Cheyenne - This Must Be the Place (2011)

OT: This Must Be the Place - 118 Minuten - Komödie / Drama
Cheyenne - This Must Be the Place (2011)
Kinostart: 06.01.2012
DVD-Start: 05.04.2012 - Blu-ray-Start: 05.04.2012
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Filmkritik zu Cheyenne - This Must Be the Place

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Als einer der wohl wandelbarsten und facettenreichsten Hollywood-Schauspieler unserer Zeit überrascht Sean Penn, der unter anderem für Filme wie Das Versprechen (2001) mit Jack Nicholson und Mickey Rourke oder Into the Wild (2007) Regie führte, immer wieder mit mitreißenden Charakterdarstellungen. Schon im 2003 erschienen Ich bin Sam konnte Penn in der Rolle des zurückgebliebenen Sam, der um das Sorgerecht seiner Tochter kämpft, überzeugen. Auch in Mystic River (2004) und Milk (2008) brillierte er mit anspruchsvollen Darstellungen, für die er jeweils mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. In der Mischung aus Drama und Komödie Cheyenne – This Must Be the Place mimt Penn nun die für ihn maßgeschneidert wirkende Titelrolle des wehmütigen und extravaganten Rockstars, der seine besten Jahre längst hinter sich zu haben scheint. Es ist der erste englischsprachige Film mit Hollywood-Besetzung des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino, der  mit dem Vorgänger Il Divo (2008) erstmals internationales Aufsehen erregte, so erhielt er bei den Internationalen  Filmfestspielen in Cannes den Jurypreis.

Der ins Alter gekommene Cheyenne (Sean Penn) feierte in den 1980er Jahren als amerikanischer Rockstar mit der Band „Fellows“ den Höhepunkt seiner Karriere, lebt mittlerweile aber zurückgezogen im ruhigen Dublin. Dort vertreibt sich Cheyenne das Leben, dessen er müde geworden zu sein scheint, zusammen mit seiner Frau Jane (Frances McDormand) mit Squash im leeren Pool des Anwesens oder aber mit seiner viel jüngeren, guten Freundin und Gothic-Anhängerin Mary (Eve Hewson). Als Cheyenne jedoch vom bevorstehenden Tod seines Vaters, mit dem er Jahrzehnte lang kein Wort gewechselt hat, hört, rafft er sich auf und macht sich schließlich auf den Weg nach New York zu diesem, aufgrund seiner Flugangst muss er allerdings die Fähre nehmen. So schafft er es nur noch zur Beerdigung des jüdischen Vaters, erfährt aber von seinem letzten Lebensziel, den einstigen Naziverbrecher Alois Lange (Heinz Lieven), der ihn damals während seiner Zeit in Ausschwitz gedemütigt hatte, zu finden und sich an diesem zu rächen. Nun macht es sich Cheyenne zur Mission, den Plan seines Vaters fortzuführen und begibt sich zusammen mit einem alten Freund seines Vaters (Judd Hirsch) auf eine wunderliche, aber auch eindrucksvolle Reise quer durch die USA.  

Die Geschichte bietet dem  Zuseher einen Einblick in das Leben eines alternden Rockstars und zeigt dabei die deutlich erkennbaren Spuren, die das turbulente Leben im Show-Geschäft körperlich, aber vor allem auch psychisch hinterlassen hat. So manifestiert sich Cheyennes langjähriger Alkohol- und Heroinkonsum besonders in seiner Sprache, der einfachen Ausdrucksweise und der fast schon kindlich naiven Art, die Welt zu begreifen. Mit den schwarzen, hochtoupierten Haaren, dem bleich geschminkten Gesicht in Kombination mit Kajal und rotem Lippenstift erinnert Cheyennes Erscheinung, die ohne Zweifel in Anlehnung an diverse Rockikonen zu betrachten ist, nach wie vor an seine wilde Rockstar-Zeit, unter deren Maske er sich mittlerweile zu verstecken scheint.   

Besonders interessant wirkt die kontrastreiche, thematische Gegenüberstellung der bunten Welt des Showbusiness, die Cheyenne prägte, und jenes dunkle Kapitel des Holocaust, das sein Vater miterleben musste und mit dem sich nun auch Cheyenne auseinanderzusetzen hat. Doch genau diese Gegensätzlichkeit funktioniert, auch wenn die eigentliche Handlung in ihrer Entwicklung durch Cheyennes Charakter teilweise in den Hintergrund gerückt wird. Auf seiner Reise trifft Cheyenne immer wieder auf unterschiedliche Menschen, die ebenfalls ihre Eigenarten haben und ihn nicht nur seinem Ziel näher bringen, sondern letztendlich auch Einfluss auf seine persönliche Entwicklung haben.  

Trotz der teilweise schwermütigen Stimmung des Films, birgt er vor allem wegen Cheyennes kindlicher Art und Penns authentischer Darstellung viel Komik in sich, die der Geschichte die nötige Prise Leichtigkeit verleiht. Beeindruckende Landschaftsfahrten und atmosphärische Aufnahmen wie beispielsweise die hypnotisierende Szene, in der ein gesamter Auftritt der Talking Heads mit dem ebenfalls titelgebendem Song „This Must Be the Place“, bei dem sich die Kulisse eines Wohnzimmers wie aus den 1960ern geschnitten von der Bühne über die Zuschauer erhebt, gezeigt wird, machen Cheyenne – This Must Be the Place zu einem mal mehr, mal weniger tiefgreifenden Filmerlebnis der besonderen Art.

Fazit:
Mit seinem englischsprachigen Kinodebüt Cheyenne – This Must Be the Place schafft der italienische Regisseur Paolo Sorrentino die Kultfigur eines gealterten, depressiven Rockstars, die ihre ideale Verkörperung in dem, für seine Darstellungen von Charakterrollen in Filmen à la Ich bin Sam oder Milk bekannten Sean Penn findet. Mit faszinierenden Aufnahmen und intensiven Farben entsteht neben der schwermütigen Aura Cheyennes eine leichte, aber tiefsinnige Atmosphäre, die sich besonders vor dem Hintergrund des Kontrasts zwischen Popwelt und der geschichtlichen Thematik des Holocaust abzeichnet.  Eine gelungene Reise durch Drama und Komödie, die allein schon wegen Penns beeindruckender Performance gesehen werden sollte.

Wertung:
8/10 Punkte
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