Young Adult (2011)

OT: Young Adult - 94 Minuten - Komödie / Drama
Young Adult (2011)
Kinostart: 24.02.2012
DVD-Start: 26.07.2012 - Blu-ray-Start: 26.07.2012
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Filmkritik zu Young Adult

Von am
Jason Reitman hat sich mit seinen bisherigen Filmen Thank You For Smoking, Juno und Up in the Air als scharfsinniger Satiriker amerikanischer Schicksale einen Namen gemacht. Für seinen aktuellen Film hat er sich erneut mit der Drehbuchautorin Diablo Cody zusammengetan. Die beiden Köpfe hinter der preisgekrönten Dramedy Juno sind Garanten für lebensnahe Absurditäten fernab des Mainstreams. Mit Young Adult legen sie ihre zweite Kollaboration vor, die den bisherigen Werken in bissigen Dialogen in nichts nachtsteht. Während ihr gemeinsames Erstlingswerk mit penetrantem Indie-Charme angereichert ist, nimmt sich Reitman in seinem neuen Film inszenatorisch zurück und bleibt bodenständig um den Charakteren gerecht zu werden. Gleichzeitig lässt er sich aber nicht zu einem Zugeständnis an den Mainstream hinreißen sondern besinnt sich stets auf seine Stärke: aberwitzige und dennoch glaubwürdige Charaktere voller Persönlichkeit und Dialoge, die auf den Punkt genau pointiert sind.

Einst war Mavis Gary (Charlize Theron) das begehrteste Mädchen der gesamten High-School. Alle Jungs waren verrückt nach ihr, die Welt stand ihr offen. Jetzt ist sie 37 Jahre alt. Und steht vor einem Trümmerhaufen: Sie ist frisch geschieden, die Jugendbuchreihe, die sie als Ghostwriterin verfasst, soll eingestellt werden, sie trinkt eindeutig zu viel, das Leben zieht an ihr vorbei. Bis sie erfährt, dass Buddy Slade (Patrick Wilson), ihre große Jugendliebe von damals, Vater geworden ist. Mavis weiß, was sie zu tun hat: Sie will ihn aus seinem spießigen Familienleben befreien und endlich das Leben mit ihm leben, das sie sich immer an seiner Seite erträumt hat. Doch die Rückkehr in ihre Vergangenheit erweist sich als viel schwieriger als gedacht. Verständnis wird ihr ausgerechnet von ihrem ehemaligen Klassenkameraden Matt (Patton Oswalt) entgegen gebracht, ein wenig attraktiver Außenseiter, der die Vergangenheit ebenfalls nicht abschütteln kann. Doch kein noch so guter Rat kann Mavis von ihrem Plan abbringen, Buddys Liebe zurückzuerobern...

Was folgt ist eine Odyssee von Peinlichkeiten in ihrem verhassten Heimatdorf und Young Adult offenbart sich als Wolf im Schafspelz: Nach außen hin ist die Protagonistin erfolgreich und bildhübsch, im Inneren brodelt es aber gewaltig. Es folgt ein schonungsloses Portrait einer Mitte-Dreißigerin die sich weigert erwachsen zu werden. Die Hauptfigur ist also nicht das niedliche Mädchen von nebenan, wie sich gleich zu Beginn herausstellt. Mavis hat Alkoholprobleme, verschläft den halben Tag um den Rest des Tages mit Trash-TV zu verbringen, vernachlässigt ihren Hund und ihren Job als Ghostwriterin einer einst populären Romanserie über junge Erwachsene ist sie los, da die Serie keinen mehr interessiert. Inmitten ihrer Midlife-Crisis projiziert sie ihre Sehnsüchte auf eine unerfüllte Jugendliebe.

Dabei stellt sich bei genauerer Betrachtung die Erkenntnis ein, dass der Film auch als radikal aufrichtige Anti-Rom-Com funktioniert. All jene Aspekte, die romantische Komödien ausmachen, werden durch die Unfähigkeit und der falschen Selbstwahrnehmung Mavis’ untergraben und verdreht. Das (nach hinten los gehende) Liebesgeständnis, der nächtliche Kuss (im Alkoholrausch) vor der Haustür, die (brutal ernüchternden) aufmunternden Worte eines Freundes sind nur einige Beispiele. Diese kompromisslose Ehrlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und diese Ehrlichkeit ist es auch, die den grenzwertigen Charme des Films ausmacht.

Ohne der wandelbaren Darstellung Therons hätte Young Adult nicht funktioniert. Sie versieht Mavis mit ungeheuerlichen psychotischen und bitterbösen Aspekten, sodass es schwer fällt, die sich allmählich entwickelnde Antipathie gegenüber der Protagonistin abzuschütteln. Gleichzeitig reichert sie ihren Charakter mit dem nötigen Maß an Menschlichkeit an um den Zuseher bei der Stange zu halten und, vielleicht, irgendwann, Empathie für Mavis zu entwickeln. Die stärksten Szenen sind jedoch die, in denen sich Theron in Gesellschaft von Patton Oswalt, bekannt aus King of Queens, wiederfindet. Oswalt portraitiert Matt, einen ehemaligen High-School Kollegen der Mavis vor allem als Mobbingopfer bekannt ist, mit einem sensiblen Gespür für derartige Außenseiter. Er schließt sich als gutes Gewissen Mavis’ Mission an, wohlwissend, dass sie von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Das ungleiche Gespann der „Pschychotic Prom Queen Bitch“ und des Ausgestoßenen harmoniert dabei überraschend gut und sorgt für eine frenetische Chemie auf der Leinwand.

Fazit:
Eine bestens aufgelegte und sagenhaft bösartige Charlize Theron, unterstützt von einem hinreißenden Patton Oswalt, gepaart mit bissigem Humor und zynisch dekorierten Untertönen in den Dialogen machen aus Young Adult eine stockdunkle Komödie für Erwachsene, die dem Zuseher über weite Strecken wesentlich unangenehmer sein wird als ihm lieb ist. Abgesehen von einigen nicht nachvollziehbaren Motiven der Charaktere und von Szenen die sich aufgrund ihrer Undifferenziertheit immer wieder zu wiederholen scheinen, ist die Charakterstudie näher am Leben als so manches Drama. Dafür sorgt nicht zuletzt das Katharsis-freie Ende, das den Zuschauer verdutzt und zwiegespalten im Kinosaal zurück lässt: Dramaturgisch hat der Schluss so keinen Sinn gemacht, realistisch betrachtet war es die vollkommen richtige Entscheidung.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.4/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 8
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