Zurück zu einem unbekannten Anfang

OT: -  100 Minuten -  Doku
Zurück zu einem unbekannten Anfang
Kinostart: 12.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Zurück zu einem unbekannten Anfang

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An dieser Stelle möchte ich mich bei den interessierten Lesern entschuldigen, falls ich etwas vom Thema abkommen sollte, aber im Vorfeld zur Filmkritik von Zurück zu einem unbekannten Anfang möchte ich etwas loswerden. Als Filmkritiker fällt es durchaus einfacher, eine seelenlose Produktion zu verreißen, als wenn man erkennt, dass sich die Filmemacher aus persönlichen Gründen in ein Projekt gestürzt haben. Denn man weiß ja, dass hinter dem Projekt die großen Studios stehen, die es finanzieren und bereits vor Drehbeginn wussten, dass dieser Film nur dazu gemacht wird, um etwas Geld in die Kassen zu bringen. In so einem Fall kann man als Kritiker ohne schlechtes Gewissen den Film verreißen und weitermachen.

Doch speziell im Jahr 2007 schafften es einige österreichische Dokumentationen in die Kinos, denen man viel vorwerfen kann, aber sicher nicht, dass sie nur aufs schnelle Geld aus sind. Hinter jedem dieser Filme kann man die Menschen sehen, die sie gemacht haben, und man merkt sofort, dass sie mit voller Überzeugung bei der Arbeit waren. Nur leider haben Filme wie Meine liebe Republik, Keine Insel, Prater und eben auch der hier besprochene Zurück zu einem unbekannten Anfang das Problem, dass sie sich qualitativ nie über Fernsehniveau hinausbewegen und im Kino eigentlich nichts zu suchen haben. Nur ist es eben als Fimkritiker durchaus mühsam, einen dieser Filme nach dem anderen zu verreißen, da man den Machern ja auch nicht Unrecht tun will.

Nur werden Filmkritiken nun mal nicht für die Filmemacher, sondern für das Publikum geschrieben. Es würde niemandem etwas bringen, wenn man solchen Filmen Mitleidspunkte geben würde, denn wir wollen ja dem Zuseher dabei helfen, sein Kinoprogramm zu optimieren, sodass er sich nicht alles selbst ansehen muss, sondern schwächere Filme auslassen kann. Deshalb an dieser Stelle eine Nachricht an die heimischen Filmemacher, die sich für die erwähnten Dokus verantwortlich zeigen, falls sie denn einmal über diese Kritik stolpern sollten: Bitte nicht persönlich nehmen, aber solche Dokus gehören nicht ins Kino und das muss auch gesagt werden. Auch wenn man das ehrliche Interesse der Filmemacher an ihrem Thema sofort erkennt.

Alzheimer ist eine Krankheit ohne Gnade. Sie zerstört langsam, aber bestimmt das Gehirn des Opfers und führt über leichte Anflüge von Vegesslichkeit bis zum Verlust des Verstandes. Die Krankheit tritt selten vor dem 60. Lebensjahr auf und wurde das erste Mal durch den Arzt Alois Alzheimer an der Patientin Auguste Deter diagnostiziert. Weltweit sind etwa 26,6 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen, und was besonders schlimm für die Opfer ist, ist, dass es keine Heilung gibt. Alzheimer lässt sich lediglich verzögern.

Regisseur Helmut Wimmer gewährt uns in Zurück zu einem unbekannten Anfang einen Einblick in das Leben von fünf Familien, die alle mit der Krankheit zu tun haben. Familie Schnetzler aus Voralberg kümmert sich um die erkrankte Mutter, das Ehepaar Laad steht kurz vor seiner Diamantenen Hochzeit, die 52 jährige Frau Hartl muss Tag für Tag von ihrem Sohn gepflegt werden, den die Hilfe quasi jedes Privatleben kostet, Frau Moser ist ebenfalls an Alzheimer erkrankt, will aber auf keinen Fall in ein Heim, sondern bei ihrem Mann bleiben, und die Bauernfamilie Brunner muss sich mit einem alzheimerkranken Familienoberhaupt herumschlagen.

Helmut Wimmer verzichtet dabei auf jeden Firlefanz und gewährt dem Zuseher lediglich einen Einblick in die Welt der fünf gezeigten Familien. Auffällig ist sowohl das Fehlen jeder Art von Musik, als auch der Verzicht eines Moderators oder Erzählers, der die gezeigten Bilder kommentieren könnte. Zurück zu einem unbekannten Anfang beschränkt sich nur darauf, die alltäglichen Dinge in den Familien zu zeigen und zu beleuchten, wie die Krankheit Einfluss auf ihr Leben nimmt. Vom Waschen des Kranken über Spaziergänge und Gespräche immer ist die Kamera dabei, um alles zu dokumentieren.

Das Problem hierbei ist nun, dass Zurück zu einem unbekannten Anfang, bedingt durch seinen Stil, nie bis zum Zuseher durchdringen kann. Auch versäumt man es, eine wirklich ernste Auseinandersetzung mit der Krankheit Alzheimer abzuliefern. Durch das Zurückschrauben aller Stilmittel bleibt nicht mehr viel übrig und so sieht man als Zuseher eigentlich knappe 100 Minuten dabei zu, wie andere Menschen ihren, sicher aufreibenden, Alltag bewältigen. Stellenweise wirkt es so, als würde man einfach ein Homevideo von irgendeiner Familie sehen. Und das ist auch genauso langweilig wie es sich anhört.

Warum wird solch ein Film ins Kino gebracht? In einem Medium, das er in keiner Sekunde ausreizen kann und sich selbst so dem Untergang weiht, ist Zurück zu einem unbekannten Anfang eine riesige Enttäuschung. Ein Sendeplatz im ORF wäre, wie bei den ganzen anderen österreichischen Dokumentationen, die dieses Jahr ins Kino gelassen wurden, die bessere Alternative. Denn so wie der Film jetzt vermarktet wird, wird er wohl in der riesigen Konkurrenz untergehen. Denn wer geht schon ins Kino um sich eine solch minimalistische Doku anzusehen?

Fazit:
Ich will gar nicht bestreiten, dass Zurück zu einem unbekannten Anfang mit viel Herzblut gemacht worden ist. Nur man muss eben das bewerten, was man schließlich im Kino zu sehen bekommt. Und in diesem Fall ist dies ganz einfach ein Homevideo ohne Flair und Drive, welches das Publikum wohl nur langweilen wird. Empfehlenswert ist dieser Film nur für ein sehr interessiertes Publikum, denn alle anderen werden sich damit nur quälen. Im Kino hat dieser Film aber definitiv nichts zu suchen!

Wertung:
3/10 Punkte

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