Die Eiserne Lady - The Iron Lady (2011)

OT: The Iron Lady - 105 Minuten - Biographie / Drama
Die Eiserne Lady - The Iron Lady (2011)
Kinostart: 02.03.2012
DVD-Start: 19.07.2012 - Blu-ray-Start: 19.07.2012
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Filmkritik zu Die Eiserne Lady - The Iron Lady

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Man kennt es ja nur zur Genüge: Kaum beginnt die Oscarsaison, schon kriechen die schamlosen Oscarbaits aus ihren Löchern und versuchen der Academy Honig um den Bart zu schmieren. Das Rezept ist immer das gleiche: Man rechnet sich aus welche Themen und welche Inszenierung bei der Jury besonders gut ankommt und kalkuliert einen Film herbei, der genau diese Themen ins Zentrum rückt. Das Problem an der Sache: In der Regel ist diese gekünstelte Anbiederung nicht zu übersehen und fällt deshalb auch oft gerade bei denen durch, die man ansprechen wollte: Der Oscarjury. Aber im Fall von The Iron Lady ist nun genau das nicht passiert: Der Film, der nur gemacht wurde um Meryl Streep ihren dritten Oscar zu verschaffen, hat nun auch genau das geschafft - und zusätzlich auch noch einen Goldmann für das Beste Make-up abgestaubt.

Margaret Thatcher (Meryl Streep) hat ein bewegendes Leben hinter sich: Sie schaffte den Aufstieg in der von Männern dominierten Politik und wurde letzten Endes sogar die erste weibliche Premierministerin Großbritanniens, entging Mordanschlägen und spaltete das Land wie kaum eine andere: Um die am Boden liegende Wirtschaft zu stärken zerschlug sie die Gewerkschaften und startete einen Privatisierungsprozess. Gleichzeitig versuchte sie auch halbwegs für ihren Ehemann Denis Thatcher (Jim Broadbent) und ihre beiden Kinder zu sorgen. Doch wie das nun einmal so ist wenn man ein Land mit harten Entscheidungen und eiserner Hand regiert, gibt es nicht nur Menschen die einen lieben...

Es dauert nicht allzu lange bis man weiß woher der Wind weht. Wenn man zu Beginn eine Meryl Streep in feinster Altersmaske sieht, die Mut zur Hässlichkeit beweist und gleichzeitig deutlich vorzeigt, dass sie selbst die alte, kranke Frau, die von ihrem verstorbenen Mann halluziniert, mühelos verkörpern kann, dann spürt man: Sie hat es langsam satt ständig nur für den Oscar zu nominiert sein (Streep ist mit 17 Oscarnominierungen und mittlerweile drei gewonnenen Oscars absolute Rekordhalterin unter den Darstellern), sie will das erste Mal seit 1983 wieder gewinnen. Und Regisseurin Phyllidia Lloyd hat keine Probleme damit den ganzen Film rein auf Streep zuzuschneiden und sie alle Facetten ihres Schauspielvermögens einmal durchspielen zu lassen.

Das Problem an der Sache ist nur: So funktionieren Filme nicht. Ja, Meryl Streep (die eigentlich fast immer unglaublich gut ist) schafft eine ausgezeichnete visuelle und akustische Transformation, aber auf Grund des gekünstelten Charakters des Films hat man stellenweise das Gefühl in einem überlangen Oscarbewerbungsclip zu sitzen, der durch eben diese schamlose Herangehensweise schon beinahe unfreiwillig komische Züge trägt. Das geht sogar soweit, dass man selbst die eigentlich durchaus gelungene Darstellung von Streep hinterfragen muss: Denn nicht nur in der Rollenwahl, sondern auch in gewissen Gesten und allgemeinen Momenten des Films erkennt man eine Kalkulation, die eben bewusst in Richtung Oscarjury schielt. Und eigentlich gehört ein solcher Verrat ans Publikum (das sich durch den inspirationslosen und langweiligen Film quälen muss, der nur für Streep gemacht wurde) sofort abgestraft und Streep sollte nicht einmal für den Oscar nominiert sein, geschweige denn ihn gewinnen (wie es aber leider geschehen ist).

Denn abgesehen von der Performance von Streep, über die man sich ausgiebig beschweren kann, die aber im Kern natürlich handwerklich trotzdem gelungen ist, hat The Iron Lady gar nichts zu bieten. Das beginnt bei der langweiligen Art die Geschehnisse aufzurollen (quasi vom Alter aus werden vor dem Fernseher wichtige Ereignisse wieder durchgelebt) und endet beim peinlich handzahmen Versuch die verschiedenen Facetten der Persönlichkeit Thatchers filmisch zu erarbeiten. Gerade wenn man sieht auf welch vielschichtige Weise Stephen Frears in Die Queen eine Art “Biopic” im britischen Politumfeld inszenierte, oder mit welchem Gespür für große und kleine Gefühle The Kings Speech sein Thema erarbeitete, wird umso tragischer klar, dass The Iron Lady nur ein ganz müder Abklatsch von Filmen ist, die man eigentlich in viel besserer Ausführung schon kennt.

Fazit:
The Iron Lady ist ein Film der nur gemacht wurde, damit Meryl Streep endlich ihren dritten Oscar bekommt und genau das merkt man dem Film leider auch an. Alles wirkt durchkalkuliert und berechnet und von jener prickelnden Energie, die wirklich großartige Schauspielleistungen auszeichnet, ist in The Iron Lady leider nicht viel zu sehen. Vom Erzählbogen bis zur handzahmen Herangehensweise vermisst man alles was einen wirklich guten Film ausmacht und stellenweise hat man so sehr das Gefühl, dass Meryl Streep hier nur für den Oscar spielt, dass sich selbst in ihrer Performance unfreiwillige Komik einschleicht (und das kennt man von der eigentlich immer grandiosen Frau Streep sonst nicht). Eigentlich ist der Film ein einziger Verrat ans Publikum: Denn The Iron Lady konzentriert sich so sehr auf Streep, dass er alles vergisst weswegen Menschen eigentlich ins Kino gehen. Das Thema wird ohne Mut und ohne Biss ganz müde vorgetragen und so wird The Iron Lady zur langweiligen Schlaftablette. Ein schamloses Oscarbait ohne Drive und ohne Biss. Kurz zusammengefasst: Warum ist The Iron Lady gescheitert? Ganz einfach weil er als Gesamtwerk genauso gekünstelt ist wie das deutsche Poster zum Film.

Wertung:
4/10 Punkte
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013