Der große Diktator

OT: - 124 Minuten - Satire
Der große Diktator
Kinostart: 15.10.1940
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der große Diktator

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Wir schreiben das Jahr 1939, Amerika hat sich noch nicht in den zweiten Weltkrieg eingemischt und die Gräueltaten die von den Nazis ausgeführt wurden waren der Welt noch nicht bekannt. Dies ist das Jahr in dem Charlie Chaplins zeitloses Meisterwerk Der groß Diktator in die Kinos kam. Er wollte mit seinem Werk nur eines: Er wollte sich mit Hitler messen. Chaplin stellet den guten Gegenpol zu Hitlers Unterdrückungsregime dar. Seit je her weigerte sich Charlie Chaplin den Tonfilm als Kunstform zu akzeptieren, doch um Hitlers Radiopropaganda Paroli bieten zu können musste er sich das ihm verhasste Medium zu nutze machen. Er war damals der berühmteste Entertainer der Welt und der wohl einzige Mensch der es fertig brachte Hitler auf friedlichem Weg die Stirn zu bieten. Ein Film ist zwar nicht in der Lage einen Krieg zu verhindern, aber ein Film, besonders wenn es sich um ein Meisterwerk wie Der große Diktator handelt, kann sehr wohl die Moralvorstellung einer gesamten Generation verändern.

 

Im ersten Weltkrieg kämpft ein namenloser jüdischer Friseur (Charlie Chaplin) auf der Seite der tomanischen Armee. Er erweist sich als äußerst tollpatschiger Rekrut, doch durch seine Menschlichkeit gelingt es ihm dennoch das Leben des Offiziers Schultz (Reginald Gardiner) zu retten. Bei ihrer Flucht im Flugzeug stürzen die beiden ab und der Friseur wird ins Krankenhaus gebracht wo er die nächsten 20 Jahre, an Amnesie leidend, verbringt. Er hat keine Ahnung dass in der Zwischenzeit Hynkel (ebenfalls Charlie Chaplin) der Diktator von Tomanien geworden ist und die Juden in einem Ghetto zusammengepfercht sind. Als der Friseur aus dem Krankenhaus entlassen wird versucht er einfach sein Leben normal weiter zu leben. Dies führt natürlich zu deutlichen Zwischenfällen mit dem im Ghetto patrolierenden Sturmtrupp. Als sie ihn verhaften wollen trifft er Schultz wieder, der mittlerweile einen hohen Rang in der tomanischen Armee belegt, und dieser verhindert dass dem Friseur etwas zustößt. Doch als Hynkel beschließt im benachbarten Osterlich einzumaschieren wagt Schultz es dem großen Diktator zu widersprechen und so muss er sich im Ghetto verstecken. Als die Soldaten ihn finden wird Schultz gemeinsam mit dem jüdischen Friseur in ein Konzentrationslager gebracht. Für Hynkel ziehen derweil dunkle Wolken am Horizont auf: Napaloni (Jack Oakie), der Diktator von Bacteria hat ebenfalls vor Osterlich zu besetzen. Also lädt Hynkel diesen in seinen Palast ein um ihn zu überlisten. Dies gelingt ihm auch und somit steht der Invasion Osterlichs nichts mehr im Wege. Doch während Hynkel Urlaub macht brechen der jüdische Friseur und Schultz aus dem Konzentrationslager aus und Hynkel wird mit dem Friseur verwechselt. Somit findet sich der echte Diktator von Tomanien in Haft wieder, und der Friseur muss eine Rede vor dem Volk halten. Dies nützte er um einen dramatischen Vortrag über Menschlichkeit und Demokratie zu halten...

 

Charlie Chaplins Meisterwerk Der große Diktator ist ein sehr gewagtes Projekt. Denn man muss schon sehr viel Fingerspitzengefühl aufweisen um diesen hoch tragischen Stoff gekonnt zu parodieren. Doch dies gelingt auf ganzer Linie. Man findet eine schier endlose Anzahl an grandiosen Slapstick Szenen die nur ein Charlie Chaplin auf diesem Niveau spielen kann. Er beweist ausgezeichnete Körperbeherrschung und wirkt sogar in den ungeschicktesten Situationen noch graziös und elegant. Doch nicht dieses Comedy Feuerwerk macht diesen Film zu dem was er ist. Der Faschismus wird hier auf die verschiedensten Arten aufs Korn genommen und vor allem ist es lustig das Charlie Chaplin mit jeder Verhöhnung die er gegen das Naziregime loslässt absolut recht hat. So zum Beispiel als er die Befehlskette der deutschen parodiert: Vier Soldaten laufen gemeinsam umher und der Befehl wird immer weitergegeben bis in der letzte des Trupps schließlich ausführen muss. Grandios ist auch wie Hitlers Reden parodiert werden. Hynkel redet einfach enthusiastisch drauf los, keiner versteht ihn, aber dennoch bekommt er tosenden Applaus. Der große Diktator bietet den Zusehern eine vortreffliche Unterhaltung und besitzt eine große Auswahl an Szenen die längst in die Filmgeschichte eingegangen sind. Ich empfehle besonders die Darstellung als Napolani und Hynkel ihren Friseurstuhl immer weiter nach oben kurbeln, die Schlussansprache und natürlich die berühmteste Szene, als Hynkel mit der Weltkugel tanzt. Vor allem letztere ist schlicht brilliant:

 

„Alles oder nichts, ich habe es in der Hand. Der Herrscher der Welt. Meiner Welt" Dann beginnt Hynkel den beängstig anmutigen Tanz mit dem Globus. Charlie Chaplin zeigt in dieser Szene sein ganzes Talent. Sowohl als Schauspieler, als auch als Drehbuchschreiber war diese Szene ein einfacher Geniestreich. Die Herrscher der Welt, spielen mit ihr. Es liegt an ihnen sie zerplatzen zu lassen.

 

Die Szenen als der jüdische Friseur gemeinsam mit Schultz kopfüber im Flugzeug fliegen hat auch längst Kultstatus erreicht und alleine schon die sagenhafte Ausstrahlung Chaplins animiert zum schmunzeln.  Der große Diktator ist als ganzes ein wunderbarer und charmanter Film der seinen Platz unter den Besten Filmen aller Zeiten längst eingenommen hat. Dabei zeigt Der große Diktator sowohl großartigen Humor, als auch dramatische Szenen im Ghetto bei dem einem das Lachen vergeht. Charlie Chaplin macht alles richtig und liefert uns ein zeitloses Meisterwerk das noch viele Generationen unterhalten wird.

 

Fazit:

Charlie Chaplin ist mit Der große Diktator eine gewagte Gratwanderung geglückt. Er hat uns einen Film hinterlassen, der sowohl unterhält, parodiert, als auch bewegt. Dabei symbolisiert der Film eins über die ganze Spieldauer hinweg: Die reine Menschlichkeit. Dieser charmante Film hat Charlie Chaplin endgültig unsterblich gemacht. Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch diesen wichtigen Film, der sowohl aus cineastischer Sichtweise, als auch aus menschlicher Sichtweise wegweisend war, gesehen haben.

 

Wertung:

9,5/10

Filmering.at
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Ø Wertung: 9.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
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Liste von Kathi
Erstellt: 08.09.2012