Der König der Löwen (1994)

OT: The Lion King - 88 Minuten - Zeichentrick
Der König der Löwen (1994)
Kinostart: 10.11.2011
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der König der Löwen

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1995 läutete Pixars Toy Story die Ära der Animationsfilme ein. Ein Jahr zuvor kam Disney's Der König der Löwen in die Kinos und darf mit Stolz von sich behaupten dem Zeichentrickgenre die Krone aufzusetzen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Disney Studios schrieb man eine völlig eigenständige Geschichte, die sich nicht von bereits bekannten Märchen, oder Geschichten aus eigenem Haus inspirieren ließ und das Ergebnis ist schlicht ein Meisterwerk. Der König der Löwen ist nicht nur der deutlich beste Film den Disney bis jetzt gemacht hat, er ist ein Meilenstein seines Genres.

Die Idee für den Film stand das erste Mal im Jahr 1989 im Raum, doch da wollte man bei Disney, dem Film noch einen gänzlich ernsten und realistischen Touch geben. Die Idee entwickelte sich und im Jahr 1991 beschloss man die ernste Geschichte auch mit lustigen Szenen und Musicalnummern aufzulockern. Als die Produktion schließlich anlief, sah man sie bei Disney nur als zweitrangiges Projekt hinter Pocahontas an, und die Zeichner wollte lieber am erfolgsversprechenderen Film mitarbeiten. Man glaubt nicht so wirklich an einen finanziellen Erfolg.

Doch die Sache änderte sich, als der erste Teaser zum Film veröffentlicht wurde, der im wesentlichen die Eröffnungsszene des Films zeigte, und die Zuseher diesen mit Begeisterung aufnahmen. Nun kam man das erste Mal auf die Idee, dass der Film ja doch ein Erfolg werden könnte, und so legte man sich bei Disney sehr ins Zeug und am weltweiten Starttag startete Der König der Löwen in 32 verschiedenen Sprachfassungen, darunter auch zum ersten Mal in der Disney Geschichte in der afrikanischen Sprache Zulu. Der Erfolg gab den Machern recht und Der König der Löwen ist mit einem Einspielergebnis von 791 Millionen Dollar der bis heute erfolgreichste, klassische Zeichentrickfilm aller Zeiten.

Der König der Löwen, Mufasa und seine Frau Sarabi bekommen ihren ersten Sohn, Simba. Traditionsgemäß wird dieser auf dem Königsfelsen dem wartenden Tiervolk präsentiert und wächst auf unter der Gewissheit später selbst einmal der König der Savanne zu werden. Sein Vater erklärt ihm dabei alles worauf es im Leben ankommt, vom Kreis des Lebens, dessen Teil sie alle sind, bis zu der wahren Bedeutung der Sterne am Himmel. Es gibt nur eines, was das Familienidyll trübt: Mufasas böser Bruder Scar hat es auch auf den Thron abgesehen und scheut vor nichts zurück um sein Ziel zu erreichen.

Er ist es schließlich auch, der Simba dazu anstiftet gegen den Rat seines Vaters zu handeln, und das geweihte Land gemeinsam mit seiner Freundin Nala zu verlassen um einen Elefantenfriedhof zu sehen. Doch Mufasa vereitelt Scars Plan und rettet die Kinder aus den Fängen der Hyänen. Doch Scar lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Er entwickelt einen teuflischen Plan, der Mufasa das Leben kostet und schlielich redet er Simba soviele Schuldgefühle ein, dass dieser das Land verlässt und sich versteckt. Auf seiner Reise lernt er schließlich das Warzenschwein Pumba und dessen Freund, das Erdmännchen Timon kennen. Gemeinsam genießen die drei das schöne Leben, doch die Vergangenheit droht Simba wieder einzuholen...

