Jonas (2011)

OT: Jonas - 106 Minuten - Komödie
Jonas (2011)
Kinostart: 20.01.2012
DVD-Start: 09.08.2012 - Blu-ray-Start: 09.08.2012
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Filmkritik zu Jonas

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An die eigene Schulzeit haben die meisten sowohl negative als auch positive Erinnerungen, doch diesen Lebensabschnitt aufs Neue durchleben wollen würden sicherlich die wenigsten. Umso mutiger erscheint daher das neue Filmprojekt des vielseitigen Entertainers und Schauspielers Christian Ulmen, der sich in Jonas als 18-jähriger Schüler noch einmal dem geregelten Schulalltag und damit seinem ganz persönlichen, größten Albtraum stellt. Dabei macht die Tatsache, dass es sich bei Ulmen um den einzig fiktiven Charakter des Films handelt und alle anderen, zu sehenden Personen wirkliche Lehrer und Schüler und auch die Schauplätze real existent sind, die im Rahmen einer Mockumentary, also eines fiktionalen Dokumentarfilms, erzählte Geschichte zu einem besonders spannenden, filmischen Experiment. Christian Ulmen, der neben charmant witzigen Darstellungen in Komödien wie Männerherzen (2009) oder Vater Morgana (2010) für seine Undercover-Rollen in den Serien Mein neuer Freund (2005) und ulmen.tv (2008) – hier wurde mit versteckten Kameras gearbeitet – bekannt ist, wagt gemeinsam mit Regisseur Robert Wilde, mit dem er auch schon bei Mein neuer Freund zusammenarbeitete, mit Jonas ein dramaturgisches Abenteuer.

Der Film begleitet den 18-jährigen Schüler Jonas (Christian Ulmen), der im Laufe seiner Schulkarriere des Öfteren sitzengeblieben ist und seine letzte Chance auf einen ordentlichen Schulabschluss nun in der Aufnahme an der Brandenburger Gesamtschule Paul-Dessau sieht. Dabei wird er mit typischen Problemen eines Jugendlichen konfrontiert, sei es das Finden von neuen Freunden, eine unerwiderte Liebe oder aber die unergründlichen Tiefen der Mathematik.

Über die Dauer von sechs Wochen wurde an der Gesamtschule der tagtägliche Unterricht einer echten Schulklasse von einem ständig anwesenden Filmteam gefilmt, um sämtliche Eindrücke des schulischen Tagesablaufs so unverändert wie nur möglich einzufangen. Mittendrin Christian Ulmen, der überraschend überzeugend sowohl sprachlich als auch optisch die Rolle eines pubertierenden Schülers wiedergibt. Während Ulmen also ständig als fiktive Figur auftrat, sollten Schüler und Lehrer ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen. Der Großteil der gezeigten Szenen wirkt authentisch und nicht gestellt, wobei sich natürlich unter dem Aspekt der unvermeidbaren Beeinflussung des Geschehens durch anwesende Kameras die tatsächliche Authentizität der Handlung generell infrage stellen lässt. Dennoch wirkt das Gesamtbild des Films natürlich und die Handlungen mehr oder weniger spontan.      

Durch die Mischung aus fiktionalem Charakter und realer Umgebung, also der Verbindung von Fiktion und Dokumentarfilm ergeben sich jedoch vor allem im anforderungsreichen Format des Kinofilms einige Schwierigkeiten. Durch das, der Natur des Filmgenres entsprechend kaum vorhandene Drehbuch, das sich ganz nach der Idee des Projekts im Laufe der Handlung sozusagen selbst schreibt, kommt es durchaus zu interessanten und amüsanten Begegnungen, die natürlich wirken. Jedoch fehlt der Geschichte rund um den Sitzenbleiber dadurch leider eine gewisse Dynamik, um die Geschichte voranzutreiben und eine Spannung aufzubauen, wodurch sich schon relativ früh eine Langatmigkeit einstellt. Somit geht Jonas im Rahmen des über 100-minütigen Kinofilms eher unter und schafft es trotz des persönlichen Bezugs, die jeder von uns durch Erinnerungen an die eigene Schulzeit hat, nicht, den Zuseher zu fesseln bzw. das Interesse am Geschehen des Films aufrecht zu erhalten. Auch der gewohnte und erwartete Witz Christian Ulmens kommt unter der Fassade seiner Rolle nicht wirklich zum Vorschein,  weshalb im Film hauptsächlich eine seltene Situationskomik überwiegt.

Aufgewertet wird Jonas durch den besonderen Stellenwert und Einsatz von Musik innerhalb der Geschichte. Neben dem, sich durch den gesamten Film ziehenden Titelsong „Was hat dich bloß so ruiniert“ von Die Sterne, der vor allem für Jonas‘ Entwicklung und nicht zuletzt das Finale der Handlung eine große Bedeutung hat, sind auch die Hamburger Hip-Hop-Electro-Formation Deichkind sowie ein eigens für den Film komponiertes Stück von Helge Schneider vertreten.

Insgesamt erscheint Ulmens Idee und die gemeinsame Umsetzung mit Regisseur Robert Wilde zwar auf den ersten Blick ganz interessant und lockt mit dem Untertitel „Stell dir vor, es ist Schule und du musst wieder hin!“. Nach einiger Zeit erlischt allerdings die Faszination über die Einbettung einer fiktionalen Figur in eine real, dokumentierte Umgebung. So kommt leider relativ früh die ausbleibende Spannung der Geschichte zum Vorschein, sodass man sich als Zuseher gegen Ende fast schon in der Rolle eines gezwungenen Beobachters wiederfindet.   

Fazit:
Die Mockumentary Jonas, die in Zusammenarbeit von Regisseur Robert Wilde und Christian Ulmen entstand, reizt als filmisches Experiment, in dem sich der fiktionale Charakter Jonas, der auch gleich von Ulmen verkörpert wird, in der Umgebung einer realen Gesamtschule mit echten Schülern und Lehrern dem harten Schulalltag stellen muss, und macht neugierig. Der Film wirkt im Sinne eines Dokumentarfilms auch durchaus authentisch, schafft es – trotz oder gerade wegen seines speziellen Genres – jedoch nicht, seine thematischen Möglichkeiten auszuloten. So bleibt die Geschichte ohne die nötige Spannung eher trocken und scheint eher für einen alternativen Filmeabend zuhause geeignet als das Kinoformat füllend.

Wertung:
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