Verblendung (2011)

OT: The Girl with the Dragon Tattoo - 158 Minuten - Drama / Thriller
Verblendung (2011)
Kinostart: 13.01.2012
DVD-Start: 24.04.2012 - Blu-ray-Start: 24.05.2012
Will ich sehen
Liste
14628
Bewerten:

Filmkritik zu Verblendung

Von am
Es war wohl nur eine Frage der Zeit bis Hollywood auf das Phänomen Stieg Larsson aufmerksam wird. Nachdem die Millenium Trilogie auf dem Literaturmarkt ein riesiger Erfolg wurde und auch die skandinavische Verfilmung der drei erschienen Teile ihr Publikum fand (qualitativ war eigentlich nur der erste Teil ein voller Erfolg), versucht sich nun niemand geringeres als David Fincher daran den Stoff noch einmal aufzubereiten. Und das will schon etwas heissen, denn obwohl es fast schon abzusehen war, dass man ein Remake drehen würde, so war doch keinsfalls so klar, dass sich ein Regieschwergewicht wie Fincher dazu hinreissen lässt das Ruder zu übernehmen. Noch viel überraschender ist aber, dass Finchers Verblendung, trotz höherer künstlerischer Ambition und grandiosem Intro, etwas hinter dem Original zurückbleibt.

Mikael Blomkvist (Daniel Craig) ist ein hoch angesehener und integrer Journalist beim Qualitätsmagazin Millenium. Nachdem er allerdings einen schockierenden Artikel über einen kriminellen Geschäftsmann geschrieben hat und schließlich vor Gericht seine Quellen nicht belegen konnte ist seine Reputation erst einmal dahin. Just in diesem Moment meldet sich der schwer reiche Großindustrielle Henrik Vanger (Christopher Plummer) bei Blomkvist und bietet ihm einen Job an: Vor Jahren ist seine Nichte Harriet spurlos verschwunden. Henrik geht davon aus, dass sie ermordet wurde und dass der Mörder aus den Reihen seiner Famile stammt. Blomkvist soll Nachforschungen anstellen unter dem Vorwand eine Biographie über Vanger zu schreiben. Dazu muss er während des eisigen Winters zum abgelegenen Anwesen der Familie fahren und sein altes Leben hinter sich lassen. Zur Seite steht im dabei die unkonventionelle Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara), mit der er gemeinsam auf schreckliche Geheimnisse in der Vergangenheit stößt...

Es hat schon etwas bizarres, wenn man in Hollywood der Meinung ist einen Film neu zu verfilmen der erst kürzlich produziert wurde. Besonders merkwürdig wird es allerdings wenn am Original gar nichts wirklich tragisches auszusetzen war, bzw. das Remake ohnehin fast alles gleich macht. So zuletzt gesehen bei [Rec] und dem Remake Quarantäne. Auch ein Remake von Verblendung macht nur bedingt Sinn - denn zumindest am großartigen ersten Teil der Originaltrilgie gab es gar nicht wirklich viel zu beanstanden, es wäre aber durchaus spannend zu sehen was Fincher aus den beiden Nachfolgern machen kann, die im Original dem ersten Teil deutlich hinterher hinkten. Doch das soll uns an dieser Stelle nicht weiter beschäftigen. Viel interessanter ist nämlich, dass Fincher gar nicht allzu viel einfällt um seinen Film vom Original zu differenzieren.

Zunächst zu den positiven Aspekten: Fincher versucht die Dunkelheit der Geschichte weitaus ambitionierter wiederzugeben und beweist in seiner Inszenierung viel mehr Mut und künstlerische Ambition als dies Niels Arden Oplev geschafft hat. Ein weiteres Highlight ist der grandiose Soundtrack von Nine Inch Nails Frontmann Trent Reznor, der nach seiner oscarprämierten Arbeit in The Social Network erneut einen Score für Fincher komponiert hat. Und die Musik legt sich in Verblendung wie eine zweite Haut um die Bilder und hält nicht nur den gesamten Film auf amtosphärischer Ebene zusammen, sondern liefert beinahe eine Leine an der sich der Zuseher durch die Geschichte tasten kann. Es ist schlicht umwerfend was Reznor hier wieder geleistet hat und zumindest in diesem Punkt ist Verblendung dem Original deutlich überlegen. Dies deutet der Film auch bereits im spektakulären Intro an, das quasi als Musikvideo konzepiert ist und bereits einen ersten Einblick in den Stil des Films erlaubt.

