Die Kunst zu gewinnen - Moneyball (2011)

OT: Moneyball - 133 Minuten - Biographie / Drama / Sport
Die Kunst zu gewinnen - Moneyball (2011)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 21.06.2012 - Blu-ray-Start: 21.06.2012
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Filmkritik zu Die Kunst zu gewinnen - Moneyball

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Baseball ist in Amerika das, was für uns in Europa Fußball ist. Die amerikanische Botschaft betitelt das Spiel sogar als „Die Sportart, die unter Amerikanern mehr Nostalgie als jede andere hervorruft“. Fakt ist, jährlich widmen sich 70 Millionen Zuschauer den insgesamt über 2400 Saisonspielen in der Regular Season der Major League. Gemeint sind hier übrigens 70 Millionen Stadionzuschauer. Nicht nur diese beachtliche Anzahl an Fans des Sports, sondern vor allem den finanziellen Wert eines einzelnen Profispielers spiegeln die Popularität dieses Sports wieder. Ein durchschnittlicher Major League Spieler vedient heutzutage im Jahr mehrere Millionen Dollar (exkl. diverser lukrativer Werbeverträge) – die Gemeinsamkeiten mit bekannten Fußballspielern a la Ronaldo oder Ribery sind also auch hier sichtbar.

Während bis ins Jahr 2002 Spieler aufgrund ihrer momentanen Leistung, ihres Alters und ihres Gesungsheitszustandes aufgestellt wurden, spielt mittlerweile – unglaublich aber wahr – Mathematik ebenso eine Rolle. Ausschlaggebend war dafür eine finanzielle Krise der Oakland Athletics und der Mut ihres General Managers Billy Beane, der nun in Moneyball von niemand anderem als Brad Pitt verkörpert wird.

2002 ist ein schlechtes Jahr für die Oakland A’s. Diverse Clubs haben mit viel höheren Geldbeträgen viele Spieler der Athletics dazu gebracht das Team zu wechseln und Billy (Pitt) ist gezwungen die Mannschaft komplett neu aufzustellen. Die Frage ist jedoch wie, denn richtig gute, aktuell bekannte Player kann er sich nicht leisten. Bill James, ein amerikanischer Buchautor und Statistiker, stellte bereits Ende der 1970er Jahre die Theorie auf, mithilfe einiger statistischen Formeln Baseball mathematisch darstellen zu können und so – ähnlich wie beim Poker – aus dem Sport eine Wahrscheinlichkeitsrechnung zu machen. Oftmals ausgelacht, nahm kaum jemand diese Behauptung ernst, es musste erst Billy Beane in eine finanzielle Einbahn fahren, bis sie tatsächlich auf dem Spielfeld angewandt wurde. Schnell findet er, was/ wen er sucht: Yale-Absolvent Peter Brand (Jonah Hill) ist nicht nur ein kleines Genie in Sachen Zahlen, sondern glaubt fest an James‘ Theorie und bald spuckt der Computer Namen von Spielern aus, die nicht nur kostengünstig(er) sind, sondern vor allem auch etwas drauf haben. Der Rest des Teams, alle Field Manager (allen voran Philip Seymour Hoffman), die Medien und auch Fans reagieren wütend und mit Unverständnis. Wie sollen (zu) alte, angeschlagene und im Privatleben ausschweifende Spieler je die Playoffs gewinnen? Man stellt immer mehr die Zurechnungsfähigkeit des General Managers in Frage und erst nach einer repräsentanten Anzahl an Spielen, zeigt sich langsam dass die mathematischen Formeln aufgehen.

Billy Beane ist mittlerweile 50 Jahre alt und mittlerweile auf Platz Nummer 10 der Top 10 GMs/Executives of the Decade in all sports von Sports Illustrated gewählt worden. Selbst er hätte sich wohl niemals gedacht, dass nach einer ganzen Saison an Verachtung und Medienhetze, er schlussendlich zusammen mit schon damals über 20 Jahre alten Theorien von Bill James in eine derartige Rangliste gewählt und vor allem den gesamten Sport revolutionieren und verändern würde.

Dem  durchschnittlichen Europäer wird es schwer fallen, sich vollends in das patriotische Baseballthema fallen zu lassen. Sowohl die internen Strukturen des Sports, als auch die externen Persönlichkeiten der Spieler sind unsereinem nahezu unbekannt und viel zu unangreifbar, als sich eine Meinung bilden zu können. Dass der Film vor allem in Amerika derart gelobt wird, ist schon allein anhand der Anzahl der verkauften Tickets für die Spiele jedes Jahr verständlich. Als nicht- Baseball Fan bleibt einem folglich nichts anderes übrig, als das Gesamtkunstrukt zu beurteilen und hier ist Moneyball eine solide, spannende, wenn auch mit einigen Längen inszenierte Sportlerbiographie, die einem interessante Einblicke in die Welt des Baseballs und den Unsummen der Sportlergagen bietet. Brad Pitt spielt den versteckt cholerischen Einzelgänger – Manager genauso überzeugend, wie Philip Seymour Hoffman den absolut nicht erfreuten Field Manager, der sich so lange wie nur möglich weigert die Spielzüge auszuführen, welche ihm Pitt ans Herz legt. Auch Jonah Hill passt wie angegossen in die Rolle des viel zu dicken Schreibtisch- Nerds, höchstwahrscheinlich weil er im echten Leben ein genauso viel zu dicker Schreibtisch- Nerd (jedoch ohne Yale Abschluss) ist.

Ja, der Film macht wirklich wenig falsch, einzig und allein der Versuch Beanes Familienleben miteinzubringen und die Problematik zu erzählen, sein Kind aus der gescheiterten Ehe über eine „Fernbeziehung“ erziehen zu müssen, scheitert streckenweise. Sobald man versucht sich in die teilweise absurd business- und Geld- gesteuerten Baseballmysterien einzulassen, wird man von einem halbgaren Familienmoment abgelenkt, der sich erstaunlicherweise nicht wirklich ausschlaggebend für Billy’s Handlungen auswirkt. Man hätte diesen Side- Story Strang ruhig weglassen können, was den Film zwar kürzer – jedoch genauso gut gemacht hätte. Wahrscheinlich wollte man den General Manager nicht nur als harten Geschäftsmann, der ohne mit der Wimper zu zucken Spieler feuert, darstellen, sondern auch eine andere, weiche, emotionale Seite von ihm darstellen, was leider in dieser Art nicht funktionieren kann.

Fazit:
Moneyball ist eine gute, solide Sportlerbiography mit einem guten, soliden Cast. Den nostalgischen Erfolg, welchen er jetzt schon in Amerika erreicht hat, wird er wohl hier bei uns in Europa nicht erlangen, trotzdem bleibt der Film vor allem für Sportfilmfans eine gute Wahl.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 36
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