Moonrise Kingdom (2012)

OT: Moonrise Kingdom - 94 Minuten - Drama
Moonrise Kingdom (2012)
Kinostart: 25.05.2012
DVD-Start: 27.09.2012 - Blu-ray-Start: 27.09.2012
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Filmkritik zu Moonrise Kingdom

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Wes Anderson ist ein Zauberer. Ein kleiner, verschrobener Herrscher über skurrile Königreiche in denen nicht der Verstand, sondern das Herz regiert. Kurz: Er ist ein feinfühilger Meister der kinematografischen Welten und versteht sie wie kaum ein anderer mit Details und Leben zu füllen. Mit seinem neuesten Film Moonrise Kingdom, dem die Ehre zu Teil wurde die Filmfestspiele in Cannes zu eröffnen, beweist er dies aufs Neue und festigt seinen Status als großer Regisseur, der immer wieder in der Lage ist zu verblüffen. Dem geneigten Zuseher muss dabei aber eines bewusst sein: Wie die meisten großen Künstler polarisiert auch Wes Anderson, und wer mit seinem Stil nicht warm wird, der wird auch keinen Zugang zu Moonrise Kingdom finden - alle anderen dürfen sich auf die wohl zauberhafteste Außenseiter-Ballade des Kinojahres freuen.

Wir schreiben das Jahr 1965: Irgendwo vor der Küste Neuenglands versucht Scout Master Ward (Edward Norton) ein ordentliches Pfadfinderlager zu führen. Doch eines morgens ist eines seiner Kinder, der 12-jährige Sam Shakushky (Jared Gilman), plötzlich verschwunden. Vor einigen Jahren sind Sams Eltern gestorben und auch seine aktuelle Pflegefamilie möchte den Jungen lieber wieder loswerden. Da er auch bei den anderen Pfadfindern nicht gerade beliebt war, weiß auch niemand wohin Sam verschwunden sein könnte. Sam hingegen hat ein genaues Ziel vor Augen: Er will zu seiner großen Liebe Suzy (Kara Hayward) und die beiden wollen gemeinsam von zuhause weglaufen. Das droht auch Konflikte innerhalb Suzys Familie aufzudecken. Denn zwischen ihrem Vater (Bill Murray) und ihrer Mutter (Frances McDormand) läuft es alles andere als gut. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass Suzys Mutter eine Affäre mit dem örtlichen Sheriff Captain Sharp (Bruce Willis) angefangen hat. Doch nun müssen alle Parteien ihre Kräfte bündeln um gemeinsam die entflohenen Kinder zu finden...

Bereits von Anfang an ist unverkennbar, dass Moonrise Kingdom ein ganz besonderer Film ist, bei dem unübersehbar Wes Anderson am Regiestuhl sitzt. Wenn sich eine in strikten Graden rotierende Kamera mit einem geraden Ganggefüge eines normalen Wohnhauses paaren und bereits innerhalb dieser Rotation die zutiefst schräge Familie Bishop etabliert wird, dann ist klar, dass hier etwas anders läuft, als in den meisten anderen Filmen. Und allerspätestens wenn Edward Norton dann sein Pfadfinderlager inspiziert, Wes Anderson ihn wie einen Militärkommandanten inszeniert und gleichzeitig immer wieder verblüffende Reaktionen auf unglaublich schräge Situationen aus ihm herauslockt, dann sind alle Zweifel beseitigt: Wer einen Ausflug ins Moonrise Kingdom wagt, der muss seine eigene Welt hinter sich lassen und sich auf völlig neue Regeln einlassen.

Was den Film, und besonders Andersons Inszenierung, ganz besonders auszeichnet, ist wie es ihm immer wieder gelingt ein Klischee anzudeuten und gleichzeitig zu erweitern, zu unterwandern, oder damit zu spielen. Das führt zu herrlich absurden Situationen in denen man sich als Zuseher immer nostalgisch an diverse Momente der Filmgeschichte erinnert fühlt, aber gleichzeitig mit völlig neuartigen Variationen überrascht wird. Und das ist in den meisten Fällen nicht einfach nur kreativ, sondern oftmals auch schlicht zum Brüllen komisch und man kommt kaum herum eine enorme Symapthie für die liebevoll konstruierte Welt zu empfinden, die Wes Anderson hier entworfen hat und mit uns allen teilt.

