Sherlock Holmes 2 - Spiel im Schatten (2011)

OT: Sherlock Holmes: A Game of Shadows - 129 Minuten - Action / Abenteuer / Krimi / Mystery / Thriller
Sherlock Holmes 2 - Spiel im Schatten (2011)
Kinostart: 23.12.2011
DVD-Start: 04.05.2012 - Blu-ray-Start: 04.05.2012
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Filmkritik zu Sherlock Holmes 2 - Spiel im Schatten

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Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass ausgerechnet Guy Ritchie plant einen neuen Anlauf in Sachen Sherlock Holmes zu wahren, waren viele skeptisch. Als dann auch durchsickerte, dass es sich dabei um eine radikale Neuorientierung handeln soll, in der Sherlock Holmes auch die Fäuste und sein loses Mundwerk sprechen lässt, war die Skepsis an ihrem Höhepunkt angelangt. Tatsächlich aber sorgte Sherlock Holmes im Jahr 2009 für einen erfrischend anderen Blockbuster - dank eines witzigen, lockeren und actionreichen Stils wurde der Film ein großer Erfolg und nun warten viele Fans natürlich sehnsüchtig auf den zweiten Teil: Doch leider muss man sagen, dass dieser doch etwas enttäuscht.

Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) ist enttäuscht, dass sein Partner und guter Freund Dr. Watson (Jude Law) demnächst heiraten will - geht er doch davon aus, dass dieser dann weniger Zeit für ihn haben wird. Diese persönlichen Geplänkel treten aber in den Hintergrund, als Holmes einer Verschwörung des unheimlich intelligenten Professor Moriarty (Jared Harris) auf die Schliche kommt. Dem höchst umsichtigen Moriarty bleibt dies nicht lange verborgen und es dauert nicht lange bis Holmes, Watson und sogar Watsons Verlobte Mary Morstan (Kelly Reilly) von Moriartys Schergen angegriffen werden. Während man Mary in die Obhut von Holmes’ exzentrischen Bruder Mycroft (Stephen Fry) gibt, versuchen Holmes und Watson den Plan von Moriarty zu durchkreuzen...

Man merkt es relativ schnell: Der Neuwagenduft hat sich verzogen und Sherlock Holmes 2 muss leider ohne den Überraschungsvorteil des Vorgängers auskommen. Wer den ersten Teil gesehen hat weiß recht genau was ihn erwartet und der Film schafft es leider auch nie wirklich einen kreativen Paukenschlag zu setzen, der ihn aus seiner Lethargie befreien könnte. So läuft sich die Geschichte in der ersten Stunde hoffnungslos fest und als Zuseher kann man zwar versuchen sich zurückzulehnen und abzuschalten, richtig gute Stimmung kommt dabei aber nicht auf, da man (im Gegensatz zum ersten Teil) nicht das Gefühl hat, dass sich die Filmemacher wirklich bemüht haben um einen richtig beeindruckenden Film zu drehen.

Guy Ritchie verlässt sich nur auf das bereits Bewährte: Detailierte Szenenanalysen von Holmes, Foreshadowing in Sachen Kampfszenen, Zeitlupenaction mit Tempovariation und abgesehen von kleinen Ausnahmen gelingt es ihm leider kaum die Charaktere interessant zu gestalten. Eine Ausnahme ist Jude Law, der erneut eine recht gute Figur als Watson macht - und Robert Downey Jr. hat tatsächlich Wort gehalten: Er kündigte ja nach dem ersten Teil an, dass man im Sequel die angedeutete Homoerotik zwischen Holmes und Watson weiter ergründen würde, und überraschenderweise finden sich entsprechende Szenen tatsächlich recht häufig im Film. Am Höhepunkt des Geschens hat Holmes übrigens einen Auftritt in Frauenkleidern. Aber abgesehen von dieser Detailarbeit haben die Figuren leider größere Probleme.

Gut, Robert Downey Jr. als Sherlock Holmes funktioniert immer noch, aber man muss schon anmerken, dass sein ewig gleiches Rollenklischee doch etwas bröckelt. Das mag daran liegen, dass sich seine Darstellungen in Iron Man und Sherlock Holms sehr deutlich ähneln (und sich beide irgendwie an Johnny Depps Vorarbeit in Fluch der Karibik orientieren), aber mittlerweile darf es gerne wieder einmal ein frischer Ansatz sein: Denn auch die Spaßshow eines Robert Downey Jr. kann sich abnutzen. Viel Schlimmer trifft es jedoch Noomi Rapace (die nach dem Durchbruch in der ersten Verfilmung von Stieg Larssons Millenium Trilogie nun versucht in Hollywood Fuß zu fassen) und Jared Harris, deren beiden Rollen leider völlig verschenkt werden.