Aber ansonsten gibt es leider nicht unbedingt viele Punkte in denen Fincher es schafft das Original zu übertreffen. Gut, Finchers Lisbeth Salander ist noch härter gezeichnet und besitzt in ihrem Auftreten eine größere Dynamik - aber so kritisch ist dieser Punkt nun auch wieder nicht. Okay, Rooney Mara und Daniel Craig machen ihre Sache gut - aber kann man wirklich sagen, dass sie besser sind als Noomi Rapace und Michael Nyqvist im Original? Und wirklich schade ist, dass Fincher nicht den Mut hatte sich an gewissen Stellen von der Vorlage zu entfernen um neue Wege zu beschreiten. Zum Beispiel fiel die Auflösung im Original doch merkbar gegenüber den ersten beiden Dritteln ab, aber auch Fincher klammert sich viel zu eng an das Buch und traut sich nicht hier etwas Anderes zu versuchen.

An vielen anderen Stellen hat man als Kenner der ersten Verfilmung außerdem gewaltige Dejavu-Momente. Manche Schlüsselstellen sind fast 1:1 übernommen und selbst die Dialoge klingen seltsam vertraut. Man kann vielleicht argumentieren, dass dies bei einem Remake (bzw. einer neuerlichen Literaturverfilmung) durchaus erwartbar war, aber im Falle von Verblendung zeigt dies leider nur aufs Neue, dass es vielleicht gar nicht so sinnvoll war die Geschichte bereits nach so kurzer Zeit erneut zu verfilmen - denn gerade wenn man das Original gesehen hat wäre es vielleicht nicht schlecht gewesen, wenn etwas Zeit zwischen den beiden Filmen gelegen hätte. Denn man muss schon sagen, dass Finchers Verblendung sich viel zu wenig von der ersten Verfilmung distanziert um wirklich Spannung zu erzeugen.

Hinzu kommen auch die kleinen qualitativen Unterschiede der Verfilmungen: Wie gesagt ist Finchers Versuch künstlerisch ambitionierter und auch kälter und düsterer. Aber das Original zeichnete sich vor allem durch die brillante Atmosphäre aus, die es schaffte die Zuseher eng ans Ermittlerduo zu binden. Diese Stärke fehlt Finchers Film etwas, sodass er auf atmosphärischer Ebene leider nicht jenen Sog entwickelt, der das Original so gut machte. Auch die Entwicklungsarbeit war im Original spannender geschildert und vor allem in der großartigen Fotorecherche besser inszeniert. Für alle, die das schwedische Original nicht gesehen haben lohnt sich David Finchers Verblendung zwar dennoch, aber Kenner der Vorlage und der Originalverfilmung bekommen abgesehen von einem tollen Introvideo nicht viel Neues zu sehen. Eine richtige Notwendigkeit den Stoff erneut zu verfilmen hat es somit nicht gegeben. Es ist also wieder ähnlich wie bei The Social Network: Handwerklich und künstlerisch kann man David Fincher wenig vorwerfen - die Stoffwahl könnte aber besser sein.

Fazit:
David Finchers Verblendung ist künstlerisch ambitionierter als das Original, hat ein großartiges Intro und einen wunderbaren Soundtrack von Trent Reznor, der wie eine emotionale Lebenslinie unter allen Szenen pulsiert - aber dennoch ist das Original der bessere Film. Das liegt zum einen daran, dass in der ersten Verfilmung die Ermittlungsarbeit spannender geschildert wurde und zum anderen, dass die Atmosphäre weitaus einnehmender war. Außerdem ist es doch enttäuschend zu sehen, dass fast alle Schlüsselszenen sehr ähnlich sind und sich Fincher nicht getraut hat etwas Neues zu versuchen (selbst an den Stellen an denen es dem Stoff merklich gut getan hätte). In Summe ist Verblendung dennoch ein guter Film, der aber vor allem für all jene interessant sein dürfte, die das Original noch nicht gesehen haben.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 60
10 /10
5%
9 /10
8%
8 /10
57%
7 /10
10%
6 /10
8%
5 /10
3%
4 /10
7%
3 /10
2%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
Stoker - Die Unschuld endet (2013)
The Town - Stadt ohne Gnade (2010)
Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht (2006)
The American (2010)
Mystic River
Argo (2012)
The Social Network (2010)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
USA
Liste von ali6k
Erstellt: 14.01.2015
Will ich sehen
Liste von marius
Erstellt: 24.08.2014
Will ich sehen
Liste von Steffi89
Erstellt: 05.01.2013
Alle Listen anzeigen