Eine rotglühende Sonne erhebt sich am Horiziont. In erhabenen Gegenschüßen sieht man die Reaktion der verschiedenen Tiere auf dieses Ereignis und man erhält einen wunderbaren, fragmentartigen Panoramaüberblick über den afrikanischen Kontinent. Unterlegt wird die Szenarie mit dem wunderbaren afrikanischen Gesang von Lebo M, der seinen Song The Circle of Life zum Besten gibt. Bereits in dieser Eröffnungssequenz saugt Der König der Löwen seine Zuseher auf und gibt einen stimmungsvollen Einblick in das was noch kommen soll.

Am Anfang steht die Geburt des kommenden Königs Simba, der von allen Tieren begrüßt wird. Disney hat es hier sowohl geschafft die Tiere zu verniedlichen, als auch ein durchaus gelungenes Bild der Nahrungskette aufzuzeigen. Der Kreis des Lebens ist überhaupt eines der Kernthemen des Films. Jedes Lebewesen ist vom Anderen abhängig, und anstatt ins kitschigen Pathos zu versinken bringt Der König der Löwen seine Botschaft schnörkellos und geradlinig an den Zuseher. Der Film trifft dabei immer den richtigen Ton und obwohl er an einigen Stellen sehr auf die Tränendrüse drückt, wirkt es nie aufgesetzt oder gar deplaziert. Man beweist immer punktgenaues Timing und der Film avanciert quasie zu DEM perfekten Familienfilm überhaupt.

Und dies ist auch was Der König der Löwen zu einem zeitlosen Klassiker macht. An diesem Werk werden alle Alters- und Gesellschaftsschichten ihre Freude haben. Die Kleinen bekommen wirklich makellos vorgetragene Musicalnummern, mit pompöser Inszenierung und vor allem viel Herz. Die Erwachsenen können ihren Blick etwas mehr ins Innere des Films schweifen lassen und werden ebenfalls nicht enttäuscht werden. Denn Der König der Löwen ist vor allem ein ernsthaftes Drama, dass in seinen Grundzügen, in der Geschichte rund um Königsmord und Familienstreit, sicher nicht allzu wenig von William Shakespeare geprägt wurde.

Man hat hier genau die richtige Balance gefunden um die ernste und tragische Grundgeschichte mit viel Humor und Gesangseinlagen aufzuheitern. Eine wahre Meisterleistung ist den Disney-Leuten auch beim Figurendesign gelungen. Natürlich haben sie bei ihren Charakteren einiges bewusst überzeichnet, aber dies nur um die Wirkung der Geschichte noch zu verstärken. Mufasa ist der edle, makellose und gerechte König, der von seinem durch und durch verdorbenen Bruder Scar gestürzt wird. Simba ist dabei die Figur auf dessen Schultern immer die Sympathien liegen. Der klassische Held, der vor seiner Vergangenheit flieht, aber sich schließlich doch um seine Pflichten kümmert. Als Sidekicks werden den Protagonisten noch die beiden Spaßvögel Timon und Pumba zur Verfügung gestellt und den Antagonisten die drei verrückten Hyänen Shenzi, Banzai und Ed.

Doch nicht nur die Figuren, sondern auch die Sprecher, die ihnen, zumindest im englischen Original, Leben einhauchen, haben es in sich. Mufasa bekommt von niemand geringers als James Earl Jones, der auch schon Darth Vader in Star Wars seine Stimme leihte, sein tiefes Timbre verleiht und in den Rollen der Hyänen findet sich unter anderem Hollywood Legende Whoopi Goldberg. Auch Rowan "Mr. Bean" Atkinson darf mitwirken, und hat als Zazu eine zwar kleine, aber nicht minder komische Rolle. Das wahre Highlight unter den Sprechern ist allerdings Charakterdarsteller Jeremy Irons, der in die Rolle des Bösewichts Scar schlüpft und dabei sichtlich Spaß hatte.

