In the Land of Blood and Honey (2011)

OT: In the Land of Blood and Honey - 127 Minuten - Drama / Romanze / Krieg
In the Land of Blood and Honey (2011)
Kinostart: 23.02.2012
DVD-Start: 28.09.2012 - Blu-ray-Start: 21.09.2012
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Filmkritik zu In the Land of Blood and Honey

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In the Land of Blood and Honey ist das durchaus gut gemeinte Spielfilmdebüt von Angelina Jolie, das unterm Strich zu langatmig geraten ist und an einer zu oberflächlichen Inszenierung und wenig überzeugenden schauspielerischen Leistungen scheitert. Von Jolies Qualitäten als Filmdarstellerin und politisch engagierten Promi kann man halten was man will, definitiv sicher ist, dass sie als Regisseurin und Drehbuchautorin noch einen langen Weg vor sich hat. Die im Bosnienkrieg angesiedelte Handlung stellt jedoch einen aufrichtigen Versuch dar, ein filmisch noch sehr wenig aufgearbeitetes dunkles Kapitel der jüngsten europäischen Geschichte in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, auch wenn die (unmögliche) Liebe zwischen einem hohen Militär der Armee der bosnischen Serben und einer bosniakischen Frau im Vordergrund steht.

Das Land des Bluts und Honigs ist das nach Unabhängigkeit strebende Bosnien und Herzegowina. Tito ist seit mehreren Jahren Tod und die Sozialistische Förderative Republik Jugoslawien im Zerfall begriffen. Zwei große Fronten stehen sich gegenüber. Die in Bosnien lebende serbische Bevölkerung die nach einem Verbleiben in der jugoslawischen Förderation strebt und die muslimischen Bosniaken, die nach einem unabhängigen Staat verlangen. Zwischen diesen verhärteten Fronten steht der bosnische Serbe Danijel (Goran Kostic) und die muslimische Malerin Ajla (Zana Marjanovic). Durch den Krieg stehen beide plötzlich auf zwei oppositionellen Seiten und ihre Liebe zueinander wird auf eine ungewöhnliche Probe gestellt. Denn als Ajla von der bosnisch-serbischen Armee gefangen genommen wird, begegnet sie Danijel wieder. Diesmal nicht als liebenswerten Polizisten, sondern als Soldaten, als Sohn des grausamen Generals Vukojevic (Rade Serbedzija).

Filme, die einen gewaltsamen Konflikt behandeln sind immer eine gewisse Gradwanderung. In einem Medium, das auf audiovisuellen Reizen aufbaut sind komplexe Analysen zwischenmenschlichen Zusammenspiels oft schwierig und enden meist in einer sehr oberflächlichen Schwarz-Weißmalerei. Der Kritik der sich jeder Kriegsfilm stellen muss ist die Frage, ob sich die Gräuel eines Krieges überhaupt in Bilder fassen lassen. Dabei läuft man häufig in Gefahr ein zu rigides Täter-Opfer Schema zu präsentieren, gefolgt von einem gewissen Bildvoyeurismus, einem Vergnügen am Entsetzen und somit eine Verherrlichung oder umgekehrt eine Verharmlosung der tatsächlichen oder fiktiven Kriegshandlungen.

Gerade durch die sehr oberflächliche Darstellung der politischen Ereignisse geht Jolie diesen zentralen Fragen aus dem Weg. Grob gesagt wird der Konflikt zwischen Serben und Bosniaken - ganz nebenbei - durch die historisch begründete Angst der faschistischen Tschetnik-Serben durch das osmanische Reich argumentiert. Somit werden nicht alle Serben als Täter gebrannt markt, sondern nur die Fundamentalisten unter ihnen, die den Großteil der bosnisch-serbischen Armee beherrschen und die zivile Bevölkerung indoktrinieren. Einfach, doch schnell begreiflich und für den Film bezeichnend.

Die Geschichte entfaltet sich zwischen einem hohen Militär der bosnisch-serbischen Armee und einer bosniakischen Frau. Die dritte große Kriegspartei der bosnischen Kroaten wird zur Gänze außen vor gelassen. Ganz nebenbei werden kurz die zentralen Schauplätze und Ereignisse des Bosnienkriegs erwähnt. Am Anfang und Ende des Films erklären Schrifttafeln die Situation in Bosnien und Herzegowina - Einst und Heute. Im Laufe des Films sehen wir in einer Szene die berühmte Alte Brücke in Mostar, wohnen kurz der Belagerung von Sarajevo bei, bekommen schnelle Einblicke in ein Kriegsgefangenenlager der bosnisch-serbischen Armee und erfahren durch eine Radiomeldung vom abscheulichen Massaker in Srebrenica. Der Großteil der Handlung vollzieht sich in einem militärischen Stützpunkt, in dem Angehörige der Armee der bosnischen Serben muslimische Frauen gefangen halten und diese systematisch schänden und herabwürdigen. In diesem geschlossenem Umfeld wird der Rest der Umwelt fast gänzlich ausgeblendet und es kommt zu einer klaren Konfrontation der Gewalten: auf der einen Seite die tyrannischen Unterdrücker und auf der anderen die hilflos ausgelieferten zivilen Frauen.

