksamkeit des Zusehers buhlen und man sich dabei schon einmal fragen kann warum man in einem Batman Film eigentlich so unglaublich wenig von Batman zu sehen bekommt. Nicht nur dass es ausgespochen lange dauert bis man den dunklen Ritter das erste Mal auf der Leinwand sieht, Nolan setzt Batman überhaupt ausgesprochen spärlich ein - was der Tatsache geschuldet ist, dass es im 164 Minuten langen Film so manche storytechnische Sackgasse gibt, die man eigentlich nicht unbedingt ergründen müsste.
Ebenfalls störend ist die merkwürdig blasse und charakterlose Inszenierung von Gotham City. Viele waren ja schon wenig begeistert als in The Dark Knight ein deutlich real-urbaneres Gotham zu sehen war, das dementsprechend einen etwas anderen Charakter ausstrahlte, als noch in Batman Begins. Aber trotz so machen Aufschreis hat der Schachzug perfekt funktioniert und den Realitätsbezug der Reihe auf positive Weise verstärkt. Für The Dark Knight Rises hat Nolan nun wieder die Drehorte angepasst - nur hat dies diesmal zu einem seltsam generischen Look geführt. Gotham sieht nun aus wie unzählige andere Filmstädte und ist von einer merkwürdigen, charakterlosen Blässe durchzogen - dies trifft auch für die neue Wayne Manor zu, die leider absolut keine Ausstrahlung hat.
Fazit:
Erwartungshaltungen dämpfen! Christopher Nolan gelingt es erstmals nicht dem Hype standzuhalten. In Anbetracht seiner perfekt konstruierten und vollstreckten letzten Filme The Dark Knight und Inception ist The Dark Knight Rises ein deutlicher Schritt zurück. Das Drehbuch wirkt an vielen Stellen verworren, schwammig und unfokusiert, sodass es viel zu viele Figuren gibt, die dafür sorgen, dass keiner so richtig Raum bekommt und sich die gesamte Geschichte aufgeblasen anfühlt. Hinzu kommt ein verzerrt-undurchsichtiges Verständnis von Zeit und Raum, was dazu führt, dass Figuren und Objekte schon einmal auftauchen wo man sie eigentlich nicht erwarten würde und manche Handlungen und Prozesse unerwartet rasch über die Bühne gehen. Dies hat zur Folge, dass manche Szenenabfolge schon einmal für unfreiwillige Komik sorgt. Manche Figuren fügen sich nie wirklich in den Film ein, andere bekommen zu wenig Zeit und Tom Hardy verblasst im Schatten seines Vorgängers (und leidet noch dazu an einer merkwürdig verfremdeten Stimme im englischen Original). Ebenfalls hinderlich ist die Tatsache, dass es Nolan nicht ähnlich geschickt wie in den Vorgängern gelingt realistische Bezüge und den Comic-Charakter zu verschmelzen. So hat man schon manchmal den Eindruck, dass The Dark Knight Rises ein normaler Crime-Thriller ist bei dem an manchen Stellen ein deplatzierter Typ in Kostüm auftaucht, der sich auch noch weigert eine Waffe in einem Bürgerkrieg abzufeuern. All dies hat in den Vorgängern besser funktioniert. Bitte keine Morddrohungen: The Dark Knight Rises ist ein guter Film, der die Reihe zu einem runden Abschluss bringt. Aber er zerbricht nur leider grandios an den Erwartungen, die der perfekte Vorgänger geschürt hat. Man kann es auch so sagen: The Dark Knight Rises ist ein Film mit vielen kleinen Dellen - doch wenn man sich ein Meisterwerk erhofft, ist jede dieser Dellen ein Schlag ins Gesicht. Und zur Wertung: Die 8/10 Punkte sind das obere Maximum, das (mit gutem Willen) für diesen Film vertretbar ist und in Anbetracht einer insgesamt sehr beeindruckenden Reihe gegeben werden kann.
Wertung:
8/10 Punkte

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