Huhn mit Pflaumen (2011)

OT: Poulet aux prunes - 93 Minuten - Drama
Huhn mit Pflaumen (2011)
Kinostart: 06.01.2012
DVD-Start: 09.08.2012 - Blu-ray-Start: 09.08.2012
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Filmkritik zu Huhn mit Pflaumen

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Huhn mit Pflaumen (Poulet aux Prunes) ist der zweite Film des Regieduos Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud, die sich bereits für den hoch gepriesenen Animationsfilm Persepolis verantwortlich zeigten. Mit ihren neuesten Film verlassen sie die reine Tricktechnik hin zu einem „realeren“ Film, der seine Herkunft jedoch nicht verleugnen kann. Das Resultat ist eine stilistische Mixtur aus Live-Action-Film und Animationsfilm mit Anleihen beim italienischen Melodrama, bei der amerikanischen Sitcom und dem fantastischen Film à la Méliès . Ein bezauberndes Märchen über Liebe, Träume, Zauberei und den Tod.

Huhn mit Pflaumen ist das Lieblingsgericht Nasser-Ali Kahns (Mathieu Amalric), seines Zeichens größter Geiger seiner Zeit. Die Zeit ist das Jahre 1958. Der Ort: Teheran. Als bei einem Ehestreit Nasser-Alis geliebte Geige zu Bruch geht, vergeht ihm nicht nur der Appetit auf seine Lieblingsspeise, sondern auch die Lust zu leben. Verzweifelt versucht er eine neue Geige zu finden, doch selbst eine Stradivari, die angeblich Wolfgang Amadeus Mozart gehörte, kann das Loch in seinem Herzen nicht wieder stopfen. Nasser-Ali beschließt zu sterben. In seinem Bett wartet er acht Tage auf den Tod. Acht Tage in denen er die schönsten und tragischsten Momente seiner Vergangenheit, aber auch die Zukunft seiner Kinder (wieder) erlebt.

Vier Jahre sind vergangen seit Satrapis und Paronnauds letzten gemeinsamen Film. Persepolis war ein großer internationaler Erfolg und setzte mit seinem außergewöhnlichen holzschnittartigen Animationsstil und seinem politisch aufgeladenen Inhalt neue Maßstäbe auf dem Gebiet des Animationsfilms für Erwachsene. Die Erwartungen in den Nachfolger sind dementsprechend hoch. Wie schon für Persepolis dient auch für Huhn mit Pflaumen die gleichnamige Graphic Novel von Marjane Satrapi als Vorlage. Im Gegensatz zu Persepolis ist Huhn mit Pflaumen jedoch weniger politisch, weniger eindringlich als der Vorgänger. Wieder schöpft Satrapi aus dem reichen Fundus ihrer eigenen Familiengeschichte: Die Geschichte über den Onkel ihrer Mutter, einem Musiker, der eines ungeklärten Todes starb. Huhn mit Pflaumen vermischt Familienerinnerungen mit Fiktivem und kreiert dabei einen ganz eigenen Kosmos. Eine Welt voller Melancholie, Schmerz und Emotionen, aber auch Humor. Versuchte Persepolis als Animationsfilm die Intensität und Tiefe eines „realistischen“ Filmes nachzuahmen, so geht Huhn mit Pflaumen den umgekehrten Weg. Der Film taucht ein in die schier grenzenlose darstellerische Freiheit eines animierten Films.

Dem nichtlinearen Erzählstil der Buchvorlage sind die beiden RegisseurInnen treu geblieben. Die Erzählweise ist durchdrungen von Rückblenden, Zeitsprüngen und Ellipsen. Ästhetisch verschreiben sich die RegisseurInnen einem eklektischen Stil. Eine Hommage an die repräsentativen Möglichkeiten des Kinos. Animierte Sequenzen fließen in Live-Action-Sequenzen über, anekdotische Episoden werden zum Teil gänzlich als Trickfilmanimation dargestellt oder als stilisierte Sitcominszenierung präsentiert. Zum Ende darf Nasser-Ali sogar dem Todesengel Azraël (Edouard Baer) begegnen.

Die ästhetischen und stilistischen Brüche die die Beiden immer wieder in die Erzählung einflechten sind nicht immer gelungen. Besonders die als humoristisch intendierte Episode im Sitcom-Stil wirkt stark überzeichnet und schießt am Ziel vorbei. In einem durchwegs intelligent inszenierten Film trüben derart flache humoristische Anklänge, wenn auch visuell durchaus interessant, die Gesamterscheinung des Films. Gelingt es auf der einen Seite harmonische Übergänge zwischen Realbild und Animation zu schaffen, so wirken manche Szenenschnitte zu heftig und erzeugen eine harte Zäsur im an und für sich stimmigen Gesamtbild. Nichts desto Trotz überwiegt eine harmonische Komposition der Bilder, dessen Strahlkraft auch kleine Ungereimtheiten überblendet. So ist es nicht weiter tragisch, dass man zum Beispiel der jungen Irâne (Golshifteh Farahani) ihr älteres Pendant nicht abkauft oder dass das Teheran der 1950er Jahre starke europäische Züge aufweist.

Fazit:
Comicverfilmung auf Französisch, die abseits von millionenschweren Computeranimationen auf großes Effekt- und vor allem Affektkino setzt. Huhn mit Pflaumen ist eine Absage an ein puristisch, realistisches Kino, eine Ode an das Fantastische, der Welt der Träume und der Zauberei. Satrapi und Paronnaud knüpfen dort an, wo die Filmgeschichte mit Méliès aufgehört haben zu scheint. Huhn mit Pflaumen ist die logische und folgerichtige Fortsetzung von Persepolis und auf den Abschluss der Irantriologie von Satrapi und Paronnaut darf gespannt gewartet werden.

Wertung:
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