![]() ![]() Tyrannosaur - Eine Liebesgeschichte OT: Tyrannosaur Regie: Paddy Considine Drehbuch: Paddy Considine Darsteller: Peter Mullan, Olivia Colman, Eddie Marsan, Paul Popplewell, Ned Dennehy, Samuel Bottomley, Sally Carman, Sian Breckin, Paul Conway, Lee Rufford Filmstart: 20.01.2012 | Laufzeit: | Drama |
Joseph (Peter Mullan) ist das, was man in England „people with a temper“ nennt: Ein jähzorniger Pub-Bruder in Feinripp und Jogginghose – im Grunde seines Herzens humorvoll und gerecht, allerdings nie abgeneigt, einen Konflikt handgreiflich auszutragen. Als Joseph nach einem erneuten Wutausbruch nicht weiß wohin, findet er in Hannahs (Olivia Colman) Laden Zuflucht. Sie scheint das exakte Gegenteil von Joseph zu sein: kontrolliert, liebevoll, warmherzig und unerschütterlich in ihrem Glauben an das Gute im Menschen. Vorbehaltlos begegnet die verheiratete Frau aus besseren Verhältnissen dem Getriebenen und bringt sein zynisches Weltbild ins Wanken. Und auch wenn Joseph sich anfangs dagegen wehrt, berührt ihn Hannahs selbstlose Art. Sein harter Panzer beginnt ganz langsam zu bröckeln und eine zarte Bindung entwickelt sich zwischen den beiden. Als aus Freundschaft aber Zuneigung wird, muss Joseph erkennen, dass der Weg in die Zukunft durch die Untiefen des Lebens führt.
„I feel safe with you!“„Nobody is safe with me.“
Considine gibt seinen Darstellern wenig Zeit einander kennenzulernen. Mit einer Laufzeit von nicht einmal 90 Minuten sind einige Kniffe im Skript von Nöten um eine Entwicklung der Charaktere sicherzustellen. Diese machen sich auch bemerkbar, fallen durch klug eingesetzte Plot Points aber nicht zu stark ins Gewicht. Während der Regisseur ein klares Bild der einzelnen Figuren vermittelt, leidet die Skizzierung der Beziehung zwischen ihnen unter der kurzen Laufzeit. Ein Beispiel dafür ist Eddie Marsan, der als sadistisch-labiler Ehemann von Hannah eine nicht unwesentliche Rolle spielt aber dennoch eine stark begrenzte Screentime hat.
Fazit:
Tyrannosaur punktet als hoffnungsvolles Sozialdrama in einem hoffnungslosen Milieu vor allem durch die Schauspieler. Peter Mullan und Olivia Hannah übertreffen sich in dieser Charakterstudie mit ihrem nuancierten Spiel von Szene zu Szene gegenseitig. Dabei helfen ihnen die ruhigen, stabilen Bilder aus deren Dissonanz zu den aufwühlenden Emotionen sich eine schonungslos ergreifende Darstellung entfalten kann. Zusätzlich legt sich durch die Vielzahl von angedeuteten und nicht ausgeführten Gewaltexzessen eine antizipatorische Spannung über das Geschehen, welche die ungewöhnliche Liebesgeschichte zu einem kompromisslos unangenehmen und aufwühlenden Erlebnis macht. Einzig die unkritisch, ausstellende Auseinandersetzung und eine vereinzelt rührselig anmutende Musikuntermalung trüben den ansonsten schwer verdaulichen Schlag in die Magengrube.
Wertung:
8/10 Punkte
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