Dabei finden sich in Der König der Löwen unglaublich viele Anspielungen an andere Werke. Alleine die Grundzüge der Geschichte sind ein sehr deutliche Hommage an Hamlet: Der König wird von seinem Bruder getötet. Dieser Mord bleibt ungesühnt, bis der Prinz schließlich im Traum den Geist seines Vaters sieht und seinen Onkel doch noch aus Rache tötet. Zumindest so ähnlich spielt sich die Geschichte auch in Der König der Löwen ab. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Zum Beispiel wird Scar bei seinem Lied "Seid bereit" so in Szene gesetzt als wäre er der Diktator der Hyänen. Deren Aufmarsch im Stechschritt erinnert schließlich nicht von ungefähr an die Nazizeit, ist die Szene doch deutlich von Leni Riefenstahls Propagandafilm Triumph des Willens inspiriert. So will man Scar als Unterdrücker und Feind manifestieren. Auch Pumbas Reaktion, als ihn eine Hyäne Sau nennt, ist nicht zufällig, sondern mit der ständigen Wiederholung "Redest du mit mir?" eine eindeutige Referenz an Taxi Driver.

Schließlich bleibt noch die wohl traurigste Szene des Films zu erwähnen, in denen Disney das erste Mal den genauen Tod eines Protagonisten zeigt. Mufasas Ableben ist nicht nur für Kinder, sondern sicher auch für die Erwachsenen das traurigste Ereignis des Films und neben dem Tod von Bambis Mutter eines der bedrückendste Ereignisse der westlichen Zeichtrickgeschichte. Danach geht man mit viel Herz ans Werk um den weiteren Weg von Simba zu schildern. Nachdem ihm Scar Angst macht flieht er und beginnt ein neues Leben. Doch die Vergangenheit soll ihn später einholen und er muss zu seinen Pflichten stehen.

Neben diesen inhaltlichen Werten kann Der König der Löwen jedoch auch durch seine technische Umsetzung überzeugen. In wunderbar kräftigen und stimmungsvollen Bildern wird der Film vorangebracht, und somit schafft er es kurz vor der Trendwende zum Animationsfilm die wahrscheinlich ausgereifteste Zeichentricktechnik abzuliefern. Und es ist um es kurz zu sagen, gerade in der heutigen Zeit, wieder sehr erfrischend einmal einen klassischen Zeichentrickfilm zu sehen. Eine Computeranimation hat es dann allerdings doch in den Film geschafft: Die gigantische Gnu-Herde, die auf Simba zuläuft, ist komplett am Computer entstanden und wurde so in den gezeichneten Hintergrund eingefügt.

Neben diesen visuellen Aspekten ist es allerdings, vor allem die Musik, die aus dem Film hängen bleibt. Dies beginnt bereits mit der stimmungsvollen Einführung durch das Lied Circle of Life, welches genauso wie der Song Hakuna Matata für den Oscar nominiert wurde, und endet mit dem oscarprämierten Elton John Song Can You Feel the Love Tonight. Einen weiteren Oscar gab es für die Filmmusik von Hans Zimmer, der mit seiner Mischung aus klassischer Musik und traditionellen afrikanischen Klängen einen der eindringlichsten Scores der Filmgeschichte geschrieben hat. All diese Komponenten ergeben zusammen ein perfektes Kunstwerk und jeder der diesen Film noch nicht gesehen hat sollte es schnellstens nachholen. Denn Der König der Löwen ist nicht nur der ultimative Familienfilm, sondern auch einer der bewegendsten und besten Zeichentrickfilme überhaupt. Ein Meisterwerk!

Fazit:
Der König der Löwen hat alles was ein Klassiker braucht. Mit seiner Mischung aus ernster Geschichte, mit auflockerndem Humor und wundervoll inszenierten Muscialnummern wird er Groß und Klein gleichsam begeistern. Ein gelungener Subtext und nette Anspielungen tragen den Rest dazu bei um den Film auf inhaltlicher Ebene überzeugen zu lassen. Hinzu kommt noch der wunderschöne Zeichenstil und eine Filmmusik die es wahrlich in sich hat. Geniale und gefühlvolle Songs gehen Hand in Hand mit dem eindringlichen Score von Hans Zimmer. An diesem Film stimmt einfach alles und ich würde ihn jedem ans Herz legen der sich nur halbwegs für Filme interessiert.

Wertung:
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