City of God

OT: -  128 Minuten -  Ghetto / Drama
City of God
Kinostart: 08.05.2003
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu City of God

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Die City of God ist eines der Favelas von Rio de Janeiro. In diesem Armenviertel müssen sich viele der Jugendlichen mit Verbrechen über Wasser halten. Einer von ihnen ist der rücksichtlose Dadinho (Leandro Firmino da Hora), der von allen Löckchen genannt wird. Schon als Kind bewundert er die Verbrecher und läuft nur in Begleitung der White Angels, einer Bande die von Cabeleira (Jonathan Haagensen) geleitet wird, herum und beliefert sie mit Ideen für neue Raubüberfälle. Als sie jedoch eines Tages ein Motel überfallen rastet er aus und tötet alle. Löckchen sieht dass sich alle seine Probleme mit Gewalt lösen lassen. Er hält sich mit kleinen Gaunereien über Wasser bis er erwachsen ist. Nun nennt er sich Locke und will der Boss in der City of God werden. Er tötet alle Kontrahenten und lässt nur auf bitten seines Freundes Bené (Phelipe Haagensen) einen am Leben: Nur Sandro (Matheus Nachtergaele), der von allen Karotte genannt wird darf weiter arbeiten. Bené ist klug, sympathisch und zu allen nett. Eigentlich passt er gar nicht zu Locke, jedoch ist er von klein auf sein Freund, und der einzige der ihn zurückhalten kann. Doch dann verliebt sich Bené in Angélica (Alice Braga) und will aus dem Geschäft aussteigen. Im Gewirr seiner Abschiedsparty wird er mit einer Kugel erschossen die eigentlich Locke gebührte. Dieser ist nun durch nichts und niemanden zu bremsen. Er erklärt Karotte den Krieg und dreht vollkommen durch. Auf offener Straße vergewaltigt er die Freundin von Mane (Seu Jorge). Doch dieser schwört Rache und steigt zum Helden der City of God auf. Er schließt sich Karotte an und zieht mit ihm in den Krieg gegen Locke. Abseits dieses Geschehen gibt es noch den Erzähler dieser Geschichte: Nur mit dem Traum Fotograf zu werden und einer Kamera bewaffnet lebt Buscapé (Alexandre Rodrigues, als Kind: Luis Otávio) mitten in der City of God und hält alles auf Fotos fest...

 

Fernando Meirelles Meisterwerk City of God basiert auf dem brasilianischen Roman "Cidade de Deus" von Paulo Lins und ist das wahrscheinlich authentischste Werk zu diesem Thema. Die vorhanden Problematik der Armut wird schonungslos in all ihren Auswirkungen portraitiert und ohne jedes Tabu präsentiert. Dem Zuseher wird ein Einblick in die Lebensverhältnisse dieser Menschen gezeigt und die von ihnen ausgewirkte Gewalt wird zwar einerseits als allgegenwärtige Bedrohung gezeigt, jedoch wird sie nie übertrieben dargelegt und es wird stets gezeigt was zu dieser Eskalation führt. Der Film behandelt einen Zeitraum von 25 Jahren und nimmt sich viel Zeit für seine Hauptfiguren. Allen voran steht Buscapé, der weder den Weg eines Verbrechers, noch den eines Gesetzeshüter einschlagen will. Er will aus diesem Höllenviertel fliehen und als Fotograf die Welt bereisen.


Die City of God selbst wird uns als in sich abgeschlossene und nach außen abgeschottete Welt gezeigt in der ihre eigenen Gesetze herrschen. Über kleine Verbrechen sehen die Polizisten hinweg, und sollte einmal etwas größeres Geschehen hat keiner etwas gesehen. Paradoxerweise funktioniert das System als Locke an der Macht ist. Er unterbindet jegliches Verbrechen in seinem Viertel und die Bewohner der Stadt Gottes können das erste Mal in Frieden Leben. Doch am Höhepunkt seiner Gangsterkarriere passiert Locke genau das was allen erfolgreichen Verbrechern passiert: Der Erfolg steigt ihm zu Kopf und er will immer mehr. Doch seine Gier bringen ihn schließlich zu Fall. Sein Gegenspieler Mane beginnt den Kampf gegen Locke als edler Ritter, der sich am Gangsterboss rächen will und auf keinen Fall Unschuldige verletzen will. Doch um an Geld für Waffen zu kommen muss er mit seiner Truppe Geschäfte überfallen. Einmal damit begonnen kann Mane nicht mehr aufhören und der Sog des Verbrechens zieht ihn immer mehr hinab. Am Ende ist er nicht mehr viel besser als Locke.

