Contraband (2012)

OT: Contraband - 109 Minuten - Action / Krimi / Drama / Thriller
Contraband (2012)
Kinostart: 16.03.2012
DVD-Start: 19.07.2012 - Blu-ray-Start: 19.07.2012
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Filmkritik zu Contraband

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Reykjavik-Rotterdam. So lautet das isländische Original, das mit dem bis dato höchsten Budget einer isländischen Produktion ausgestattet und in der Heimat mit Preisen überhäuft wurde. Nun hat sich Hollywood, wie schon zuletzt mit The Girl With The Dragon Tattoo oder Let The Right One In, entschlossen ein nordisches Original mit einem noch größeren Budget zu schmücken und ein Remake zu produzieren. In Contraband nimmt der Hauptdarsteller des Originals Baltasar Kormákur eine Rochade vor und wechselt auf den Regiestuhl, während er seinen Part Mark Wahlberg zukommen lässt. Herausgekommen ist ein solider Action-Thriller der sich seiner Stärken und Schwächen bewusst ist und innerhalb seines begrenzten Rahmens alle Möglichkeiten ausschöpft.

Chris Farraday hat seine kriminelle Karriere eigentlich schon vor langer Zeit beendet – doch als sein Schwager Andy ein Drogengeschäft vermasselt, zwingt dessen skrupelloser Boss ihn, Andys Schulden zu begleichen. Nun soll und Chris das tun, was er am besten kann: Schmuggeln. Chris, in Schmugglerkreisen eine Legende, hat schnell eine Crew aufgestellt, mit der er nach Panama übersetzen will, um Millionen Dollar Falschgeld ins Land zu holen. Doch der Plan misslingt – mit fatalen Folgen: Chris bleiben nur wenige Stunden, um an das Geld zu kommen und so seine Frau Kate und seine Söhne auszulösen, die als nächstes auf der Abschussliste brutaler Drogenbosse stehen…

Zu Beginn wird in einer Nacht und Nebel Aktion ein Frachter von Spezialeinheiten aus der Luft und vom Wasser aus durchsucht. Während die Einheit weiß was zu tun ist, bleibt der Zuschauer über die Hintergründe im Verborgenen. Die hektische Vorgehensweise der Polizei und schließlich die von zwei scheinbar blinden Passagieren, die in aller Eile versuchen ihre Sporttasche im Meer zu versenken, deuten auf eine vielversprechende Vorgeschichte hin. Interessant dabei ist vor allem die Inszenierung des Beginns, die frappant an einen ganz großen Filmemacher erinnert: Michael Mann.

Sein charakteristischer visueller Kamerastil der sich in verwackelten, digitalen Schärfe und nahen Einstellungen manifestiert wird durch das Setting mit den Motorboten verstärkt, dadurch schwingt ein leichter Miami Vice Flair mit. Das dies kein Zufall ist sondern eine bewusste Anlehnung des Regisseurs Baltasar Kormákur an seinen Kollegen Mann wird spätestens nach der furiosen Schießerei klar, die auch hier wieder eklatant an Michael Mann erinnert, der in Heat den Maßstab für Schießereien fast unerreichbar hoch gelegt hat. Kormákur strapaziert mit seinem Kameramann glücklicherweise den Stil zugunsten der Eigenständigkeit nicht zu sehr, so dass die Hommage für eine gelungene, optische Abwechslung sorgt.

In der weiteren visuellen Inszenierung fallen einerseits die omnipräsenten Zooms auf, die Spannung suggerieren sollen und deren Einsatz stark an Überwachungskameras erinnert (Wahlbergs „anständiger“ Job ist das Installieren von Sicherheitssystemen). Andererseits wird eine ausdrückliche Körnigkeit als Authentizitätsstrategie verwendet um etwa Bodenständigkeit im Arbeitermilieu zu vermitteln, quasi die Glaubwürdigkeit des Dargestellten noch einmal zu unterstreichen. Ob die Funktion der penetranten Unschärfe, die während der Dialoge äußerst befremdlich wirkt, aufgeht sei dahingestellt.

Begleitet von einem bluesigen, stimmungsvollen Südstaaten-Soundtrack wird das Handeln der Charaktere mit einer zusätzlichen Spur Coolness unterstrichen. Unterstützt durch das hohe Erzähltempo findet man sich auf einer schnellen Achterbahnfahrt wieder. Durch das Tempo kommen in dem recht konventionellen Plot – ehemaliger Krimineller ist sesshaft geworden und um seine Familie zu schützen muss er ein letztes Mal einen Auftrag durchführen – schnell einige Löcher zum Vorschein. Das Timing während des Heists scheint immer zu stimmen, die Protagonisten scheinen glückliche Zufälle gepachtet zu haben. Dennoch sind diese Unstimmigkeiten größtenteils zu verschmerzen, steht die Story hinter den Charakteren doch eher im Hintergrund.

Mark Wahlberg besticht weniger durch seine Vielseitigkeit als durch seine schiere Anwesenheit und nimmt als Chris Farraday eine routinierte Bad-Boy Präsenz auf der Leinwand ein. Dabei kommt ihm das Skript zugute, dass sich mehr für die Komplexität seines Innenlebens interessiert als im Genre üblich. Auch wenn Contraband keine Charakterstudie ist, so ist es dennoch bemerkenswert das Chris nicht der sympathische Protagonist par excellence ist sondern als Familienvater eine ungeheure Freude hat, als er wieder in sein altes Milieu zurückkehrt und seiner Natur freien Lauf gewähren kann.

Wahlbergs Kollegen liefern grundsolide Leistungen ab. Kate Beckinsale spielt die unglückliche Rolle des Opfers, das vom Skript als Druckmittel instrumentalisiert wird und am Ende nur durch einen der großzügig ausgelegten glücklichen Zufälle mit dem Leben davon kommt. Im Cast finden sich außerdem zwei Spezialisten für labile Charaktere. Da wäre zum einen Giovanni Ribisi, der wie hier in seinen Rollen oft die Grenze zum Overacting erreicht, als unberechenbarer Kleinganove mit psychopathischen Zügen und zum anderen Ben Foster als Freund der Familie, der mehr Tiefe hat als man zunächst vermutet. Am Rande zu erwähnen ist unbedingt David O’Hara der in einer kleinen Rolle als waschechter britischer Gangster von allen am eindrucksvollsten zu überzeugen weiß.

Fazit:
Contraband vermag als Actionstreifen mit Heist-Flair durchaus zu unterhalten. Das flotte Tempo, pointierte One-Liner, ein stimmungsvoller Soundtrack und die grundsoliden Darstellern lassen den forcierten Plot, die fehlende Originalität und das unstimmige Happy End schnell in den Hintergrund rücken. Überhaupt hat man das Gefühl, dass der Film seine Ziele nicht zu hoch setzt aber gerade durch dieses angedeutete Understatement punkten kann: Beim Anblick des Posters und Sichtung des Trailers werden die evozierten Erwartungen an den Film zur Gänze erfüllt, nicht mehr und nicht weniger.

Wertung:
6/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 5.4/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 8
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