London Boulevard (2010)

OT: London Boulevard - 103 Minuten - Krimi / Drama / Romanze / Thriller
London Boulevard (2010)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 05.04.2012 - Blu-ray-Start: 05.04.2012
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Filmkritik zu London Boulevard

Drehbuchautor William Monahan etablierte sich mit seinem ersten Drehbuch zu Ridley Scotts Königreich der Himmel (2005) auf die Wunschliste mehrerer Filmemacher Hollywoods. Somit engagierte ihn Gangs of New York-Regisseur Martin Scorsese für seinen Thriller The Departed, um das Skript von Infernal Affairs zu adaptieren. Bei der Oscarverleihung 2006 gewann William Monahan den Oscar für das Beste Adaptierte Drehbuch für Departed – Unter Feinden. Nach dieser wichtigen Ehrung verfasste er die Drehbücher zu Ridley Scotts Der Mann der niemals lebte (2008) und  zu Martin Campbells Auftrag Rache (2010). In der Zwischenzeit entschloss er sich das Filmprojekt London Boulevard, welches auf dem Buch von Ken Bruen basiert, zu verfilmen. Er konnte dafür Stars wie Colin Farrell (The Way Back, Fright Night) und Keira Knightley (Last Knight, Fluch der Karibik) gewinnen und schrieb das Drehbuch selbst, sodass eigentlich bei seinem Regiedebüt nichts mehr schief gehen konnte. Doch genau das, was er eigentlich am besten beherrschen sollte, schwächelt beim Gangsterfilm London Boulevard ganz besonders – das Drehbuch.

Der Gangster Mitchel (Colin Farrell) wird nach drei Jahren aus dem Gefängnis entlassen und trifft vor dem Knast gleich seinen alten Freund Billy (Ben Chaplin), der ihm eine Unterkunft besorgt. Billy, der weiterhin ein Ganove ist, bringt Mitchel zu einer „Willkommen zurück“-Feier in ein Lokal, indem Mitchel viele ehemalige Freunde wiedersieht.  In der Bar lernt er die Schauspielerin Penny (Ophelia Lovibond) kennen, die ihn in eine Villa führt. Dort wartet ein neuer Job auf ihn. Als Bodyguard des zurückgezogenen Filmstars Charlotte (Keira Knighltey) kümmert er sich um die äußerst unfreundlichen Paparazzi. Währenddessen kommt Mitchel, mithilfe von Billy, wieder in Kontakt mit seinem ehemaligen und skrupellosen Boss Rob Gant (Ray Winstone). Ferner entwickelt sich zwischen Mitchel und Charlotte eine Romanze, sodass Mitchel beginnt, sich von seiner dunklen Vergangenheit zu entfernen. Dies scheint Gant nicht zu interessieren. Obwohl er von Mitchels Beziehung zu Charlotte weiß, schlägt er ihm einen Deal vor…

Auf dem ersten Blick erkennt der Zuschauer nicht die Parallelen, die das Drehbuch zum Departed-Skript vorweist. Durch weiteres Betrachten werden die Charaktere aus The Departed mit einigen Änderungen in ihrer neuen Gestalt sichtbar. Doch dies ist nicht der einzige Grund, wieso das Drehbuch von Monahan enttäuscht. Der Regiedebütant verzichtet hier eher auf clevere Dialoge und Wortwitz und füllt die Aussagen seiner Charaktere mit banalen Beschimpfungen. Demzufolge verbreitet sich bei manchen Szenen Langeweile beim Publikum, da auch hier das Wort Abwechslung ein Fremdwort zu sein scheint. Doch nicht nur das Publikum muss hin und wieder mit seiner Langeweile kämpfen, selbst Keira Knightley wirkt in der Rolle der Charlotte blass und uninteressiert. Dies liegt nicht an der Figurenzeichnung, die weitaus mehr Spielraum bot. Weiters können Knighltey und Farrell als Liebespaar nicht überzeugen, da ihre Chemie einfach nicht stimmt.  

Dagegen gelingt es David Thewlis (Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1+2), der einen depressiven Junkie darstellt, zu überzeugen und dem Zuschauer auch nach dem Abspann  im Gedächtnis zu bleiben. Ray Winston (Gesetz der Rache), dessen bösartiger Charakter nur wenige Nuancen zu bieten hat, hätte das Potenzial viel mehr aus seiner Rolle zu machen, genauso wie Eddie Marsan (Sherlock Holmes), der den Agenten Bailey spielt, allerdings kaum zu sehen ist. Monahan legt stattdessen viel mehr Wert auf Szenen mit unwichtigeren Charakteren, wie Briony (Anna Friel), die Schwester von Mitchel, und ihrem Liebhaber, Dr. Sanji Raju (Sanjeev Bhaskar), die zwar dem Charakter Mitchel mehr Tiefgang verleihen, jedoch im Großen und Ganzen nur den Verlauf der Geschichte stören.

Der Nebenplot rund um den obdachlosen Freund von Mitchel, der zeigt, wie sich der Hauptcharakter vom Bösen zum Guten wandelt, schafft es Spannung zu erzeugen, ergibt sich im zweiten Teil des Films allerdings als überflüssig, da der Protagonist, trotz zahlreichen Gründen, die gegen seine dunkle Vergangenheit sprechen, in der Haut des kaltblütigen Killers wieder völlig aufgeht. Obendrein folgt ein einfallsloses Ende, welches dem Zuseher das Gefühl gibt, dies bereits gesehen zu haben. Selbst der ungeschulte Zuschauer wird hier die Ähnlichkeit zum Oscar-prämierten The Departed-Drehbuch erkennen.

Die Aufmerksamkeit des Betrachters wandert, aufgrund des ideenarmen Drehbuchs, zu den atmosphärischen Songs, die vor allem aus den 60er Jahren (The Knickerbockers, The Yardbirds, The Rolling Stones) stammen. Diese Lieder peppen die eine oder andere Film-Szene etwas auf und machen sie demnach stimmiger. Passend zu den Songs sind auch die Schlägereien und Morde, die in der zweiten Hälfte des Gangsterfilms überwiegen. Demzufolge ergibt sich eine amüsante und zugleich düstere Gangster-Atmosphäre, die der innovationsarmen Story entgegen steht.

Fazit:
Das große Problem von London Boulevard ist schlicht und einfach das Drehbuch, welches der Oscar-prämierte Regiedebütant William Monahan selbst verfasste. Es mangelt an innovativen Einfällen, des Weiteren sind die Dialoge größtenteils langatmig und ohne Witz, sodass sich Langeweile beim Zuschauer verbreitet, die hier und da von den gut gewählten Songs und der kurzweiligen Action unterbrochen wird. London Boulevard kann somit ohne großes Bedenken ungesehen bleiben, da er nichts Neues zu bieten hat.   

Wertung:
4/10 Punkte
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