 

City of God bietet sozialkritische Ansätze ohne Ende. Die Auswirkungen der Armut auf die Menschen Brasiliens wird feinfühlig analysiert und auf erschütternde Weise offenbart. Dieser Film öffnet allen die Augen die denken das es auf der Welt jedem so gut geht wie uns. Der Zuseher wird gezwungen sich das Leid dieser Bevölkerung anzusehen und hat keine Möglichkeit sich abzuwenden. Genau wie uns unser Wohlstand bereits normal und selbstverständlich erscheint, genauso ist für die Menschen in der City of God Armut und Gewalt selbstverständlich.

 

Gewalt ist ein allgegenwärtiges Thema des Films. Sie lauert an jeder Straßenecke und kann jederzeit zuschlagen. Selbst die allerkleinsten der Stadt müssen schon auf Gewalt zurückgreifen um zu überleben. Unterstützt wird das ganze durch den brillanten dokumentarischen Stil des Filmes, der den Zuseher auf Grund vieler Handkameraszenen sehr nahe ans Geschehen bringt und ihn die plötzlich ausbrechende Gewalt umso intensiver spüren lässt. Die generelle Kameraarbeit des Film ist einfach fantastisch. Es wird von grandiosen Kameraschwenks bis hin zu Kamerafahrten alles geboten was das Herz begehrt. Unterstützt wird dies durch die virtuose Schnitttechnik, die die vielleicht beste aller Zeiten ist und zu einem optischen Highlight nach dem anderen führt.

 

Den ganzen Film kann man nicht genug loben. Fernando Meirelles ist es gelungen eine fabelhafte Charakterzeichnung auf die Beine zu stellen, die alle Hintergründe der Hauptfiguren offenbart und der Geschichte viel Tiefe verleiht. Obwohl es nicht leicht ist diese Gewalt zu billigen, wird uns doch genau erklärt warum es dazu kommt. Diese Menschen haben einfach keine andere Wahl. Sie können sich nur so am Leben halten.

 

Das ganze wird uns durch viele Zeitsprünge veranschaulicht, die durch die brillante Schnitttechnik perfekt ins Bild gerückt werden. Die Rückblenden werden von Buscapé aus dem Off kommentiert. So wird uns in genialen Bildern zum Beispiel die Geschichte eines Drogenumschlagplatz geschildert. Dabei wird viel Sarkasmus und Witz eingesetzt, was den Zusehern an vielen Stellen sehr gut unterhält. Doch City of God lässt nie vergessen das es ein todernster Film ist, in dem nicht allzu viel Zeit für Scherze ist.

 

Vielerorts wurde City of God mit Martin Scorseses Werken Goodfellas und Gangs of New York verglichen. Insgesamt ist da sicher etwas dran, obwohl sich bei näherer Betrachtungsweise einige Unterschiede ergeben: Das Verbrechen in Goodfellas wirkt viel ergiebiger als das in City of God, wo sich alles nur ums nackte Überleben dreht. Gangs of New York schließlich hat einige Ähnlichkeiten mit City of God, jedoch ist City of God nicht ein direktes Duell Mann gegen Mann wie Scorsese es im Kampf Daniel Day Lewis gegen Leonardo Di Caprio zeigt, sondern viel mehr ein Portrait der  Armut. Aber eines haben diese Werke eindeutig gemeinsam: Alle schildern die vorhanden Lage objektiv ohne mit einer Moralpredigt zu enden.  Dem Zuseher wird selbst überlassen was er vom gezeigten halten will.

 

Was City of God entgültig zu den besten Filmen aller Zeiten zählen lässt ist dass das Kunststück gelingt neben dem kritischen Hintergrund auch noch eine perfekt durchdachte, spannende Geschichte zu erzählen. Viele Gesellschaftskritische Filme haben das Problem dass sie zwar wirklich informativ sind und den Zuseher auch zum denken anregen,  aber dafür keine wirklich interessante Geschichte haben. City of God hat eine interessante Geschichte. Noch dazu eine wahre. Fernando Meirelles geht einen anderen Weg als alle anderen Regisseure: Im Normalfall wird sofort am Anfang des Films sofort darauf hingewiesen das alles wahr ist und auch auf der DVD Hülle schreit einem dieser Satz sofort entgegen. Nicht so in City of God: Es wird sich Zeit genommen um die Geschichte zu erzählen, und als diese zu Ende ist trifft einem das Eingeblendete „basierend auf einer wahren Geschichte" wie ein Faustschlag.

 

Fazit:

Eine wahre Geschichte, die zu denken anregt und trotz tiefsitzender Sozialkritik eine spannende Story bietet. Perfekt!

 

Wertung:

10/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.8/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 57
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