Hugo Cabret (2011)

OT: Hugo - 127 Minuten - Abenteuer / Drama / Familie / Fantasy / Mystery
Hugo Cabret (2011)
Kinostart: 10.02.2012
DVD-Start: 16.08.2012 - Blu-ray-Start: 16.08.2012
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Filmkritik zu Hugo Cabret

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Martin Scorsese muss man natürlich nicht mehr vorstellen. Er zählt mittlwerweile zu den angesehensten und verehrtesten aktiven Filmemachern und ein neuer Film von ihm ist immer ein Ereignis. Neben seiner Tätigkeit als Regisseur ist Scorsese aber auch selbst ein begeisterter Verehrer der Filmgeschichte und nun bereits seit Jahren mit der Mission unterwegs alte Filme zu restaurieren und zu bewahren. Und obwohl es zunächst etwas merkwürdig erscheint prallen diese beiden Facetten Scorseses in seinem neusten Film Hugo Cabret so intensiv wie noch nie aufeinander. So wird also kurzerhand aus dem verträumten Jugendabenteuer eine rasante Huldigung des Medium Films und eines seiner frühesten Pioniere: Georges Méliès.

Hugo Cabret (Asa Butterfield) ist ein zwölf Jahre alter Junge, der nach dem Tod seines Vaters (Jude Law) und seines Onkels (Ray Winstone) auf sich gestellt ist und versteckt in einem Bahnhof im Paris der 30er Jahre lebt. Sein Alltag ist geprägt von der Flucht vor den Autoriäten (zum Beispiel in Gestalt des Stationsinspektors (Sacha Baron Cohen)) und vom Versuch eine Art Roboter, die ihm sein Vater hinterlassen hat, wieder in Betrieb zu setzen. Material für dieses Projekt erhält er unter anderm vom missmutigen Spielwarenhändler Georges (Ben Kingsley). Als ihn dieser jedoch bei einem Diebstahlversuch erwischt, nimmt er Hugo das Tagebuch seines Vaters ab. Um es wiederzubekommen schließen sich Hugo und Georges Enkelin Isabelle (Chloe Moretz) zusammen und machen dabei einige spannende Entdeckungen...

Viele Leser mögen sich jetzt wohl fragen wie es Scorsese gelingt aus einem jugendlichen Abenteuer eine magische Entdeckungsreise in Richtung Geburt des Kinos zu starten. Um den Überraschungseffekt nicht zu zerstören wird an dieser Stelle nicht mehr verraten, aber man spürt in jeder Sekunde, dass Martin Scorsese ein absoluter Meister seines Fachs ist und das Medium mittlerweile perfekt beherrscht. Es gelingt ihm sogar die (gerne etwas unbeholfen verheizte) 3D Technik ausgezeichnet einzusetzen: Bereits am Beginn des Films, wenn die Kamera durch dichtes Schneetreben gleitet um uns anschließend den, wunderschön in Szene gesetzten, Pariser Bahnhof zu präsentieren, ist klar, dass Scorsese weiß was er macht und auch in Folge schafft er es immer wieder spielend mit der modernen Technik zu hantieren.

Dabei ist eines der visuell am prominentesten eingesetzten Stilelemente gerade die Widersprüchlichkeit zwischen modern und altmodisch. Scorsese kreiert eine schillernde Welt in 3D, erschaffen mit perfekter Digitaltechnik, aber gleichzeitig huldigt seine Geschichte gerade der Wiege des Kinos mit ihrem analogen Handwerk und ihren mechanischen Strukturen. Hinzu kommt immer wieder Dampf, der aus allen Richtungen schießt und Zahnräder in allen Größen tanzen im Takt mit den wunderbaren Bildern des Films. Und dann wäre da ja auch noch der geheimnisvolle Automatenmensch, der ebenfalls eine Huldigung mechanischer Technik darstellt. Das Ergebnis ist ein durchaus beeindruckender Mix aus digitalen Bilder und analogen Elemente, die eine eigenwillige Faszination verströmt.

Hinzu kommen die zahlreichen Märchenelemente, die an vielen Stellen gerade an die magischen Filme eines Jean-Pierre Jeunet (Die fabelhafte Welt der Amelie) erinnern. Unterstützt von der romantisierten Atmosphäre, ausgeströmt durch die charmante Location, und die Figurenzeichnung, wird man dazu eingeladen sich in der Geschichte fallen zu lassen und einfach ein schönes Abenteuer zu erleben. Und das ist schon etwas Neues im Werk von Scorsese, denn eine Geschichte in dieser Form hat er noch nicht erzählt. Verstärkt wird dieser Eindruck auch vom immer wieder eingesetzten Slapstick, der in seiner simplen, reinen Form ebenfall an die frühen Tage des Kinos erinnert und auch durch die Darbietungen der Darsteller. Besonders Sacha Baron Cohen erweckt durch seine bewusst unbeholfene Darstellung den Eindruck einer nostalgischen Huldigung.

Was man Hugo Cabret vielleicht negativ ankreiden kann ist, dass man an vielen Stellen deutliche das Gefühl hat, dass man hier Martin Scorsese durch die Figuren sprechen hört. Besonders in den filmgeschichtlich angehauchten Elementen und immer wenn es um die Bewahrung von Filmmaterial geht, hat man fast den Eindruck in einem Lehrfilm zu sitzen. Aber insgesamt gesehen ist Scorsese geschickt genug um diesen Aspekt nicht über die Magie seiner Geschichte zu stellen. So ist Hugo Cabret zwar kein Film, der sich primär an eine junge Zielgruppe richtet (wie man hätte meinen können), der aber dennoch für diese Zielgruppe funktioniert. Und obwohl Hugo Cabret nicht zu den besten Filmen Scorseses gehört, ist es dennoch schön zu sehen, dass er immer noch nichts von seiner Experimentierfreude verloren hat und scheinbar jedes Genre perfekt beherrscht.

Fazit:
Hugo Cabret ist ein magisches Jugendabenteuer im Stile von Die fabelhafte Welt der Amelie und gleichzeitig eine Huldigung des Medium Films. Martin Scorsese hat scheinbar den perfekten Stoff gefunden um sich in einem neuen Genre zu versuchen und gleichzeitig seine persönliche Mission der Bewahrung von historischem Filmmaterial voran zu treiben. An manchen Stellen hat man zwar das Gefühl, dass hier Scorsese persönlich von der Leinwand predigt, aber insgesamt gesehen ist Hugo Cabret dennoch ein visuell und narrativ gelungener Film mit einer magischen Atmosphäre und hohem Unterhaltungswert. Sicher nicht unter den besten Filmen Scorseses, aber dennoch ausgezeichnet und natürlich unbedingt sehenswert.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 7 | Wertungen: 50
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