Mission: Impossible 4 - Phantom Protokoll (2011)

OT: Mission: Impossible - Ghost Protocol - 133 Minuten - Action / Abenteuer / Thriller
Mission: Impossible 4 - Phantom Protokoll (2011)
Kinostart: 16.12.2011
DVD-Start: 14.05.2012 - Blu-ray-Start: 08.11.2012
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Filmkritik zu Mission: Impossible 4 - Phantom Protokoll

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Die Mission: Impossible Reihe darf bereits auf eine Riege an großen Namen am Regiestuhl zurückblicken. Nach dem durchaus gelungenen Auftakt von Brian de Palma sorgte John Woo jedoch für einen recht mauen Aufguss - Doch nachdem J.J. Abrams den Karren wieder ais dem Dreck zog ist der Weg für weitere Teile wieder frei. Nun versucht sich Animationsmastermind Brad Bird, dessen Meisterwerk Ratatouille immer noch einer der besten Animationsfilme der letzten Jahre ist, also mit Mission: Impossible - Phantom Protokoll an seinem Spielfilmdebüt. Doch leider schafft er es nicht seine Stärken aus dem Animationsfach mitzunehmen, sodass der Film zu einem enttäuschenden und konfusen Blockbuster von der Stange wird, der leider kaum überzeugen kann.

Ethan Hunt (Tom Cruise) sitzt in einem russischen Gefängnis. Das will die IMF natürlich nicht auf sich sitzen lassen, also sorgen Technikexperte Benji Dunn (Simon Pegg) und die talentierte Jane Carter (Paula Patton) für einen reibungslosen Ausbruch. Nun müssen sie versuchen die Scherben der letzten gescheiterten IMF Mission zu kitten: Nachdem Agent Hallaway (Josh Holloway) getötet wurde, fielen einige Atomwaffencodes in die Hände von Bösewicht Cobolt (Michael Nyqvist). Die erste Spur zu dem Verbrecher führt Hunt und sein neues Team direkt in den Kreml, wo sie eine heikle Infiltration starten. Doch Cobolt lässt die verdeckte Operation auffliegen und jagt den Kreml in die Luft. Die Schuldigen sind auch schnell ausgemacht: Hunt und sein Team stehen im Fadenkreuz und die Beziehungen zwischen den USA und Russland liegen auf Eis, was dazu führt, dass der Präsident das IMF schließen lässt. Hunt bleibt nicht mehr viel Zeit seinen Namen rein zu waschen...

Tom Cruise hat einen großen Erfolg wieder einmal dringend nötig. Zwar hat er auch in den letzten Jahren immer wieder bewiesen, dass er nichts an schauspielerischer Klasse eingebüßt hat, aber sein Ruf ist immer noch angeschlagen vom, in den Medien ordentlich breitgetretenen, PR-Supergau rund um seinen Beziehung zu Katie Holmes (von den Imageproblemen dank Scientology ganz zu schweigen). Die Probleme gehen mittlerweile so weit, dass bereits laut darüber nachgedacht wurde, dass der ehemalige Blockbustergarant als Hauptdarsteller seines Parade-Franchise Mission: Impossible ersetzt werden soll - als dann bekannt wurde, dass Jeremy Renner für Mission: Impossible - Phantom Protokoll gecastet wurde witterten nicht wenige bereits einen möglichen Nachfolger, der bereits still und heimlich in Position gebracht wird.

Doch diese Gerüchte scheinen zum jetztigen Zeitpunkt etwas weit hergeholt zu sein. Mission: Impossible ist immer noch klar von Tom Cruise geprägt und in Anbetracht der Inszenierung fällt es schwer zu glauben, dass man hier versucht hat einen neuen Hauptdarsteller zu etablieren - dazu wurde Tom Cruise viel zu sehr als klarer Held in Stellung gebracht. Neuzugang Jeremy Renner (Oscar-nominiert für The Hurt Locker und The Town) macht seine Sache wirklich gut, fügt sich sehr schön in das IMF Team ein und darf getrost als großer Gewinn gegenüber den Vorgängern verbucht werden. Auch den restlichen Darstellern kann man für sich genommen keinen großen Vorwurf machen: Tom Cruise funktioniert als tougher Agent, Simon Pegg als spaßiger Sidekick und Paula Patton als Blickfang. Doch die Kombination funktioniert leider gar nicht.

