Mein liebster Alptraum (2011)

OT: Mon pire cauchemar - 103 Minuten - Komödie / Romanze
Mein liebster Alptraum (2011)
Kinostart: 17.02.2012
DVD-Start: 07.06.2012 - Blu-ray-Start: 07.06.2012
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Filmkritik zu Mein liebster Alptraum

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Mit Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft gelang der französischen Regisseurin und Schauspielerin Anne Fontaine 2009 eine Filmbiografie über einen Lebensabschnitt der Modeschaffenden Coco Chancel, die internationalen Erfolg feierte und für zahlreiche Filmpreise nominiert wurde. Mit ihrem neuesten Film Mein liebster Alptraum liefert sie nun, nach ihrem ersten Versuch innerhalb dieses Genres Das Mädchen aus Monaco (2008), eine Komödie der etwas anderen Art, die die entstehende Liebe zweier gegensätzlicher Menschen behandelt und neben originellem Witz vor allem durch seine Hauptdarsteller besticht.

Die angesehene Galeristin Agathe (Isabelle Huppert) lebt zusammen mit ihrem Mann Francois (André Dussollier), einem erfolgreichen Verleger und dem gemeinsamen Sohn Adrien (Donatien Suner) in einer edlen Stadtwohnung im Herzen von Paris. Zwar lebt die Familie gut und harmonisch zusammen, von Leidenschaft ist in der verstaubten Ehe zwischen Agathe und Francois jedoch keine Spur mehr. Als sich Adrien mit seinem Mitschüler Tony (Corentin Devroey) anfreundet, trifft das Ehepaar auf dessen Vater Patrick (Benoît Poelvoorde), der in seiner Lebensweise wohl kaum unterschiedlicher sein könnte als die vornehme Familie. Ständig ist der ehemalige Häftling am Trinken und macht kein Geheimnis aus seiner sexuellen Vorliebe für üppige Frauen, vor allem die zarte und reservierte Agathe ist von Patricks Art zunächst sehr irritiert. Doch auch Patrick bereitet sein Lebensstil das ein oder andere Problem, so muss der alleinerziehende Vater ständig Angst haben, vom Jugendamt das Sorgerecht für seinen Sohn entzogen zu bekommen.

Der handwerklich begabte Patrick übernimmt einige Renovierungsarbeiten in der Wohnung des Paares und freundet sich schließlich mit Francois an, woraufhin sich dieser animiert sieht, durch eine neue Beziehung zur viel jüngeren Julie (Virgine Efira) wieder Schwung in sein Liebesleben zu bringen und sich von Agathe zu trennen. Diese reagiert gewohnt gefasst, doch als sie und Patrick sich nach einer durchzechten Nacht auf einmal näher kommen, zeigt sich, dass auch sie eine emotionalere Seite hat und ihr der neue Mann in ihrem Leben mehr ans Herz gewachsen ist, als gedacht.

In Mein liebster Alptraum treffen durch Agathe und Patrick zwei verschiedene Welten zusammen, die vorerst so gar nicht miteinander harmonieren wollen. Nach und nach lernen sich die beiden jedoch näher kennen und aus der anfänglich distanzierten und besonders von Agathes Seite kühl gehaltenen Beziehung wird eine Art Hass-Liebe. Generell wirkt Agathe kaum berührt, auch als sie von der neuen Liebe ihres Mannes erfährt, reagiert sie gelassen. So zieht sich ihre Attitude auch im Verhältnis zu Patrick fort, selbst nach der gemeinsamen Nacht bleibt sie ihm gegenüber zurückhaltend und bleibt beim gewohnten „Vous“. Hier wäre eventuell etwas mehr Offenheit in Bezug auf Agathes Gefühlswelt wünschenswert, da man ihre Beweggründe, sich auf Patrick einzulassen, teilweise nur erahnend nachvollziehen kann und der Charakter der Liebe der beiden eher oberflächlich bleibt. Agathes Zuneigung zeigt sich eher hintergründig in der aufopfernden Fürsorge für Patricks Sohn Tony, den sie fast schon als ihren eigenen zu betrachten scheint.

Die drei Hauptdarsteller gehören zur Schauspielelite Frankreichs und machen somit einen Großteil des Charmes der Geschichte aus. Isabelle Huppert, die mit ihren unterschiedlichen Facetten in etlichen Filmen wie Geheime Staatsaffären (2006) oder My Little Princess (2010) mitwirkte, verkörpert die intellektuelle und stets reservierte Kunstgaleristin authentisch und routiniert. Aber auch Filmpartner Benoît Poelvoorde, der schon in Fontaines Film Coco Chanel eine Rolle übernahm, bringt mit seinem Portrait des rauen, einfach gestrickten Mannes trotz der klischeehaften Darstellung der Gesellschaftsschichten eine gewisse Natürlichkeit in die Handlung mit ein. In der Rolle des angepassten, aber doch unzufriedenen Ehemanns Francois ist André Dussollier (Vorsicht Sehnsucht, 2009) zu sehen.

Der Film zeigt zwar viele dramatische Lebensentwicklungen der Figuren, wie die Trennung von Agathe und Francois oder aber den Kampf von Patrick um das Sorgerecht für seinen Sohn, allerdings bleibt Fontaine dem humoristischen Weg stets treu und schafft es so, selbst ernst anmutende Situationen durch Komik und viel Humor seitens der Protagonisten aufzulockern. Auch durch kleinere, unerwartete Wendungen bleibt die Geschichte unterhaltsam und bewahrt den Film vor einer allzu offensichtlichen Vorhersehbarkeit.

Fazit:
Anne Fontaines Komödie Mein liebster Alptraum behandelt das Aufeinandertreffen zweier Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und die daraus entstehende unkonventionelle Beziehung. Mit der Besetzung der drei hochrangigen, französischen Schauspieler Isabelle Huppert, Benoît Poelvoorde und André Dussollier erhält der Film seinen besonderen Charme und rauen Witz, was den Film trotz der teilweise oberflächlich gehaltenen emotionalen Verhältnisse der Figuren zueinander dennoch gelingen lässt. Die Geschichte wird durch diverse Abzweigungen innerhalb dieser vor dem Abrutschen in eine stereotype Handlung bewahrt und nicht zuletzt durch das Spiel mit unterschiedlichen Rollenbildern originell und unterhaltend.

Wertung:
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