Besonders tragisch ist dies im Fall von Harris, der immerhin Prof. Moriarty, also den Erzfeind von Sherlock Holmes spielt. Seine Charakterisierung als superintelligenter Bösewicht wird erst in den letzten Augenblicken des Films etwas aufgegriffen, zuvor ist er eher ein Standardbösewicht wie man ihn in unzähligen Hollywoodfilmen zu sehen bekommt. Er erreicht auch kaum jene brillant-bedrohliche Ausstrahlung die man sich von dieser Figur wünsche würde und wird auch vom Drehbuch viel zu wenig gewinnbringend eingesetzt. Noomi Rapace hingegen sollte eigentlich den Part der weiblichen Hauptfigur von Rachel McAdams übernehmen, als Hauptfigur lässt sich dieser Auftritt aber kaum charakterisieren. Sie bleibt völlig blass und wenn man sie überhaupt zu sehen bekommt steht sie meistens nur im Hintergrund. Schade, da wäre sicher mehr drinnen gewesen.

Auch die Geschichte selbst ist eher mittelmäßig. In der ersten Stunde plätschert der Film leider nur sehr gemütlich vor sich her und die Dramaturgie köchelt nur auf Sparflamme. Diese erste Stunde zieht sich auch sehr in die Länge und sorgt leider vor allem für Langeweile, da Ritchie außer lauwarmen Aufgüssen aus dem ersten Teil kaum etwas einfällt. Die einzige positive Ausnahme ist dabei wohl die Flucht aus dem Casino, die schön temporeich und auch witzig ausfällt. Und sobald dann der große Angriff im Zug beginnt streift der Film seine verkrampfte Starrheit etwas ab und sorgt zumindestens wieder für gute Unterhaltung. Mit Szenen wie eben jenem Zugangriff, oder der in Zeitlupe gezeigten Flucht unter Attileriebeschuss lässt Guy Richtie sogar noch einmal unerwartet die Regiemuskeln spielen.

Aber es handelt sich bei den positiven Ausnahmen leider immer nur um Einzelmomente. Ab und an gelingt es wirklich einen Moment sehr gut zu inszenieren, aber Sherlock Holmes 2 erzeugt einfach keinen runden Gesamteindruck. Gut, die Steampunkatmosphäre und das (vorwiegend digital rekonstruierte) London bzw. Paris machen einen guten Eindruck, aber schlussendlich hat Sherlock Holmes 2 einfach viel zu viele Probleme und traut sich viel zu wenig die Altlasten hinter sich zu lassen. So ist der Film auch nur ein müder Aufguss des ersten Teils, bei dem Fans zwar durchaus auf ihre Kosten kommen werden, aber vom Überrschungselement und der Klasse des Vorgängers ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Fazit:
Guy Ritchie traut sich leider nicht einen ähnlich frischen Ansatz wie beim ersten Teil zu wählen. Stattdessen ist Sherlock Holmes 2 eine routinierte Fortsetzung, der es aber sowohl an der Klasse, als auch am Überraschungseffekt des Vorgängers fehlt. Gewisse Einzelmomente, wie die homoerotischen Anspielungen, die Flucht vor den Artileriegeschossen in Zeitlupe oder der Angriff im Zug überzeugen zwar, der Film fügt sich aber nie zu einem homogenen Erlebnis zusammen. Die erste Stunde ist erstaunlich langweilig, Erzfeind Moriarty wird gnadenlos verheizt und stilistisch orientiert sich der Film fast schon dogmatisch am Vorgänger, ohne wirklich etwas Neues auszuprobieren. Auch das ewig gleiche Rollenklischee von Robert Downey Jr. beginnt sich etwas abzunutzen. Fans des ersten Teils werden zwar dennoch solide unterhalten, aber schlussendlich ist Sherlock Holmes 2 ein recht mittelmäßiger und wenig aufregender Blockbuster ohne große Überraschungen.

Wertung:
6/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.1/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 47
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Liste von Missdavies
Erstellt: 18.10.2015