Der gewaltsame Konflikt zwischen bosnisch-serbischen Christen und bosnischen Muslimen ist jedoch nur die narrative Rahmenhandlung des Films. Wie der deutsche Titel des Films bereits andeutet (Liebe in Zeiten des Krieges) ist die zentrale Frage des Films die Möglichkeit einer Liebe in einer Zeit, in der Liebe unmöglich erscheint. Auch hier kratzt Jolie nur an der Oberfläche eines sehr komplexen Vorhabens. Der Film beginnt kurz vor Ausbruch des Kriegs. Danijel und Ajla tanzen verliebt und ausgelassen in einer Bar, fernab jeglichen ethnischen Hasses. Die Zeit vor dem Krieg – eine Phrase die in abgewandelter Form immer wieder im Film auftaucht - scheint noch in Ordnung zu sein. Eine plötzliche Explosion markiert den Startschuss des Umbruchs.

Die schauspielerischen Leistungen der DarstellerInnen sind kurz gesagt wenig überzeugend. Um diese Tatsache zu kaschieren versucht Jolie durch Bilder einzelner Gewalttaten Emotionen zu erzeugen, welche die Charaktere versäumen hervorzurufen. Bar jeglicher Unterstützung dieser Szenen durch einen sinnvollen Handlungsverlauf und durch das Fehlen einer glaubhaften Charakterentwicklung stehen besagte Szenen isoliert für sich und erzeugen somit nicht den gewünschten Effekt einer emotionellen Empathie. In the Land of Blood and Honey scheint an vielen Stellen zu unausgereift und verkommt folglich zu einem langatmigen Film, in dem weder große Emotionen noch eine treibende Spannung aufkommen mag. Ein wie zuvor beschriebenes Vergnügen am Entsetzen kann man dem Film allerdings nicht vorwerfen, dies würde den sicher gut gemeinten Intentionen der Regisseurin und dem Film als Gesamtwerk sicher widersprechen. Ein wieder aufgreifen der Assoziation von Balkan und besonderer Grausamkeit, die in den Balkankriegen zu Beginn des 20. Jhdt. fußt, ist jedoch stark am aufblühen.

Die Handlung beginnt als Liebesgeschichte und endet als moralische Botschaft. Richtig überzeugen kann weder das eine noch das andere. Für eine mitreißende Liebesgeschichte fehlt es schlicht an der Überzeugungsgabe der SchauspielerInnen und die Moral der Geschichte ist zu banal. Böses kann nur durch Böses vergolten werden, auch wenn am Ende das Gewissen siegt. Danijel wird als sensibler Tyrann gezeichnet, der zwischen seinem eigenen Gewissen, dem indoktrinierten Geschichtsverständnis und den Erwartungen seines Vaters und Gesinnungsgenossen hin und her gerissen wird. Ein Übel, das Grund und Wirkung seiner eigenen Reproduktion ist. Auf der anderen Seite steht Ajla, eine muslimische Malerin, die zuerst ganz naiv von der unbescholtenen Liebe zu Danijel überzeugt ist, letztendlich jedoch ihre Zweifel an den wahren Motiven Danijels hegt. Zwischen den beiden ein ganzer Krieg.

Der hoch gegriffene Versuch den Bosnienkrieg in seiner Gesamtheit zu fassen, weiht den Film der Vereinfachung und Restriktion. Abschließend lässt sich allerdings sagen, dass In the Land of Blood and Honey einen aufrichtigen Appell gegen Krieg und ethnisch motivierte Gewalt darstellt, obwohl ein konkretes Statement in der Schwebe bleibt. Eine absolute Stigmatisierung und Schuldzuweisung an die serbische Volksgruppe im Allgemeinen darf man dem Film daher nicht vorwerfen. Gerade durch die oberflächliche Darstellung der Ereignisse von 1992-1995 in Bosnien und Herzegowina entzieht sich In the Land of Blood and Honey sowohl der einen wie auch der anderen Seite, bietet andererseits aber auch viel Argumentationsraum für nationalistisch angehauchte Stimmen. Schlussendlich liegt es im aufmerksamen Auge des Publikums den Film nicht für eine „unabdingbar richtige Seite“ zu instrumentalisieren sondern als einen aufrichtigen Versuch zu sehen, die schrecklichen Ereignisse des Bosnienkriegs filmisch zu erfassen und erneut der Gesellschaft zur Diskussion zu stellen.

Fazit:
Die Intentionen von In the Land of Blood and Honey mögen gut gemeint sein, doch an der Umsetzung hapert es gewaltig. Ein Film, der vor einem solch schwerwiegenden politischen Hintergrund spielt, muss mit viel Akribie und Feingefühl umgesetzt werden und darf nicht versuchen die Gesamtheit der Ereignisse möglichst oberflächlich darzulegen. Schafft er dies nicht, sollten zumindest die Charaktere überzeugend wirken. Gelingt ihm weder das eine noch das andere, so bleibt nicht viel übrig was punkten könnte. Das Resultat ist ein langatmig geratener Film an dessen Oberfläche hin und wieder kleine sehenswerte Reflexionen aufblitzen.

Wertung:
5/10 Punkte
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