Und das ist ja auch das Schöne an der Sache: Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, stört die Konstruiertheit der Welt hier überhaupt nicht. Natürlich hat hier vieles System, um eben den Charakteristiken eines Wes Anderson Films zu entsprechen: Die Figuren sind schrullig, die Sets sind bis ins Detail geplant und versprühen die selbe liebevolle Aura wie etwa im grandiosen Animationsfilm Andersons Der fantastische Mr. Fox und natürlich müssen hier alle Bindungen einen leicht gestörten Subton mittragen, aber es gibt eben einen feinen Unterschied: In den meisten anderen Filmen spürt man in solchen Situationen entweder Ideenlosigkeit, oder den Druck des Geldes, im Fall von Moonrise Kingdom aber fühlt man sich eher daran erinnert, dass ein leicht schrulliger Freund eine Aufführung mit seinen selbstgebastelten Puppen und Utensilien plant. Natürlich werden da schon einmal Ideen und Gegenstände aus der letzten Aufführung übernommen, aber es ist doch trotzdem schön zu sehen was dieser Freund diesesmal wieder kreatives aus der Trickkiste holt.

Hinzu kommt, dass Wes Anderson sein Universum um eine wunderbare neue Komponente erweitert hat: Denn die wunderbare und höchst emotionale Liebesgeschichte zwischen zwei Kindern kennen wir so noch nicht von ihm. Er spielt immer wieder mit den Erwartungen, hangelt sich an schrulligen Ereignissen entlang, die man so wohl kaum erwarten würde und bringt seinen eigenen Stil ein, aber gleichzeitig vernachlässigt er eben auch nie die emotionale Integrität seiner beiden Hauptfiguren und ihrer Bindung. Mit den beiden Jungdarstellern Jared Gilman und Kara Hayward ist ihm außerdem ein wahrer Glücksgriff in der Besetzung gelungen, besitzen beide (in völlig unterschiedlichen Rollen) doch enormes Charisma und zeigen eine eindrucksvolle Leinwandpräsenz vor, die in Anbetracht der anderen illustren Namen, die den Cast zieren, alles andere als selbstverständlich gewesen ist.

Doch auch die Nebendarsteller (wenn man sie denn überhaupt so bezeichnen möchte - denn im Mikrokosmos des Films wirken alle irgendwie gleichwertig) überzeugen durch die Bank. Bruce Willis darf etwa als couragierter, aber auch behäbiger Sheriff gegen sein Rollenklischee anspielen und meistert diese Aufgabe mit Bravour. Edward Norton liefert eine Galavorstellung als engagierter Pfadfinderführer und Bill Murray ist wie immer eine Bank mit seinem lakonischem Humor. In Summe gesehen ist Wes Anderson mit Moonrise Kingdom ein ganz großer Wurf gelungen. Es gibt eigentlich nur einen Grund sich den Film nicht anzusehen: Wer bisher mit den Werken des Regisseurs noch nicht viel anfangen konnte, wird seine Meinung auch mit Moonrise Kingdom nicht ändern. Alle anderen sollten sich die Chance, einen der schönsten Filme des Jahres zu sehen, aber nicht entgehen lassen.

Fazit:
Moonrise Kingdom ist ein grandioser Film. Wes Anderson profiliert sich einmal mehr als großer Bildermagier und Herrscher über seine eigenen schrulligen Welten und lädt uns ein sein kunstvolles und eigenwilliges Puppenhaus, genannt Moonrise Kingdom, zu erkunden. Die Figuren sind großartig gezeichnet, haben ihre Macken und Eigenheiten und wickeln den Zuseher mit ihrem Charme um den Finger. Hinzu kommt eine skurril erzählte Lovestory zwischen zwei Kindern, die dem Film auch auf emotionaler Ebene die nötige Kraft gibt um restlos zu überzeugen. Insgesamt gesehen fügen sich hier einfach alle Einzelteile perfekt zusammen und man kann nur begeistert applaudieren über das, was Wes Anderson hier geleistet hat. Denn wie es ihm immer wieder gelingt Klischees anzudeuten und dann die Erwartungshaltung zu unterwandern ist einfach großartig. Ganz großes Kino und bereits jetzt die schönste Außenseiter-Ballade des Kinojahres.

Wertung:
9/10 Punkte
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 44
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