Man hat leider über weite Strecken das Gefühl, dass sich Brad Bird nie entscheiden konnte was sein Mission: Impossible Film denn eigentlich hätte werden sollen: Auf der einen Seite schlägt er mit seinen Actionsequenzen weit über die Stränge, siedelt die zahlreichen Gadgets jenseits jeder Glaubwürdigkeit an und scheint immer noch einen nachlegen zu wollen: Sei es eine Explosion, ein dämlicher Oneliner, oder eine zusätzliche Verschärfung einer ohnehin bereits brisanten Situation (ja Sandsturm, du bist gemeint). Gleichzeitig spielt ein Tom Cruise aber genauso bierernst wie es die Reihe auch bisher von ihm verlangte und der Film will durchaus, dass man die Bedrohung und das Szenario ernst nimmt. Diese Kombination funktioniert aber einfach nicht, sodass der Film den Zuseher auf so vielen Ebenen mit verschiedenen Entscheidungen bombardiert, dass ein absoluter Overkill entsteht.

Dazu passt auch, dass die Story mit der Rastlosigkeit eines Getriebenen erzählt wird. Man hat das Gefühl, dass Brad Bird mit dem Rücken an der Wand steht und in seiner Not immer weiter aufs Gas steigen muss. Das kann jetzt zweierlei Wirkung haben: Wer sich auf den Stil des Films einlässt, bekommt eine temporeiche Hetzjagd um den Globus geboten, wer aber nicht in die Geschichte kippt, der wird mit jeder weiteren Sekunde noch weiter weggestoßen. Und dann kann es auch schon einmal passieren, dass der eigentlich sehr schnell erzählte Film recht langweilig wird und sich die (doch recht lange) Laufzeit wie eine Ewigkeit anfühlt. Dazu trägt aber sicherlich auch bei, dass Brad Bird seine Tugenden als Regisseur scheinbar bei Pixar vergessen hat.

Denn gerade wenn man sich im Vergleich sein Meisterwerk Ratatouille ansieht, so muss man erkennen, dass er jedes Gespür für die Charaktere und die Geschichte verloren zu haben scheint. Besonders tragisch ist dies für den eigentlichen Oberbösewicht Cobalt, der ungefähr so viel Tiefe bekommt wie sie ein russischer Retortengegner von James Bond während des Kalten Krieges zugesprochen bekam - passend dazu wohl auch der 08/15 MacGuffin “Raketencodes”. Man weiß eigentlich nie so recht warum der Bösewicht so handelt wie er handelt, bzw. was er eigentlich gerade so plant - da er auch völlig in den Hintergrund geschoben wird und kaum nennenswerte Screentime bekommt.

Das führt wiederum auch dazu, dass man die eigentlichen Handlungen der Hauptfiguren zwar hinnimmt, sich aber nie ein konsequenter roter Faden erkennen lässt. Man hat viel eher das Gefühl, dass man das IMF Team an möglichst viele, möglichst beeindruckende Orte rund um den Globus positionieren wollte, damit sie dort in üblicher Manier der Reihe irgendwo möglichst ausgeklügelt einbrechen können. Warum sie das allerdings gerade tun und wie sich das mit der restlichen Story verbinden lässt scheint gar nicht so wichtig zu sein. Dies alles führt leider dazu, dass sich die verschiedenen Einzelteile des Films völlig gegeneinander ausbremsen und sich nie ein großes Ganzes entwickelt. Wer dumpfe Action und dämliche Sprüche sucht, mag dem Film vielleicht einen kurzweiligen Abend entlocken, aber alle anderen können sich diese verkorkste Blockbustermischung aus der Tüte auch gerne sparen.

Fazit:
Mission: Impossible - Phantom Protokoll ist leider ein Film der vergebenen Chancen. Man hat mit Brad Bird einen großen Geschichtenerzähler am Regiestuhl, lässt ihn aber nur abstruse Einzelmomente abfilmen, die sich in Summe höchstens zu einem Groschenroman zusammenfügen. Das Wichtigste scheint es zu sein die Haupdarsteller an möglichst viele exotische Orte zu befördern, wo sie auf möglichst spektakuläre Weise irgendwo einbrechen müssen. Zu einer Story fügt sich das aber nicht zusammen - was aber auch daran liegen könnte, dass Bösewicht Cobalt nur ein Abziehbildchen aus einem Kalten-Kriegs-Szenario ist und kaum Screentime bekommt. Hinzu kommt ein Stil der abstruste Actionszenen mit auflockerndem Humor paart aber gleichzeitig trotzdem darauf abzielt, dass man die Geschichte irgendwie ernst nimmt. Exemplarisch für diese chaotische Mischung auch die verschiedenen Schauspielstile im Film: Während Tom Cruise bierernst in einem Agententhriller spielt, scheint Simon Pegg in einer Komödie zu agieren und Jeremy Renner ordnet sich irgendwo dazwischen ein. Das ganze führt zu einem reichlich unausgegorenem Durcheinander, das leider nicht überzeugt und auch noch deutlich zu lange braucht um endlich zu einem Ende zu finden.

Wertung:
4/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 35
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