Haywire (2011)

OT: Haywire - 93 Minuten - Action / Thriller
Haywire (2011)
Kinostart: 09.03.2012
DVD-Start: 09.08.2012 - Blu-ray-Start: 09.08.2012
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Filmkritik zu Haywire

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Kein anderer Regisseur pendelt so gekonnt zwischen Genres hin und her wie Steven Soderbergh. Zuletzt mit dem Endzeit-Thriller Contagion, davor mit einem semi-biografischen Experimental-Drama The Girlfriend Experience und wiederrum davor mit der Agenten-Komödie The Informant!. Sein bisheriges Oeuvre umfasst dabei oscarprämierte Filme, Blockbuster sowie Independent und Experimentalfilme. Bei der Bandbreite seines Schaffens und seiner bisherigen Erfolge verwundert es nicht, als er im Jahr 2009 ankündigte das Filmemachen an den Nagel zu hängen. Sein aktueller Film Haywire und die darauffolgenden Magic Mike, Behind the Candelabra und Side Effects sollen die letzten werden bevor er sich seiner Leidenschaft, der Malerei, voll und ganz widmen möchte. Doch bevor es dem Ende zugeht besinnt sich Soderbergh noch einmal auf seine Fähigkeiten und schafft mit Haywire einen geradlinigen Action-Thriller der mit seiner, für das Genre unüblichen, besonnenen Simplizität und Soderberghs Handschrift durchaus zu unterhalten vermag und vor allem durch die internationalen Schauplätze wie Dublin, Barcelona oder New Mexico, Vergleiche mit der Bourne Trilogie nicht zu scheuen braucht.

Die hübsche und sehr erfolgreiche Spezialagentin Mallory Kane arbeitet auf eigene Rechnung und in absolut geheimer Mission für die Regierung der Vereinigten Staaten. Ihre Aufgaben sind meist von derart delikater Angelegenheit, dass ihre Auftraggeber im Notfall jegliche Verbindung zu der Agentin abstreiten und lieber deren Tod in Kauf nehmen würden, als sie aus einer gefährlichen Mission zu retten. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt in Barcelona, bei der Mallory Kane eine Geisel befreien musste, wird sie sofort weiter nach Dubai geschickt. Doch die dortige Operation, die sie gemeinsam mit Paul durchführen soll, geht schief. Mallory Kane ahnt, dass ihr jemand eine Falle gestellt hat und sie selbst zur Zielscheibe geworden ist. Von nun an ist sie ganz auf sich alleine gestellt und muss ihre ganze Kraft und ihre kämpferischen Fähigkeiten einsetzen, um die Drahtzieher des Komplotts aufzudecken...

Irgendwo in Alaska in einem Diner. Die Protagonistin wartet scheinbar ungeduldig auf jemanden. Plötzlich setzt sich jemand ihr gegenüber an den Tisch und spricht mit ihr über Dinge, deren Kontext der Zuseher noch nicht erschließen kann. Der Protagonistin wird während der Konversation merklich unwohl und dann passiert alles augenblicklich: Der brennend heiße Kaffee landet im Gesicht des Gegenübers und die Fäuste beginnen zu fliegen. Um nicht ins Kreuzfeuer der Behörden zu kommen nimmt sie einen Gast im Diner als Geisel und fordert ihn freundlich aber bestimmt auf seinen Wagen für die Flucht bereitzustellen, inklusive seiner Anwesenheit. Auf der Flucht im Auto erzählt sie ihm wie es zu der Szene im Diner kam.

Und damit verläuft die Rahmenhandlung in die eigentliche Handlung. Mallory erzählt ihrem unfreiwilligen Begleiter, der bei ihrer eindringlichen und symphytischen Art erste Anzeichen des Stockholm-Syndroms entwickelt, in ausgedehnten Rückblenden die Ereignisse, die zu ihrer gegenwärtigen Situation geführt haben. Dabei handelt es sich um einen überaus herkömmlichen Verschwörungs-Plot in Geheimdienstkreisen, bei dem jeder auf seinen eigenen Vorteil aus ist und die Protagonistin, im daraus entstandenen Nachteil ihren Ruf und ihr Überleben sichern muss. Wer ihr dabei im Weg steht wird unsanft bei Seite geschoben oder es wird ihm bei betörender Aussicht die Luft abgeschnürt.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgen die, für das Genre untypischen, ruhig inszenierten Kampfszenen. Zumeist in weiten, übersichtlichen Einstellungen wird ohne hektische Schnitte der Choreografie alle Ehre gemacht. Abwechselnd virtuos bis einfach effektiv zeigt Gina Carano, was sie als Mixed Martial Arts Kämpferin im umzäunten Ring perfektioniert hat. Durch die übersichtliche Gestaltung der Szenen ist es Soderbergh als Kameramann möglich mehr Realismus zu evozieren. Dass seine Hauptdarstellerin professionell Schläge austeilt und einsteckt legitimiert bei der realistischen Darstellung der Kämpfe diese Entscheidung. Allerdings ist diese Entscheidung immer dann in Frage zu stellen, wenn die Eindimensionalität von Caranos Darstellung unübersehbar wird. In nahen Einstellungen oder bei den seltenen Gefühlsregungen macht die Darstellerin keine so gute Figur, wie etwa während den Kämpfen. Um diese Manko auszubügeln hat ihr Soderbergh eine Reihe von prominenten Kollegen zur Seite gestellt. Michael Douglas, Ewan McGregor, Michael Fassbender, Antonio Banderas, Bill Paxton und Channing Tatum fungieren als Sicherheitsnetz für die Laienschauspielerin. Durch die Vielzahl der Rollen bleibt einigen weniger Raum als anderen, sie alle liefern in ihren Rollen eine grundsolide Leistung ab.

Fazit:
Haywire gefällt als kurzweilige Unterhaltung mit seiner zurückgenommenen und kunstvollen Inszenierung, die sich in Soderberghs differenziertem Blick konstituiert. Der Regisseur setzt auf ungewöhnliche Kamerawinkel und einen wilden Mix verschiedener Einstellungen in Schwarz/Weiß sowie Blau- und Gelbtönen. Die Inszenierung konterkariert aber zu keinem Zeitpunkt die Tatsache, dass der Film im Kern ein klassischer Action-Thriller ist, der mit seinen übersichtlich in Szene gesetzten Kampfszenen und einem recht konventionellen Plot auf ein kurzweiliges Vergnügen aus ist. Die weitestgehend unbekannte Hauptdarstellerin, die eigentlich im MMA-Milieu zu Hause ist, bekommt von ihren namhaften Kollegen schauspielerische Schützenhilfe und sorgt mit ihrer disziplinierten, durchschlagenden Körperlichkeit für anschauliche Actionsequenzen, die zwar rar gesät, dafür hochwertig inszeniert sind.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 5.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 8
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