Halt auf freier Strecke (2011)

OT: Halt auf freier Strecke - 110 Minuten - Drama
Halt auf freier Strecke (2011)
Kinostart: 24.02.2012
DVD-Start: 24.08.2012 - Blu-ray-Start: 24.08.2012
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Filmkritik zu Halt auf freier Strecke

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Die Filme des deutschen Regisseurs Andreas Dresen werden zumeist dem Genre der Semidokumentation zugeordnet. Was zunächst vielleicht eher nach einem Lehrfilm klingt, ist eigentlich ein realistischer Stil des Filmemachens, bei dem nur ein loses Drehbuch vorhanden ist und die Schauspieler über weite Strecken improvisieren. Dresen interessiert sich für den Alltag der Menschen. Egal ob es um das Zusammenleben von Ehepaaren wie in „Halbe Treppe“ oder Liebe und Sex im Alter wie in „Wolke 9“ geht - Dresen ist immer nah am Leben dran. Im Falle von „Halt auf freier Strecke“ observiert er nun nicht nur das Leben, sondern vielmehr das Sterben eines Mannes auf erschütternd realistische Weise.

Frank (Milan Peschel) ist erst vor kurzem mit seiner Frau Simone (Steffi Kühnert) und seinen Kindern Lilli (Talisa Lilli Lemke) und Mika (Mika Nilson Seidel) in ein Reihenhaus am Stadtrand gezogen und führt ein recht zufriedenes Leben, als er die Diagnose Krebs erhält. Der Hirntumor sitzt an einer inoperablen Stelle und so bleiben ihm nur mehr wenige Monate zu leben. Langsam beginnt sein Körper zu verfallen: Zunächst vergisst er die ein oder andere Sache, dann findet er die Toilette in seinem eigenen Haus nicht mehr und irgendwann verlernt er auch zu gehen. Seine unkontrollierbaren Wutausbrüche und seine Pflegebedürftigkeit stellen die anderen Familienmitglieder auf eine harte Probe.

Regisseur Andreas Dresen und Drehbuchautorin Cooky Ziesche befassten sich monatelang mit dem Thema Krebs, sprachen mit Sterbebegleitern, Ärzten und Angehörigen von sterbenskranken Patienten und dieses Interesse am Detail sieht man dem Film an. Dresen scheut nicht davor, auch die unangenehmsten Aspekte der Erkrankung zu zeigen – bis zum letzten Atemzug. Die Grundstimmung des Films ist dabei bedrückender als jene der themenverwandten Tragikomödie „50/50“, doch die Überlebenschance ist dort auch deutlich höher. Dennoch erhebt der Film den Anspruch, eine Geschichte zu erzählen, die „im Tod das Leben feiert“. In der Tat lässt Dresen nicht nur einen Menschen vor der Kamera sterben, sondern auch die Angehörigen überlegen, wie das Leben ohne die Person weitergehen wird. 

Hauptdarsteller Milan Peschel wurde für die Rolle des sterbenden Frank mit dem Bayrischen Filmpreis ausgezeichnet. Er zeigt nicht nur vollen Körpereinsatz und lässt jeden Wutausbruch und epileptischen Anfall packend echt aussehen, sondern macht dem Zuseher vor allem Franks Angst vor dem Tod zugänglich. Während Peschel als Frank das größte Stück des Films emotional trägt, fällt die Aufgabe nach dessen physischen und psychischen Verfall vor allem Steffi Kühnert und den beiden Schauspieldebütanten Talisa Lemke und Mika Nilson Seidel zu. Lemke spielt die überforderte Tochter, die ihrem Vater und damit der Krankheit fast bis zum bitteren Ende ausweicht, mit passender Zurückhaltung, während Seidel als Jüngster vor der Kamera vor allem für zahlreiche rührende Momente sorgt.

Was „Halt auf freier Strecke“ aber zu einem semidokumentarischen Drama macht, sind die zahlreichen Nebendarsteller. Es handelt sich bei den Sterbehelfern und Ärzten nicht etwa um gecastete Schauspieler, sondern in der Tat um Menschen, die diese Berufe tatsächlich ausüben und die ihre eigenen Erfahrungen und Routinen in den Film einbrachten. So wirkt bereits die Eröffnungssequenz, die Krebsdiagnose durch den Arzt, unglaublich realistisch. Von da an geht es stetig bergab und doch ist „Halt auf freier Strecke“ kein durch und durch pessimistischer Film. Das Drama ist eben schlichtweg realistisch und auch im echten Leben folgen auf eine tödliche Krebsdiagnose unter Umständen gute Momente. Diese ergeben sich bei Dresen meistens aus dem familiären Zusammenleben - einige Male inszeniert der Regisseur jedoch bewusst komische Sequenzen und lässt etwa Franks Tumor in Gestalt eines Mannes in der Harald Schmidt-Show als Gast auf der Couch Platz nehmen oder Seite an Seite im Bett mit Frank liegen.

Fazit:
Packend, lebensnah, erschütternd und vor allem mit grandiosen Darstellern erzählt Andreas Dresen die Geschichte eines Mannes, der allmählich seinem Gehirntumor zum Opfer fällt. Dennoch bleibt am Ende der optimistische Beigeschmack, dass das Leben weitergeht.

Wertung:
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