Fargo (1996)

OT: Fargo - 98 Minuten - Thriller / Komödie
Fargo (1996)
Kinostart: 14.11.1996
DVD-Start: 14.06.2013 - Blu-ray-Start: 14.06.2013
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Filmkritik zu Fargo

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Die Coen Brüder, Joel und Ethan dürfen sich zu den bemerkenswertesten Filmemacher unserer Zeit zählen. Sie zeigen sich verantwortlich für filmische Meisterwerke wie Miller`s Crossing, Barton Fink, The Big Lebowski oder The Man who wasn`t there. Die gänzliche Aufmerksamkeit der Filmwelt bekamen sie allerdings erst im Jahr 1996, als ihr Meisterwerk Fargo in die Kinos kam. Zwar konnten sie schon im Jahr 1991 die Goldene Palme in Cannes für ihren Film Barton Fink gewinnen, und einer ihrer, meiner Meinung nach besten Filme, kam mit Miller´s Crossing schon im Jahr 1990 in die Kinos, aber erst der Drehbuchoscar für Fargo öffnete ihnen alle Tore.

Die Kritiker liebten sie schon immer, aber erst Fargo konnte ihnen das Publikum bescheren dass sie auch verdienen. Aus 7 Oscarnominierungen, darunter eine Nominierung als bester Film und eine Nominierung für Regisseur Joel Coen, konnte man schließlich den Oscar für das beste Drehbuch und für Frances McDormand, den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewinnen. Fargo vereint dabei alle Komponenten eines typischen Coen Films und treibt ihren Stil in die Perfektion. Schräge Figuren und viel schwarzer Humor sammeln sich in einer wundervollen, schneeverwehten Welt, die mit gelungener Hinterwäldler-Atmosphäre punkten kann und Fargo schließlich zu einem Meisterwerk werden lässt. Der Film ist schlicht ein Klassiker der Filmgeschichte und für alles Cineasten ein Pflichttermin.

Autohändler Jerry Lundegaard (William H. Macy) ist in Geldnöten, hat sich aber bereits einen Plan zurechtgelegt, wie er seine Probleme lösen kann. Es gibt eine Möglichkeit wie er von seinem reichen Schwiegervater Wade Gustafson (Harve Presnell) das Geld, dass er benötigt, aber unter normalen Umständen von diesem nie bekommen würde, ergattern kann. Jerry engagiert zwei Galgenvögel, die seine Frau entführen sollen, und von Wade das Geld erpressen sollen, dass sie dann mit Jerry teilen. Die beiden Ganoven, der gesprächige und nervöse Carl Showalter (Steve Buscemi) und sein schweigsamer und psychopathischer Kollege Gaear Grimsrud (Peter Stormare) verbocken jedoch alles und so ist Polizistin Marge Gunderson (Frances McDormand) schon am nächsten Tag dabei einen dreifachen Mord aufzuklären...

Fargo basiert in seinen Grundzügen auf einer wahren Geschichte, die sich im verschneiten Minnesota zugetragen hat. Dieses Minnesota ist auch die Heimat der beiden Filmemacher Joel und Ethan Coen, die sichtlich gerne in ihre Heimat zurückkehren. Mit viel Gefühl zeichnen sie die Kleinstadt-Atmosphäre in dieser unwirtlichen Gegend. Schnee soweit das Auge blickt und die Farbe Weiß ist auch der dominierende Eindruck, der jedes Bild beherrscht. Im krassen Gegensatz zur weißen Landschaft steht das rote Blut, dass sich tief in die Erinnerung des Zusehers einbrennt und das die Coens sicher nicht zufällig als krassen Gegensatz zur Landschaft zeigen.

Das ländliche Minnesota ist eine ruhige, abgelegene Gegend. Hier scheint die Zeit langsamer zu laufen und jeder kennt jeden. Gewalt ist hier etwas ungewohntes und unwirklich, und genauso wirkt das rote Blut im tiefweißen Schnee auch: Als etwas Fremdes, dass eigentlich hier nicht hingehört. Und genau die Bilder, in denen sich Blutlachen am lupenreinen Schnee bilden, sind neben der unliebsamen Entsorgung einer Leiche in einem Hexler, auch die denkwürdigsten Bilder des Films. Und das obwohl Fargo eigentlich in seiner Gesamtheit in jeder einzelnen Szene denkwürdig ist.

