Die schwarze Dahlie (2006)

OT: The Black Dahlia - 121 Minuten - Noir / Thriller
Die schwarze Dahlie (2006)
Kinostart: 05.10.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die schwarze Dahlie

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Die Aufs und Abs in der Karriere des eigentlich begnadeten Filmemachers Brian De Palma („Carrie“, „Scarface“) haben eine lange Tradition. Auf seinen wieder besseren „Femme Fatale“ im europäischen Exil folgt deswegen mit „The Black Dahlia“ auch die völlig verkorkste Adaption des gleichnahmigen James Ellroy – Romans. Ellroys komplexe Romane in verfilmbare Drehbücher ist bekanntlich eine schwierige Aufgabe und gelang bisher nur einmal Curtis Hanson mit „L.A. Confidential“. Der Rest enttäuschte entweder oder stellte nicht mehr als einen akzeptablen Kompromiss dar.


Auch „The Black Dahlia“ scheitert an seiner umfangreichen Vorlage, weil Drehbuchautor Josh Friedman („Chainreaction“, „War of the Worlds“) als er das Skript verfasste offensichtlich selbst den roten Faden verlor und ein undurchsichtiges Geflecht diverser Subplots zusammenmixt, durch das man in Unkenntnis der Vorlage kaum noch durchsteigt. Infolge mangelt es an Spannung, Nachvollziehbarkeit, Dramatik und leider auch charismatischen Figuren mit Tiefenzeichnung. Gegen Hansons Klassenprimus muss sich De Palmas enttäuschender Thriller somit in allen Instanzen deutlich geschlagen geben.

„The Black Dahlia“ kann man noch seine beeindruckend authentische aber auch verschwenderische Ausstattung und seine soliden Darstellerleistungen zugute halten, der De Palma – Faktor fehlt hingegen. Der Regisseur filmt zwar absolut souverän mit all seinen bekannten Stärken ib absolut edler Optik, seinen Stempel kann er dem Geschehen dieses Mal aber nicht aufdrücken. Vor allem die eintönig hellbraune, sehr sterile Bildgestaltung gereicht dem Film sehr zum Nachteil. Alles irgendwie ganz nett anzusehen, aber nie richtig griffig und schmuddelig sondern viel zu gelackt und poliert.

1947 in Los Angeles: Josh Hartnett („Pearl Harbor“, „Lucky Number Slevin“) und Aaron Eckhart („Paycheck“, „Thank You For Smoking“) spielen das zentrale, boxende Cop-Duo, das nach einem politisch vorteilhaften PR-Kampf zusammen Jagd auf Kriminelle machen darf, weil sie dem Polizeiapparat einen Batzen Geld eingebracht haben. Blanchard (Eckhart) spielt den erfahrenen Mentor und Bleichert (Hartnett) schnappt begierig alles auf, stellt aber schnell fest, dass sein labiler Partner so seine Leichen im Schrank hat und sich ebenso oft merkwürdig verhält. Vor allem der bestalische Mord an der jungen Elizabeth Short (Mia Kirshner, „The Crow: City o Angels“, „Dark Summer“) geht ihm doch sehr zu Herzen, treibt ihn zu Panikreaktionen. Ständig verliert er die Contenance und steigert sich in einen Wahn, der mit seiner Vergangenheit verknüpft ist.

Auf der Suche nach dem Mörder stolpern die beiden über die typischen Ellory-Elemente beziehungsweise traditionelle Personen des Film Noir. Die Femme Fatale taucht natürlich auf, die gar nicht so glänzende Fassade der Polizei wird eingerissen, Beziehungsknatsch trübt das Urteilsvermögen und rätselhafte Figuren, die offensichtlich etwas zu verbergen haben, kreuzen die Wege der beiden Cops. Leider versandet das Geschehen dabei zusehends. Edel-Support wie Scarlett Johansson („The Island“, „The Prestige“) verblasst zunehmend und selbst beklemmende Momente, in denen Emotionen hochkochen, verfehlen komplett ihr Ziel. Ich muss zugeben, dass die Handlung mich irgendwann nicht mehr interessiert hat, obwohl ich mir Mühe gegeben habe am Ball zu bleiben. Aber „The Black Dahlia“ wirft mitunter vor allem in den Dialogen und Voice-Overs mit Erkenntnissen um sich, die man als Zuschauer nicht gleich nachvollzieht, weil man den Namen nicht sofort den dazugehörigen Gesichtern zuordnen kann.

Von niedriger Identifikation sind auch die Charaktere angelegt, für deren Schicksale man innerhalb der zwei Stunden nie mehr Interesse als dringend notwenig übrig hat. Der Mangel an kernigen Typen, an deren Darstellung vor allem Josh Hartnett, in seiner Darstellung einfach viel zu weich und uncharismatisch, scheitert und der immer weiter sinkende Spannungspegel neutralisieren De Palmas inszenatorische Qualitäten zunehmend und führen den vermeintlichen Protagonisten letzten Endes zu einer enttäuschenden Auflösung, die sicherlich einen augenzwinkernden Seitenhieb auf die Glitzerwelt Hollywoods darstellen soll. Bis dahin hat „The Black Dahlia“ aber schon große Mühen um überhaupt über die Runden zu kommen. Die in den letzten 30 Minuten ausgespuckten Erkenntnisse mögen überraschend gemeint sein, entfachen angesichts der biederen Vorstellung aber kaum noch Verblüffung. Wirkung verfehlt.

 

Fazit:
Enttäuschende Verfilmung des James Ellroy – Romans, die allenfalls noch eine durchschnittliche Bewertung verdient hat. Brian De Palma inszeniert gewohnt souverän, die Ausstattung ist vom Feinsten und die zumindest von den Namen her beeindruckende Darstellerriege kann in seinen wenig Tiefe besitzenden Figuren soweit aufgehen. Das mit zunehmender Laufzeit allerdings total zerfasernde Drehbuch stellt mitunter alle Beteiligten mit heruntergelassener Hose bloß. Angesichts des Potentials, das in dieser Produktion steckte, schon ein kleines Ärgernis. Im Kino wollte den Film dann auch kein Mensch sehen – typisch Millennium Films halt.

 

Wertung:

5/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
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