Snow White and the Huntsman (2012)

OT: Snow White and the Huntsman - 127 Minuten - Action / Abenteuer / Drama / Fantasy
Snow White and the Huntsman (2012)
Kinostart: 01.06.2012
DVD-Start: 04.10.2012 - Blu-ray-Start: 04.10.2012
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Filmkritik zu Snow White and the Huntsman

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Der Märchenwald der Gebrüder Grimm ist dicht mit Geschichten und Motiven bewachsen, sodass man regelmäßig eines ihrer Märchen in mehr oder weniger abgewandelter Form auf der Leinwand wiederfinden kann. Doch dass sich zwei Studios zur gleichen Zeit auf denselben Stoff stürzen und unmittelbar nacheinander in die Kinos bringen, ist dann doch eher ungewöhnlich. Den Anfang machte Tarsem Singhs knallbunte und satirische „Schneewittchen“-Version „Spieglein Spieglein“. Nun legt knapp zwei Monate später der britische Werbefilmer und Langfilmregiedebütant Rupert Sanders seine „Schneewittchen“-Adaption „Snow White and the Huntsman“ nach, die im Gegensatz doch deutlich düsterere und dramatischere Töne anschlägt. Leider kann der Zuseher den Film nicht immer ganz so ernst nehmen, wie er sich selbst nimmt.

Nach dem Tod der Königin zieht der König seine wunderschöne Tochter Snow White (Kristen Steward) alleine groß bis er die vermeintliche Kriegsgefangene Ravenna (Charlize Theron) befreit und zu seiner neuen Königin macht. Doch die verfolgt eigentlich den Plan, den König zu töten und mit ihrem Bruder (Sam Spruel) das Reich zu übernehmen. Nach dessen Ermordung ist der schönheitsversessenen Königin aber auch ihre Stieftochter ein Dorn im Auge, da ihr der magische Spiegel an der Wand immer wieder mitteilt, dass diese schöner ist als sie. Als sie auch Snow White ermorden und ihre Schönheit an sich reißen will, flieht die Prinzessin in den düsteren Wald, wo neben übersinnlichen Kräften und Wesen auch eine Bande von Zwergen haust. Die Königin schickt den mutigen Jäger Eric (Chris Hemsworth) hinterher, um sie zu töten, doch der ist von ihrem Anblick so angetan, dass er sich auf ihre Seite schlägt im Kampf gegen die Königin.

Als mit Universal und Relativity Media vor gut eineinhalb Jahren gleich zwei Studios bekannt gegeben haben, an neuen Filmfassungen des Grimm-Stoffes „Schneewittchen“ zu arbeiten, wurde ein wahres Märchen-Match eröffnet. Zuerst wurde mit Startterminen gepokert, dann wurden die ersten Trailer gleich unmittelbar nacheinander veröffentlicht. Dabei wäre das gar nicht notwendig gewesen. Die beiden Filme sind nämlich aufgrund ihrer völlig unterschiedlichen Herangehensweise an den Stoff kaum zu vergleichen. Während „Spieglein Spieglein“-Regisseur Tarsem Singh eine herrlich-kitschige und gelegentlich alberne Familienkomödie inszenierte, ging Rupert Sanders einen konträren Weg und setzt auf Horror-, Fantasy- und Abenteuerelemente. „Snow White and the Huntsmen“ ist in einem mittelalterlichen England angesiedelt, in dem Sagen- und Mythengestalten in den Wäldern ihr Unwesen treiben. Dementsprechend dramatisch sind die Handlung, die Musik und das Schauspiel ausgefallen. Doch letztlich funktioniert das längst nicht so gut, wie es der Regisseur wohl gern gehabt hätte.

Anleihen hat der Film reichlich genommen: So ähnelt etwa die Szene, wenn Snow White mit den Soldaten in den Krieg gegen die Königin zieht,  irgendwie der finalen Kampfszene in Ridley Scotts „Robin Hood“ – Kristen Steward kommt sogar in gleicher Montur wie Cate Blanchett. Auch an „Herr der Ringe“ fühlt man sich hin und wieder erinnert, wenn Snow White und ihre Anhänger wie die Gefährten durch weitläufige Landschaften wandern oder Gnome und andere fantastische Gestalten, die Mittelerde entstammen könnten, auftauchen. Dabei fügen sich die Fantasy-Elemente, wenn auch handwerklich gut gemacht, irgendwie nie richtig in die Geschichte ein und wirken nicht selten deplatziert, wenn nicht sogar unfreiwillig komisch.

Zu den üppigen Bildern und der opulenten Musik passend, fällt auch das Schauspiel dementsprechend pathetisch aus – vor allem bei Charlize Theron, die finstere Blicke durch die Gegend wirft und sich vor allem im Schreien übt. Überhaupt werden in „Snow White and the Huntsman“ in nicht nur in einer Szene mit besonders viel Dezibel große und bedeutungsvolle Worte gespuckt. Sogar die sonst eher ruhig agierende Kristen Steward verfällt am Ende in wahre Schreikrämpfe. Bei so viel Frauenpower bleibt Chris Hemsworth wohl nichts anderes übrig, als sich in schauspielerischer Ohnmacht zu suhlen. Zwar legt er seinen Jäger gekonnt als gebrochenen Trinker an, allerdings vermisst man seinen naiven Charme, mit dem er als „Thor“ in den Marvel-Filmen punkten konnte. Es fehlt schon bei den Hauptfiguren jegliche Tiefe, doch anstatt wie Tarsem Singh die Schwarz-Weiß-Figurenmalerei mit Augenzwinkern zu nehmen, versucht man hier mehr schlecht als recht, die Charaktere mit einer Motivation auszustatten. So wird etwa in kurzen Sequenzen abgetan, warum die Königin so böse oder Snow White zur Königin bestimmt ist. Den Nebenfiguren bleibt noch weniger Handlungsraum, sodass so mancher Zwerg nicht einmal einen ausgegorenen Charakter bekommen hat.

Unausgegoren scheint sowieso der geeignetste Begriff, um den Film zu beschreiben. Da wird über den ganzen Film hinaus eine Dreiecksbeziehung aufgebaut (die ganz bestimmt nicht dem „Schneewittchen“-Mythos entstammt), um sie dann nach dem lang erwarteten lebensrettenden Kuss unbeantwortet wieder fallen zu lassen. Die böse Königin taucht für ganz schön viele Szenen nicht mehr auf, um dann nach einem Flashback und einem Befehlssatz einmal mehr für eine ganze Weile ignoriert zu werden. Unausgegoren ist im englischen Original auch die Sprache, die ein Wirrwarr aus tiefenglischen bis amerikanischen Akzenten ist, aber dieses Problem dürfte in der deutschen Übersetzung zumindest verschwinden. Dass „Snow White and the Huntsman“ dennoch zahlreiche, vor allem optisch, eindrucksvolle Momente bietet, liegt an der guten Ausstattung und Kameraarbeit, welche die düstere Grundstimmung des Films wunderbar einfängt.

Fazit:
Ein Märchen-Totalausfall wie „Red Riding Hood“ ist „Snow White and the Huntsman“ nicht geworden. Der Film bietet durchaus spannende Momente und eindrucksvolle Bilder. Doch das schwülstige Schauspiel und die übertriebene Effekthascherei machen es zuweilen ganz schön schwer, nicht ins Schmunzeln zu kommen.

Wertung:
4/10 Punkte
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Ø Wertung: 5.6/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 16
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