Dabei ist der Film, wenn man ihn oberflächlich betrachtet, gar nicht so anders, als viele andere Krimi-Thriller. Die Gangster schmieden einen Plan, bei dem alles schief geht und schließlich muss die Polizei ein Blutbad aufklären. Doch in diesem gewohnten Terrain verlassen die Coen Brüder die ausgetretenen Pfade und gehen neue Wege. Zwei Dinge sind es die Fargo besonders von anderen Krimis abheben, und die auch absolut typisch für einen Film der Coens sind. Zwei Kleinigkeiten, die im Gesamtprodukt einen gewaltigen Unterschied ausmachen.

Zum Einen ist dies die Atmosphäre die von den Coens erschaffen wird. Die schneeverwehten Landschaften, in denen der Zuseher die Kälte beinahe selbst spürt, bilden einen gelungenen Kontrast zu typischen Hollywoodlocations. Richtig ausgezeichnet ist es allerdings gelungen, eine glaubwürdige Hinterwäldler-Atmosphäre zu erschaffen. Alle Figuren haben diese besondere Hillbilly-Ausstrahlung und wirken allesamt ein bisschen zurückgeblieben. Dies schlägt sich nicht nur in ihrer Sprachweise, sondern in ihrer gesamten Art an sich nieder und zeichnet ein herrlich sympathisches Kleinstadtbild, dass sich nicht vor der gelungenen Atmosphäre in David Lynchs Twin Peaks verstecken muss.

Der zweite Punkt bezieht sich auf den klassischen, Coen-typischen, schwarzen Humor des Films. Sie schaffen es selbst ernsthafte Szenen, wie zum Beispiel brutale Mordszenen, mit viel schwarzem Humor aufzuladen und den Zuseher so zu unterhalten. Das Publikum sollte dabei allerdings auf jedenfall einen Zugang zur eigenwilligen Art der Coen-Brüder haben, denn ansonsten funktioniert der Film nur halb so gut. Denn die Gratwanderung zwischen einer ernsten Geschichte, und einer schwarzen Komödie, ist es gerade, was Fargo so interessant macht.

Wunderbar ist auch der spezielle Stil der Coen-Brüder, Filme zu machen. Ohne zu übertreiben treffen sie immer wieder den richtigen Ton und schaffen die Balance zwischen Humor und Drama so gut, wie es nur die wenigsten Filmemacher können. Ein Markenzeichen ist dabei dass sie auf sehr dezente Weise inszenieren. Die Überblendungen finden großteils mit einem Fade-to-Black statt und aufdringliche Kameraspielereien sucht man vergebens. Ruhig und konzentriert bringen sie ihre Geschichte voran, ohne auf den Zug der Effektharscherei aufzuspringen.

Ein weiteres Highlight stellen selbstverständlich die grandios aufspielenden Darsteller dar. Die für ihre Rolle oscarprämierte Frances McDormand hält den Film auf gewisse Weise zusammen und bringt mit ihrem ruhigen und bedachten Spiel die Hinterwäldler-Stimmung auf den Punkt. William H. Macy, der scheinbar Zeit seines Lebens für Nebenrollen vorgesehen bleibt, sorgt mit seinem nuancierten Spiel für Mitleid und verkörpert seine Figur eindrucksvoll. In Erinnerung bleiben sicher auch Steve Buscemi und Peter Stormare, die mit ihrer Gangsterdarstellung genau ins schwarze Treffen und mit ihren unterschiedlichen Charaktereigenschaften des Öfteren für Lacher sorgen. Steve Buscemi hat den lauteren Part und Peter Stormare ist der ruhige, aber weitaus beängstigendere der beiden.

Alle Räder greifen hier ineinander und machen Fargo zu einem Film der Extraklasse. Jeder Filmfan muss sich diesen Film ansehen, denn es ist wirklich beeindruckend wie es die Coens hier schaffen ihren gesamten Stil auf den Punkt zu bringen und quasi "DEN" perfekten Coen Film abzuliefern. Auf Statementes, ob Fargo nun besser ist als ihre anderen Meisterwerke, wie The Big Lebowski, oder Miller´s Crossing, lasse ich mich an dieser Stelle allerdings nicht ein, denn alle diese Werke sind auf ihre Weise herausragend. Sicher ist jedoch dass Fargo ein großartiger Film ist. Dank Filmen wie diesem gibt es soviele Filmfans auf dieser Welt.

Fazit:
Fargo ist in jedem Punkt herausragend. Die Coen Brüder schaffen es eine denkwürdige Hillbilly Atmosphäre zu kreieren und können eine gelungene Brücke zwischen schwarzer Komödie und ernstem Thriller schlagen. Die Darsteller agieren dabei allesamt auf überirdisch hohem Niveau und das ausgeklügelte Drehbuch trägt das übrige dazu bei um aus Fargo einen der Klassiker der Filmgeschichte zu machen. Für jeden Filmfan ein Pflichttermin!

Wertung:
10/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 69
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